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Brauchtum Püttwesen weiterhin quicklebendig

Jeverland - Die Zahl der aktiven Brunnengemeinschaften ist leicht rückläufig, das Püttbier ist am Montagabend deshalb aber nicht weniger lebendig und quirlig gefeiert worden. Am Tag der Rechnungslegung der Püttachten, die nach der Brunnenordnung von 1756 am Montag nach Heilige drei Könige erfolgen muss, stand auch die Kür der neuen Püttmeister um Mitternacht an. Dabei wurden Zylinder und Amtsketten an die Nachfolger übergeben. Doch wieder einmal war Püttbier viel mehr als das: Die Gemeinschaften aßen, tranken und sangen, testeten das Wasser in den festlich geschmückten Brunnen, tauften neue Mitglieder nach altem Brauch, änderten Regeln und pflegten vor allem ihre Nachbarschaft.

In den Gaststätten und privaten Treffpunkten ging es zuweilen hoch her – unabhängig davon, ob ein Brunnen nun 300 oder nur 40 Jahre alt war, ob er in der Altstadt oder in einem Neubaugebiet steht. Auch Jubiläen wurden gefeiert, wobei die Püttacht Wangerstraße mit ihren 300 Jahren nicht nur ganz vorn lag, sondern auch einen neuen Ablauf hatte: Wegen des Pächterwechsels im „Haus der Getreuen“ stand die Gaststätte nicht als Treffpunkt zur Verfügung, die Gemeinschaft ist deshalb auf das Brauereimuseum ausgewichen.

Die Zukunft des Püttwesens

In welche Richtung sie letztlich und langfristig ausschlagen werden, ist noch nicht ganz abzusehen, aber es gibt durchaus Vorzeichen für die Zukunft des Püttwesens in Jever und im Jeverland. Ihre Deutung ist nur leider nicht so einfach.

Sicher ist: Es haben sich in diesem Jahr auch wieder einige Püttachten aus dem Brauchtum abgemeldet, weil sie buchstäblich kurz vorm Aussterben stehen und die letzten lebenden Mitglieder sich zu alt für das Fest fühlen. Zugleich ist es ohnehin ein Brauchtum der Sesshaften und Älteren – unter 30-Jährige sind mit beruflicher Laufbahn und Lebensentscheidungen zu sehr beschäftigt, um sich auf absehbar lange Zeit auf das Püttwesen einzulassen. Zu viele alte Hasen können für junge Hüpfer auch abschreckend wirken, was die Freizeitgestaltung betrifft. Geschichtsbewusstsein ist kaum noch etwas, das bei den Jungen vorausgesetzt werden kann. Nicht zuletzt ist wohl auch die reine „Männersache“ in einigen historischen Püttachten ein Hindernis auf dem Weg zur Verjüngung.

Andererseits dürfen gerade aus dem Vorjahr einige Entwicklungen als Meilensteine gelten und lassen damit für die Zukunft des Brauchtums hoffen. So gab es im Sommer ein großes Fest aller Püttachten im Schlosshof – einmalig. Und ebenso waren nahezu alle Gemeinschaften beteiligt, als der restaurierte Brunnen der Schloss-Vorburg im November eingeweiht wurde. Für diesen historischen Brunnen, dem sich noch keine Püttacht widmet, soll es im kommenden Sommer ein Fest geben. Und noch etwas lässt hoffen: Die Hof-Pütt-Gemeinschaft in Rahrdum hat das Püttbier auf Samstag vorgezogen, um Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Dieser Pragmatismus war immer nützlich, um Brauchtum zu erhalten. Noch ist das Püttwesen in der Marienstadt quicklebendig.

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