Sande - Die Gemeinde Sande ist arm wie die sprichwörtliche Kirchenmaus, im Haushalt für das kommende Jahr klafft wieder einmal ein riesengroßes Loch, das irgendwie gestopft werden muss. Also: Einnahmesituation verbessern, Ausgaben kürzen. Ein Vorschlag, der jetzt von der Verwaltung im Sozialausschuss zur Beratung vorgelegt wurde: Bei den Verpflegungskosten in den kommunalen Kindertagesstätten sollen die Eltern mit zehn Euro monatlich stärker beteiligt werden (bisher zahlt das komplett die Allgemeinheit). Und: Bei Betreuungszeiten außerhalb der Kernöffnungszeiten der Kitas sollen die Gebühren für die Eltern angehoben werden. Und zwar von aktuell 5 auf künftig 20 Euro pro halbe Stunde/Monat.
Letzteres würde bedeuten: Wer sein Kind zum Beispiel schon eine halbe Stunde vor der Kitaöffnung abliefert oder nachmittags eine halbe Stunde länger in der Obhut der Kita lässt und diese extra halbe Stunde mehrmals pro Woche in Anspruch nehmen muss, zahlt monatlich entsprechend mehr.
Hoher Personalaufwand
Für die drei kommunalen Kitas in Cäciliengroden und die beiden in Neustadtgödens fallen zusätzlich zur Mittagsverpflegung weitere Kosten für Getränke und Zwischenmahlzeiten von 6000 Euro im Jahr an. Der tatsächliche Personalaufwand für die Hauswirtschaft liegt bei jährlich etwa 56000 Euro. Bei rund 160 vorhandenen Plätzen in den drei kommunalen Einrichtungen ergeben sich also Kosten von 32 Euro pro Monat und Kitaplatz. Durch die anteilige Beteiligung der Eltern in Höhe von monatlich zehn Euro an den Kosten ließe sich die Einnahmesituation für die Gemeinde um rund 19200 Euro im Jahr verbessern.
Doch das alles ist mit der SPD nicht zu machen: „Wir haben das Wort ,sozial’ im Namen stehen“, sagte Isabel Bruns. Die SPD stimmte geschlossen gegen die anteilige Beteiligung der Eltern an den Verpflegungskosten. Der Vorschlag ist im Ausschuss erstmal durchgefallen und muss im Verwaltungsausschuss entschieden werden.
Eine Anpassung des Entgeldes für Betreuungszeiten außerhalb der eigentlichen Kita-Öffnung (morgens von 7 bis 8 Uhr und/oder nachmittags von 14 bis 16 Uhr) würde die Gemeindekasse um jährlich 25000 Euro entlasten. Problem an der aktuellen Situation, in der pro extra halbe Stunde pro Kind und Monat fünf Euro verlangt wird, ist eine erhebliche Unterdeckung der Kosten, so Fachbereichsleiter Sebastian Janßen. Die tatsächlichen Kosten belaufen sich auf 60 Euro. Neben der Deckung der Kosten sei aber auch mehr Wertschätzung notwendig, sagte Janßen. „Ein Angebot für fünf Euro pro halbe Stunde ist für die geleistete Arbeit viel zu wenig. Und weil das so günstig ist, buchen viele Eltern bis 16 Uhr durch, obwohl sie die Zeit oft gar nicht brauchen.“ So komme es auch vor, dass zwei Erzieherinnen zwei Kinder betreuen. „Das ist bei unserer Personalsituation nicht haltbar. Mit der Entgeltanpassung wären dann nur die Eltern betroffen, die die Randzeiten wirklich brauchen.“ Nachteil: Wer mehrere Kinder betreuen lässt, für den wird es dann schmerzhaft teurer. Ergänzender Anregung war: Die Nachmittagsbetreuung soll nur noch angeboten werden, wenn mindestens fünf Kinder zur Betreuung angemeldet sind. Das soll verhindern, dass am Ende zwei pädagogische Kräfte nur ein Kind betreuen.
Mehrkosten deckeln
Während die SPD auch diesen Vorschlag ablehnte, machte die Gruppe Bürger für Sande (BfS) den Vorschlag, die Entgelterhöhung zu deckeln, auf zum Beispiel höchstens 50 Euro im Monat für Buchungen in den Randzeiten.
Beschlossen wurde einstimmig eine flexiblere Randbetreuung ab dem nächsten Kindergartenjahr. Abgelehnt wurde hingegen die Anregung, eine Betreuung außerhalb der Regelzeiten nur dann anzubieten, wenn mindestens fünf Kinder angemeldet sind. Die Erhöhung der monatlichen Gebühr für Öffnungszeiten außerhalb der Kernöffnung auf 20 Euro pro Extra halber Stunde endete mit einem Patt. Auch diese Frage muss nun im Verwaltungsausschuss entschieden werden.
