Sande - Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sande startet einen neuen Versuch, das „Sander Wäldchen“ zu verkaufen. Das knapp 1,8 Hektar große Gelände steht seit Kurzem im Portfolio eines Maklers aus der Region und wird auch im Internet unter Kleinanzeigen angeboten. 90.000 Euro sind aufgerufen.
Das „Wäldchen“ war ursprünglich als Erweiterungsfläche für den Friedhof geplant. Mit dem veränderten Bestattungsverhalten (überwiegend Urnen, die weniger Platz benötigen als Särge sowie See- und Baumbestattungen) wird das Grundstück nicht mehr benötigt und sollte als Bauland verkauft werden.
Die Bürgerinitiative
Die Bürgerinitiative „Rettet das Sander Wäldchen“ sorgte dafür, dass die Fläche als Wald anerkannt wurde und somit nicht für die Bebauung verwendet werden kann. Bereits verhandelte Verträge mussten gestoppt werden.
Doch damit steht die Kirche vor einem Dilemma: Das Geld aus dem Verkauf würde eigentlich dringend benötigt, andererseits kostet die nötige Pflege zusätzliches Geld. Es muss also was passieren. „Der Gemeindekirchenrat hat beschlossen, das Gelände auf jeden Fall zu veräußern“, sagte Pastorin Franziska Kempcke auf Nachfrage. Der Weg über den Makler sei mit dem Oberkirchenrat in Oldenburg abgesprochen und sowohl dem Nabu als auch der Bürgerinitiative mitgeteilt worden. „Mir sind auch einige Interessenten für das Gelände bekannt. Fraglich ist natürlich, ob es denn nun auch zu einem konkreten Angebot kommt“, sagte Kempcke.
Im vergangenen Jahr haben Stürme großen Schaden im Wäldchen angerichtet, es stehen immer noch viele Aufräumarbeiten aus. Bilder: Annette Kellin
Mit dem aufgerufenen Preis liegt das „Wäldchen“ weit unter dem Wert, den ein Verkehrswertgutachten aufgezeigt hatte, dass der Nabu einst gefordert hatte. Hiernach wären nämlich zehn Euro pro Quadratmeter zu zahlen.
Der Naturschutzbund
Das sei absolut utopisch, meinte Konrad Sieg, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Sande, der Preise zwischen 1,75 Euro und 3,25 Euro pro Quadratmeter für einen Wald innerhalb eines Ortes nannte. Der Nabu hatte bereits vor längerer Zeit Interesse an einem Kauf genannt. „Es ist gut, dass die Annonce nun raus ist und wir hoffen, dass wir in absehbarer Zeit Klarheit haben“, sagte Sieg. Er sehe das alles sehr gelassen: „Die Auflagen bestehen ja, an dem Gelände kann niemand etwas verändern, egal, wer das kauft.“
Die Bürgerinitiative (BI) habe weiterhin Interesse an dem Gelände und stehe in regelmäßigem Austausch mit der Kirchengemeinde und dem Nabu, sagte Karina Ahlrichs, Sprecherin der BI auf Nachfrage. Konkretes Interesse an einem Kauf äußerte sie aber nicht.
Im Angebot unter „Grünes Refugium mitten im Ort“ ist von einer naturbelassenen Waldfläche mit vielfältigem Baumbestand die Rede. Weiterhin heißt es: „Die Fläche ist nicht bebaubar und kann lediglich Freizeitzwecken dienen.“ Dabei verläuft allerdings ein Weg über das Gelände, der von der Gemeinde Sande unterhalten wird und von vielen Bürgern als Abkürzung zwischen Mellumstraße und Schlackenweg genutzt wird. Darüber gebe es auch einen Vertrag mit der Kirchengemeinde, erklärte Klaus Oltmann aus der Gemeindeverwaltung auf Nachfrage. Ob dieser Weg im Zuge eines Verkaufs aufgegeben werden könnte und auch würde, ist noch nicht klar.
