Varel - „Was darf man auf gar keinen Fall auf einer Klassenfahrt machen?“, fragt Michaela Uhlemann-Lantow von der Wilden Bühne Bremen am Mittwoch, 1. März, in der mit Schülerinnen und Schülern gefüllten Weberei. „Drogen“, „rauchen“, „schlagen“, rufen einige Jugendliche ihre Antworten rein.
Hier veranstaltet die Suchtberatung Friesland zusammen mit dem Vareler Präventionsrat einen Vormittag zum Thema Suchtprävention. Dafür wurde das Theaterensemble der Wilden Bühne Bremen eingeladen, das vor Achtklässlern der Oberschule Bockhorn und Varel sowie der Heinz-Neukäter-Schule Varel.
Über eigene Grenzen
„Kenn Dein Limit“, heiß das Stück, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Bühne bringen. Aufgeteilt in drei Geschichten werden persönliche Grenzen, Risiken und Erfahrungen angesprochen. Das Theaterspiel ist interaktiv angelegt, die Jugendlichen können sich selbst einbringen. Dabei wollen die Theaterpädagogen einen Schutzraum für die Jugendlichen schaffen, in dem sie sich mit den jeweiligen Themen auseinandersetzten können.
Mit auf der Bühne
Der Ansatz dabei ist interaktiv: nachdem auf der Bühne eine tragische Kurzgeschichte von den Schauspielern dargestellt wurde, dürfen auch die Jugendlichen ran. Bei der Geschichte von Maria zum Beispiel. Sie wird von ihrem Freund unter Druck gesetzt, ihm Nacktbilder zu schicken. Nach dem Ende der Beziehung stellt er sie als Rache ins Netz, mit der verheerenden Folgen: die Bilder verbreiten sich in der ganzen Schule. „Was hätte Maria anders machen können?“, fragt eine Moderatorin und eine Jugendliche schlüpft in Marias Rolle, um ein ernstes Gespräch mit ihrem Freund zu führen.
Partizipation
„Ich finde, dass es die Jugendlichen total erreicht“, sagt die Sina Grundwald, Schulsozialarbeiterin an der Heinz-Neukäter-Schule Varel. Dass die Jugendlichen selbst mitmachen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts der Wilden Bühne Bremen, erklärt Gründerin und Theaterpädagogin Jana Köckeritz: „Die Jugendlichen werden nach ihrer Meinung gefragt und dürfen sich ausprobieren.“ Auch die Auswahl der Themen sei gelungen, „gerade bei der Geschichte mit den Nacktbildern hat man gemerkt, dass es die Schülerinnen total erreicht“, sagt Grunwald.
Lange Kooperation
„Wir arbeiten schon seit über zehn Jahren mit der Wilden Bühne Bremen zusammen“, sagt Imke Janssen, die Leiterin der Suchtberatung Friesland. „Wir haben das auch oft, dass Jugendliche nach solchen Projekten in unsere Beratung kommen und reden“, sagt sie weiter. Das Schweigen und die Scham zu brechen ist eine wichtige Aufgabe, betont auch Michaela Uhlemann-Lantow von der Wilden Bühne. Immer wieder komme es vor, dass sich Jugendliche nach dem Stück das erste Mal öffnen und über ihre Erfahrungen sprechen, erzählt sie.
