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Medizinische Versorgung in Varel Termine bei Kinderärzten sind schwer zu kriegen

Christopher Hanraets

Varel - Eltern in Varel haben ein Problem: Termine beim Kinderarzt sind schwer zu kriegen. Den Unmut darüber kann man in den Sozialen Medien verfolgen und auch im Friesland-Check machten viele Vareler deutlich, dass es ihrer Ansicht nach zu wenig Kinderärzte und allgemein Fachärzte vor Ort gibt. Herrscht in Varel ein Mangel an Kinderärzten?

Wie berechnet sich der Bedarf an Kinderärzten ?

Wie viele Fachärzte es in einer Region braucht, regelt die Bedarfsplanung, die der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen aushandelt. Diese Planung ist gesetzlich bindend. Ab einer Quote von 110 Prozent spricht man von einer Überversorgung, dann darf sich kein weiterer Kinderarzt niederlassen. Liegt die Versorgung unter 75 Prozent, liegt eine Unterversorgung vor, erklärt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Die Zahlen, auf denen die Bedarfsplanung basiert, stammen aus dem Jahr 2019, sind also relativ aktuell. Im Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen geht es um Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung und Krankheiten und um Kosten. Das Bedürfnis der Eltern, einen kurzen Weg zum Kinderarzt zu haben, findet kaum Berücksichtigung.

Wie gut ist Varel versorgt ?

Erfasst werden die Zahlen auf Kreisebene, nicht für Städte und Gemeinden. Für Friesland und Wilhelmshaven werden die Zahlen zusammengerechnet. Auf dem Papier sieht das gut aus: Die Region kommt bei Kinderärzten auf eine Versorgungsquote von 133,8 Prozent. Damit ist sie überversorgt. 12,5 Kinderarztstellen gibt es, die 26 655 Kinder versorgen sollen. Das macht mehr als 2100 Kinder und Jugendliche pro Kinderarzt. Bei dieser Quote darf sich kein weiterer Fachmediziner niederlassen. Auf der Website der KVN findet man in Varel vier Kinderarztpraxen: die Praxen Pensler, Gaßner, Schill und Marsmann. Dr. Jens Wagenknecht, Hausarzt in Varel und Vorstandsvorsitzender im Niedersächsischen Hausärzteverband, sieht Varel „eigentlich ganz gut versorgt“ mit vier Kinderärzten.

Warum bekommt man trotzdem keinen Termin ?

In Varel gibt es gerade so etwas wie einen Umbruch, außerdem verlässt ein Mediziner die Stadt: Dr. Mathias Gaßner wird ab Ende des Monats nicht mehr in Varel praktizieren. Laut Dr. Werner Wodrich, Prokurist bei den Friesland Kliniken, zu denen die Praxis Gaßner/Schill gehört, ist die Stelle ausgeschrieben und es gebe bereits Bewerbungen. „Wir sind guter Dinge, dass wir zügig eine Nachbesetzung bekommen“, so Wodrich. Bis dahin werde Dr. Doerthe Schill die Versorgung aufrecht erhalten. Fällt aber auch sie aus, bleibt die Praxis zu. Außerdem geht Dr. Gustav Marsmann zum Ende des Jahres in den Ruhestand. Seine Nachfolge tritt ab 2022 Dr. Rupert Dernick aus Wilhelmshaven an.

Hausärzte können fehlende Kinderärzte nur zum Teil kompensieren. Die Vorsorgeuntersuchungen haben zugenommen, die Voraussetzungen für eine angemessene Behandlung sind gestiegen, sagt Wagenknecht. Laut Haffke habe aber auch die Bereitschaft der Eltern zugenommen, mit den Kindern schnell zum Arzt zu gehen.


Was bedeuten ausgelassene Untersuchungen für Eltern und Kinder ?

Bis zum sechsten Lebensjahr sollen Eltern neun Früherkennungsuntersuchungen bei ihren Kindern machen lassen. Bei den „U1“ bis „U9“ sollen gesundheitliche Probleme früh erkannt werden. Für Eltern kann es unangenehm werden, wenn die Untersuchungstermine wiederholt nicht wahrgenommen werden. Gehen Eltern mit ihren Kindern nicht zu den Untersuchungen, gibt es eine schriftliche Erinnerung. Werden die Untersuchungen dann immer noch nicht gemacht, kann sich unter Umständen gar das Jugendamt einschalten. Außerdem übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Untersuchung nur, wenn sie im vorgesehenen Zeitraum stattfindet. Diese Regel wurde für die Dauer der Corona-Pandemie allerdings aufgehoben. Soll das Kind eine Kita oder Schule besuchen, ist eine Masernimpfung Pflicht.

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