Jeverland - An die „kleinen Dinger“, die vor allem im Wangerland stehen, hat man sich längst gewöhnt. Dort stehen etwa 60 kleine Windräder aus den 1990er-Jahren, manche kaum 50 Meter hoch, andere im Bereich 75 bis 100 Meter.
Verglichen mit modernen Windenergieanlagen ist das jedoch „Spielzeug“: Die Rotoren im Windpark Bassens im Wangerland beispielsweise messen schon 150 Meter, die Anlagen im Windpark Sande sind 180 Meter hoch.
Größere Kaliber
Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden neue Anlagen dieses oder noch größeren Kalibers in naher Zukunft auch in Friesland errichtet werden, denn: Hannover und Berlin wollen die regenerativen Energien kräftig ausbauen. Aufgrund des Ausstiegs aus russischem Erdgas soll die Energiewende vorangetrieben werden.
Schon im Windenergieerlass des Landes Niedersachsen von 2021 ist von Flächenquoten von 1,4 Prozent bis 2030 und von 2,1 Prozent ab 2030 die Rede. Diese Vorgaben sind nicht rechtsverbindlich, dienen aber gleichwohl als Richtschnur für die Planungen vor Ort.
Berlin gibt Quoten vor
Berlin will noch einen Schritt weitergehen: Das geplante Gesetz über den beschleunigten Ausbau der Windenergie an Land sieht Quoten für die Bundesländer von 1,7 Prozent bis 2026 und von 2,2 Prozent bis 2032 vor. Nicht jede Kommune muss diese Quoten erfüllen. Städte beispielsweise werden beim Thema Windkraft rasch an Grenzen stoßen.
Die Kommunen werden jedoch planerisch nachweisen müssen, dass sie der Windkraft „substanziellen Raum“ zuweisen. Dieser Begriff ist zwar nicht definiert, bestimmt aber die Rechtssprechung der Verwaltungsgerichte. Wie ist nun die Situation der Kommunen im Jeverland beziehungsweise des Landkreises Friesland?
Stadt Schortens
Für Schortens liegt bereits eine Potenzialstudie vor. Ausgehend von einer Referenzanlage mit 200 Metern Höhe weist sie 127 Hektar für Windkraft aus; das entspricht 1,87 Prozent des Stadtgebiets. Die Studie muss noch vom Rat verabschiedet werden. Danach ist sie Grundlage der weiteren Planung.
Gemeinde Sande
In der Gemeinde Sande gibt es nur den Windpark der Unternehmensgruppe Schloss Gödens mit acht Windrotoren und einer Gesamtleistung von 22,8 Megawatt. Der Windpark hat eine Größe von 70 Hektar. Das entspricht 1,56 Prozent der Gemeindefläche von 4487 Hektar.
Die Gemeinde will eine Potenzialstudie in Auftrag geben, um zu ermitteln, ob bzw. wo weitere „Sonderbauflächen Windenergie“ ausgewiesen werden könnten. Frühestens Ende dieses Jahres könnten erste Ergebnisse vorliegen, sagt Nadine Stamer, Leiterin der Bauverwaltung.
Stadt Jever
In Jever stehen aktuell 14 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 30 Megawatt auf einer Fläche von insgesamt 47,3 Hektar. Das entspricht 1,12 Prozent des Stadtgebiets von 4213 Hektar.
„So ganz weit von den 1,4 Prozent des Landes sind wir nicht entfernt“, sagt Bauamtsleiter Dietmar Rüstmann, und: „Wenn es neue Vorgaben gibt, dann werden wir uns mit dem Thema befassen und eine neue Potenzialflächenanalyse erstellen.“
Pläne für Windparks im Bereich Sandel-Sandelermöns waren vor wenigen Jahren aufgrund heftiger Proteste abgelehnt worden. Die Investoren haben diese Pläne nun aber wieder vorgelegt.
Gemeinde Wangerland
In der Gemeinde Wangerland gibt es bislang zwei Windparks: in Bassens (188 Hektar, 13 Rotoren, 36 Megawatt) und in Waddewarden (18 Hektar, 4 Windräder, 10,7 Megawatt).
Zwei weitere Windparks sind im Genehmigungsverfahren: Süderhausen (südlich Hohenkirchen mit 15,3 Hektar, 2 Rotoren und 9,1 Megawatt) und Pievens (südlich Tettens mit 4 Rotoren, 37 Hektar und 22 Megawatt).
Zusammen ergibt das 257 Hektar oder 1,46 Prozent der Gemeindefläche (17 600 Hektar).
Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat jedoch die 104. Änderung des Flächennutzungsplans „kassiert“. Die Neuaufstellung der Planung läuft. Ein Ergebnis gibt es noch nicht.
Landkreis Friesland
Im Landkreis Friesland sind insgesamt 868 Hektar für Windenergie ausgewiesen (einschließlich der geplanten Windparks im Wangerland). Gesamtleistung (ohne Einzelanlagen): 244 Megawatt. Das entspricht einem Flächenanteil von 1,42 Prozent am gesamten Kreisgebiet von insgesamt 61 200 Hektar.
„Es bleibt festzuhalten, dass der Windenergie substanziell Raum gegeben ist und sowohl die Vorgaben des Landesraumordnungsprogramms als auch die Zielvorstellung des Windenergieerlasses erfüllt sind“ – so steht es im Regionalen Raumordnungsprogramm von 2020.
Ob diese Zuversicht angesichts der jüngsten Entwicklungen noch trägt, bleibt abzuwarten.
