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Corona Verbot von Klassenfahrten trifft Jugendherbergen hart

Jörg Stutz

Jeverland - Etwa 80 Vareler Schüler wollten in dieser Woche in der Jugendherberge Jever ein paar schöne Tage verbringen. Daraus wird nun nichts – die Schule hat den Aufenthalt kurzfristig storniert. Der Grund: Wegen „der aktuellen pandemischen Lage“ hat das niedersächsische Kultusministerium mehrtägige Klassenfahrten bis zum Beginn der Osterferien am 4. April untersagt (siehe Info-Kasten). Das ist nicht nur ein Schlag ins Kontor für die ohnehin von der Corona-Krise gebeutelten drei jeverländischen Jugendherbergen Jever, Schillighörn und Wangerooge. So weiß der Geschäftsführer des Landesverbands Unterweser-Ems des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), Thorsten Richter, wie wichtig nach zwei Jahren Pandemie „gemeinsame Fahrten für das soziale Gefüge einer Klasse sind“.

Keine Tagesausflüge

Das bestätigt Berta Paasman. Die Fahrten entsprächen nicht nur dem Bildungsauftrag der Schulen, sondern seien wegen der Gruppendynamik auch wichtig für den Zusammenhalt der Klassen, so die Leiterin der Elisa-Kauffeld-Oberschule. Weil die Schulleitung eine entsprechende Anordnung des Kultusministeriums „schon erwartet“ hatte, hatte die jeversche Schule bis Osten ohnehin keine Mehr-Tages-Fahrten geplant. Selbst Tagesausflüge, die nach wie vor erlaubt sind, seien storniert worden – wie zum Beispiel eine Fahrt ins Bremerhavener Klimahaus. Paasman begründet diesen Schritt mit den zurzeit hohen Corona-Fallzahlen in der Hafenstadt an der Wesermündung.

Verbot ist überzogen

Auch beim DJH-Landesverband stehe die Gesundheit von Schülern und Lehrern an erster Stelle, versichert Richter. Jedoch ist aus Sicht des Geschäftsführers die „langfristige Untersagung von Schulfahrten“ überzogen. Mit dem Verbot bis Ostern gehe Niedersachsen „sehr weit“, auch im Vergleich zu den aktuellen Regelungen in nahezu allen anderen Bundesländern. Auch weist Richter auf die geänderten Stornierungsbedingungen der Jugendherbergen hin, wonach eine Corona-bedingte Absage von gebuchten Schulfahrten noch bis zum Tag der Anreise kostenfrei möglich ist. Aus Sicht des Landesverbandschefs besteht für die Schulen deshalb „kein Risiko, die pandemische Entwicklung abzuwarten und dann Entscheidungen zu treffen“.

Dabei hatten die Jugendherbergen nach den beiden übernachtungsschwachen Jahren 2020/21 wieder Hoffnung geschöpft. Viele niedersächsische Schulen, so Richter, hätten für den März ihre Klassenfahrten gebucht – und das sogar in einem deutlich stärkeren Maß als in der Vor-Corona-Zeit. Viele der insgesamt 27 Standorte im Nordwesten würden nun erst zu Osten wieder „ans Netz“ gehen können anstatt Ende Februar oder Anfang März.

Schulklassen fehlen

Das könnte auch die Jugendherberge Wangerooge betreffen, die sich bis zum 25. Februar in der Winterpause befindet. Bis auf die Weihnachtsfeiertage durchgehend geöffnet hat die jeversche Jugendherberge, die nach Angaben von Nicole Kubisz für die Zeit bis zu den Osterferien „gut ausgebucht“ war. Zwar finden in dem Haus am Dr.-Fritz-Blume-Weg weiterhin Tagungen statt, auch dürfen Familien, Paare und Einzelpersonen nach wie vor in der Herberge übernachten. „Aber die fangen das Geschäft mit Schulklassen und Gruppen nicht auf“, so die neue Herbergschefin, die damit ihren Geschäftsführer bestätigt. Der weist darauf hin, dass das Mehrtagesfahrt-Verbot die DJH-Häuser „wirtschaftlich erneut hart trifft“. Verbands-Pressesprecherin Gesa Hauschild schätzt, dass Klassen- und Gruppenreisen mindestens 60 Prozent der Übernachtungen ausmachen.


Wie im gesamten Beherbergungsgewerbe erschwert das Corona-Vorschriften-Hin-und-Her auch in den Jugendherbergen die Personalplanung. In der Herberge Jever sind die Mitarbeiter trotz Kurzarbeit jedoch bei der Stange geblieben. „Wir sind durch die Krise zusammengewachsen“, freut sich Kubisz über ihre Mitarbeiter, in deren Herzen „die Jugendherberge schlägt“.

Fahrt nach Amsterdam ungewiss

Die Mehrtages-Fahrt-Verbote sieht Berta Paasman zwar kritisch – für ihre Schützlinge sei es „viel netter, wenn die mal raus kommen“. Zumindest hatten zwei Jahrgänge im September 2019 noch Ausflüge – unter anderem in den Harz – unternehmen können. Ob es mit dem im kommenden Mai geplanten Ausflug nach Amsterdam klappt, steht für die Pädagogin angesichts der aktuellen Corona-Infektionszahlen noch in den Sternen. Aber die Schulleiterin hat zurzeit ohnehin ganz andere Probleme: „Ich bin schon froh darüber, dass wir überhaupt Schulbetrieb haben“.

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