Jeverland - In der vergangenen Bund-Länder-Konferenz haben die Politiker weitere Öffnungsschritte beschlossen: Blumengeschäfte und Buchhandlungen dürfen seit dem 8. März wieder geöffnet haben, Einzelhandel müssen Termine zum Shoppen vergeben. Frühestens am 22. März ist dann auch die Gastronomie dran: So dürfen auch hier, solange der niedersächsische Inzidenzwert unter 100 bleibt, dann die Außenbereiche öffnen. Doch einige Gastronomen im Jeverland meinen: Dieser Öffnungsschritt ist für sie keine große Hilfe. Sie wünschen sich mehr Planungssicherheit.
DEHOGA
„Die Stimmung unter den Gastronomen ist derzeit natürlich nicht sonderlich gut“, sagt Carsten Neumann, Vorsitzender des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Kreisverband Jeverland. „Wir sehen momentan, dass der Inzidenzwert weiter steigt. Viel Hoffnung auf ein Ostergeschäft haben wir also nicht.“
Die Öffnung der Außengastronomie sei wenig durchdacht worden, findet Neumann. „Was sollen wir denn machen, wenn es plötzlich anfängt zu regnen? Unsere Gäste dürfen wir ja nicht hereinlassen.“ Wenn der Inzidentwert 50 überschreitet, haben nur Gäste mit einem tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest Zutritt. „Aber kaum jemand wird extra einen Schnelltest machen, um spontan eine Tasse Espresso trinken zu können.“
Hooksiel
Für Sven Klostermann, Betreiber des Restaurants „Zum Schwarzen Bären“, sind die neuen Beschlüsse wenig sinnvoll – auch er sieht das Ganze mit Blick aufs Wetter kritisch. „Was machen wir mit unseren Gästen, wenn es plötzlich regnet? Da das niemand weiß, fühle ich mich nun auch ziemlich im Regen stehen gelassen.“
Auch seien ihm die Regeln, die sich immer verändern würden, ein Dorn im Auge: „Ich bin nur noch müde von dieser ewigen Hinhalte-Taktik. Wir brauchen endlich klare Ansagen. In der Gastronomie muss man planen können.“
Ähnlich sieht das sein Mitstreiter Dieter Vogel vom Restaurant „Zum Anker“: „Selbst wenn wir Ostern öffnen dürften, wer versichert mir denn, dass wir auch ein paar Tage danach noch Gäste bewirten können? Wie soll ich denn da frische Ware kaufen?“ Die Öffnung der Außengastronomie sei laut Vogel nur für große Biergärten in Bayern sinnvoll – nicht aber in Friesland. „Unsere Region ist nicht gerade für ihr beständiges Wetter bekannt. So viele Heizstrahler kann ich gar nicht aufstellen, damit sich unsere Gäste draußen wohlfühlen.“ Zudem könne er ohnehin nur maximal sechs Tische eindecken – was sich betriebswirtschaftlich einfach kaum rechnen würde, sagt der Gastronom.
„Mein Plädoyer: Lieber Ostern komplett geschlossen bleiben – bis die Corona-Zahlen wieder zurückgehen und wir mit dem Impfen weiter sind. Und wenn alles gut geht, dann kann vor Pfingsten wieder alles öffnen.“ Dann aber auch richtig: länger und auch im Innenbereich, sagt Vogel.
Jever
Obwohl Angelika Radtke vom „Hof von Oldenburg“ grundsätzlich froh über die finanziellen Hilfen des Staates ist, sieht auch sie mit der Öffnung der Außengastronomie keine große Besserung. „Sobald es windig oder regnerisch wird, will auch niemand mehr einen Kaffee trinken“, sagt Angelika Radtke.
Sie und ihr Team wollen da ganz realistisch bleiben und hoffen, dass sie ab Mai wieder richtig loslegen können.
Schortens
Stephan Otto vom „Forsthaus Upjever“ freut sich eigentlich über die Öffnung der Außengastronomie: Denn er habe draußen viel Platz. Allerdings bemängelt auch er die fehlende Planungssicherheit. „Nachher muss ich doch wieder nach ein paar Tagen schließen und kann meine Lebensmittel wieder wegschmeißen.“
Für ihn sei es unverständlich, dass die Gastronomie derzeit noch geschlossen bleiben muss. „Hier können wir wenigstens versichern, dass Abstand gehalten wird und Kontaktdaten hinterlassen werden. Die hohen Inzidenzen kommen nicht von Restaurantbesuchen – sondern von privaten Treffen.“
Otto macht der Politik Vorwürfe. „Ich glaube, niemand erwartet, dass in einer Ausnahmesituation – wie jetzt – keine Fehler passieren. Aber ich habe leider den Eindruck, dass aus Fehlern einfach nicht gelernt wurde“, meint er. Da die Inzidenzen weiter steigen, liege auch seine Hoffnung darin, dass das Impfen schnell und flächendeckend funktioniert.
Sande
Angela Wille, Inhaberin von „Pitt’s – Tapas & Steaks“ in Sande, teilt ebenfalls die Einschätzung ihrer Mitstreiter. Sie meint mit Blick auf die Schließungen, dass auch eine gewisse Feinfühligkeit in der Politik fehle. „Wir haben extrem viel dafür getan, alles Corona-konform zu gestalten: Stellwände aufgestellt, Spuckschutze errichtet und aufwendige Hygienekonzepte entwickelt.“ Daher sei die lange Schließung wie ein Schlag ins Gesicht gewesen.
