Jeverland - Wie ist das eigentlich, wenn man am Heiligen Abend oder einem der Feiertage gewissermaßen als „Christkind“ geboren ist? „Wer Weihnachten Geburtstag hat, ist immer gestraft“, erklärt dazu Gerd Zunken aus Accum, der an diesem 1. Weihnachtstag seinen 60. Geburtstag feiert.
Immerhin hatte sich sein Vater den Sohn als Weihnachtsgeschenk gewünscht und wenige Minuten nach dem Heiligen Abend war es tatsächlich so weit. Zunken aber fand es als Kind gar nicht schön, dass es zwar ein etwas größeres Geschenk bei der Weihnachtsbescherung gab, am Geburtstag dann aber nichts weiteres.
Da hatte es Meike Hajen etwas besser, obwohl sie sogar direkt am Heiligen Abend geboren wurde: „Ich war die Bescherung für meine älteren Geschwister.“ Für die Tochter des Sillensteder Gemeindedirektors Onken hatte dieser Termin sogar besondere Vorteile. Während Zunken auch beklagt, dass es ja nie eine Feier in der Schule oder mit den Freunden gab, war das im Hause Onken gerade umgekehrt. Ab 11 Uhr wurde die Kinder der Umgegend eingeladen und da seien die Mütter im Dorf sogar froh gewesen, dass sie ihre Kleinen in den Stunden der Weihnachtsvorbereitungen los waren. Und Geschenke gab es für die kleine Maike an diesem Vormittag obendrein. So ähnlich hält es das längst Großmutter gewordene Christkind noch heute und genießt es. Alle Leute hätten dann Zeit zum Klönen bei Kaffee und Kuchen.
Das mit dem Feiern hält Dr. Holger C. Janßen aus Oldorf etwas anders, wobei von klein an ein Grundsatz bei ihm gilt: keine Gratulationen vor Sonnenaufgang am 1. Feiertag, seinem Geburtstag. Daran hält er eisern fest und geht Heiligabend spätestens fünf Minuten vor Mitternacht zu Bett. Als Kind sei ein Vorteil dieses vermeintlich ungünstigen Geburtstagstermins gewesen, dass er sich auch etwas Größeres wünschen durfte. Etwas wie ein Fahrrad oder ein erster Computer wären dem damals zuständigen Weihnachtsmann für Weihnachten allein zu viel des Guten gewesen. Die Koppelung aber machte es möglich. Allerdings wurden solch größere Geschenke dann auch erst zum Geburtstag kredenzt, so dass das Geschenkebüffet am Heiligen Abend in dem Falle etwas sparsamer ausfiel.
Das Feiern mit anderen Kindern fand übrigens auch bei ihm statt und zwar stets am 28. Dezember. Und Holger Janßen streicht einen Vorteil seines Geburtstags heraus, den er gerade als Berufstätiger sehr schätzt: er hat dann stets frei und kann den ganzen Tag im Kreise seiner Lieben genießen. Das empfand auch Friedrich Meyerhofer aus Waddewarden als Vorteil, der an diesem Heiligen Abend seinen 92. Geburtstag feiert. Er wurde damals im Elternhaus nebenan geboren, ließ sich i jedoch Zeit. Da habe die Hebamme erst noch mitgeholfen, den Weihnachtsbaum zu schmücken, bis er um 14 Uhr zur Welt kam. Damals war die Geschenkeflut noch recht bescheiden, so gab es zum Geburtstag vormittags eine Tafel Schokolade und abends nach dem Kirchbesuch die normale Weihnachtsbescherung.
In diesem Jahr wird er es wieder halten wie seit vielen Jahren. Vormittags kommen Gratulationsgäste und abends geht es in den Spätgottesdienst in der Westrumer Elisabeth-Kirche, zumal Ehefrau Annemarie dort in der Singgruppe mitmacht. Da aber gibt es um Mitternacht nach dem Segen stets einen Anlass für ein besonderes Ständchen, denn Pastorin Hanja Harkes Geburtstag beginnt mit dem zwölften Glockenschlag der Uhr. Womit sie denn auch die sprichwörtliche Ausnahme von der Regel des arbeitsfreien weihnachtlichen Geburtstags ist, über den sich fast alle anderen „Christkinder“ sonst freuen.
