Schortens - Nur wenige Monate nach der vertraglichen Vereinbarung mit dem Landkreis Friesland über die Verantwortlichkeiten und Kostenübernahmen für die Aufgaben der Kinderbetreuung will Schortens nun doch aus dem Kita-Vertrag aussteigen. Es zeichnet sich eine deutliche politische Mehrheit dafür ab, dass Schortens den Vertrag mit Ablauf des Juli kündigt. Ein Jahr später, ab 1. August 2023, wäre dann der Landkreis für die Schortenser Kitas zuständig. Beschließen will der Rat die Kündigung am 7. Juli.
Die politische Kehrtwende hängt mit den neuen politischen Mehrheiten im Rat zusammen. Janto Just von den Freien Bürgern, der mit Blick auf den für Schortens unvorteilhaften Verteilungsschlüssel und die immer weiter steigenden Kita-Kosten stets dafür plädierte, die Kitas an den Landkreis abzugeben, hat mit der CDU und den Grünen nun starke Unterstützer und somit auch die politische Mehrheit hinter sich. Just zufolge könnte Schortens dadurch jährlich mehr als eine Million Euro sparen. Hinzu komme, dass die Kosten-Berechnung und somit die Kosten-Übernahme des Kreises auf Zahlen der Vorjahre basieren. Doch die Zahl der Kinder und die Personalintensität und somit die Kosten nehmen immer schneller zu. Die SPD/FDP-Gruppe hingegen hatte sich stets dafür stark gemacht, die Kitas in der Verantwortlichkeit der Stadt zu belassen.
Vergleichbare Standards
Just zufolge liege in diesem Schritt ein Sparpotenzial, das Schortens mit keiner anderen Sparmaßnahme oder Einnahmeverbesserung erreichen könne. Und zwar ohne, dass das Angebot für die Kinder, die Eltern, die Beschäftigten oder die Bürger schlechter werde. Der Kreis habe vergleichbare Kita-Standards und mache das nicht schlechter als die Städte oder Gemeinden.
Doch das Geld ist es nicht allein: „Das Kita-Geschäft ist inzwischen aus den Kommunen herausgewachsen“, sagte Ingbert Grimpe (Grüne) und stellt sich an die Seite Justs. Das Thema Kita sei sehr komplex geworden und binde unheimlich viele Ressourcen. Früher war Kindergarten vor allem Aufbewahrung. Heute wird es immer mehr an Kitas und an pädagogischen und erzieherischen Anforderungen. „Der Landkreis hat da viel mehr Ressourcen, auch was das Personal angeht“, sagte Grimpe. Er sei so gar überzeugt, dass der Kreis es vermutlich sogar besser machen kann als die Kommunen.
Überforderte Kommunen
Auch Melanie Sudholz (CDU) hält Justs Antrag und Grimpes Argumente für richtig: „Was in den nächsten Jahren mit dem neuen Kitagesetz an Standards auf die Kitas und somit an Kosten auf die Kommunen zukommt, wird die Kommunen überfordern. Wir sind ja jetzt schon am Limit.“ Um die Qualität in den Kitas auch weiter gewährleisten zu können, sollte Schortens seine Kitas an den Landkreis abgeben.
Kirsten Kaderhandt (SPD) hingegen glaubt nicht, dass der Landkreis das besser macht, weil der die Aufgaben auch nur an freie Träger weitergibt. Zudem kenne die Stadt ihre Mitarbeiter besser.
Just ergänzte, dass die Aufgaben normiert sind und der Landkreis ohnehin als Fachaufsicht für die kommunalen Kitas zuständig sei. Dass die Probleme zunehmen, zeige auch die aktuelle Diskussion um eine vierte Schließungswoche der Kitas in den Herbstferien.
Wird der Vertrag gekündigt, würden die Nachfolge-Träger die vorhandenen Einrichtungen weiterbetreiben, so Just. „Wie sollte es denn auch anders gehen?“
