Bockhorn/Oldenburg - Ernsthafte Zweifel hatten nicht bestanden. Nun ist es amtlich: Das Angus-Kalb, das Mitte November auf dem Klosterhof Jührden in Bockhorn gerissen worden ist, fiel einem Wolf zum Opfer. Darüber informierte am Donnerstag Volker Caspers, der den Klosterhof betreibt. Ob der Wolf in der Vergangenheit bereits auffällig geworden ist und um welches Tier es sich genau handelt, blieb zunächst offen. Die Untersuchung einer DNA-Probe sei zwar abgeschlossen, teilte das Umweltministerium am Dienstag mit. „Leider war eine eindeutige Auswertung der Probe nicht möglich, sodass kein klares genetisches Ergebnis vorliegt.“ Die Landwirtschaftskammer komme anhand des Rissbildes aber zu der Einschätzung, dass es sich beim Verursacher möglicherweise um einen Wolf handelt.
Landwirt Caspers hatte das tote Tier am Samstag, 19. November auf einer Weide nur wenige Meter vom Hof entfernt gefunden. Noch am selben Tag schickte die Landwirtschaftskammer in Oldenburg einen Fachmann zur Begutachtung. „Das Rissbild spricht für den Wolf“, hatte die Kammer bereits unmittelbar danach mitgeteilt. Das Umweltministerium geht im Schriftverkehr mit Caspers ebenfalls von einem Wolfsriss aus.
Nach Daten des Umweltministeriums in Hannover handelt es sich um den ersten Wolfsriss in der Friesischen Wehde und dem südlichen Friesland. Wie aus einer Übersicht mit Nutztierschäden durch den Wolf hervorgeht, kam es in den vergangenen Monaten gehäuft zu Zwischenfällen im Raum Wittmund-Schortens-Friedeburg. Aufgrund der hohen Zahl an Rissen ist der sogenannte Friedeburger Wolf zum Abschuss freigegeben. Die Ausnahmegenehmigung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Fall liegt vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg.
Der Klosterhof Jührden hat Teile der Anlage und Flächen bereits durch Zäune geschützt. In den kommenden Monaten sollen weitere Schutzzäune entstehen. Auf den Kosten bleibe er zwar nicht sitzen, sagt Caspers, „aber wir haben sehr viel Arbeit damit“. Nach seiner Überzeugung ist der Bestand an Wölfen mittlerweile zu groß. Das Wild reiche nicht mehr als Nahrung für so viele Tiere aus. Für Caspers ist klar: Deshalb stillen Wölfe ihren Hunger mittlerweile häufiger an Nutztieren. Ziele müsse ein ausgeglichenes Wolfsmonitoring sein.
Seit Februar 2022 sind die Bezirksförsterinnen und Bezirksförster der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Rissbegutachtung zuständig. Sie werden tätig beim Fund eines toten Nutztieres, bei dem der Verdacht besteht, ein Wolf könnte beteiligt sein (Hotline 0511/3665-1500). Spaziergänger oder Halter werden aufgefordert, den Fundort unberührt zu lassen, aber gegen Aasfresser und die Kontamination durch Hunde abzusichern. Bezirksförsterin oder Bezirksförster sollten ungestört von Schaulustigen und Journalisten arbeiten können, heißt es auf der Homepage der Kammer weiter.
