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Warnstreik in Schortens Erzieherinnen kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen

Etwa 150 Erzieherinnen und einige wenige männliche Kollegen zogen vom Bürgerhaus durch die Stadt Schortens zum Rathaus.

Etwa 150 Erzieherinnen und einige wenige männliche Kollegen zogen vom Bürgerhaus durch die Stadt Schortens zum Rathaus.

Oliver Braun

Schortens - „Auch wenn’s Euch nicht gefällt – Bildung kostet Geld!“ skandierten etwa 150 Erzieherinnen vor dem Rathaus in Schortens. Nach den gescheiterten ersten Verhandlungen zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband hatte Verdi für Dienstag zu einem Warnstreik aufgerufen und viele folgten dem Ruf. Schortens war im Verdi-Bezirk Niedersachsen-Bremen einer der zentralen Orte für die Protestaktionen und Kundgebungen: Denn Bürgermeister Gerhard Böhling vertritt als Vizepräsident den Kommunalen Arbeitgeberverband. Die zentrale Forderungen der Erzieherinnen sind bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld – beides Hauptursachen für den immer größeren Fachkräftemangel in den Kitas.

Die Erzieherinnen

Seit über 40 Jahren arbeitet Elke Hettwer von der Kita in Schortens als Erzieherin. „Die Bedingungen in den Gruppen haben sich in all den Jahren leider nicht verändert. Wir haben in den Regelgruppen immer noch 25 Kinder mit einer Erzieherin und einer Sozialassistentin. Von uns wird Arbeitsqualität verlangt, die man unter diesen Rahmenbedingungen kaum umsetzen kann.“

Noch ziemlich am Anfang ihres Berufslebens als Erzieherinnen stehen Denise Trey und Lea Schammey von der Kinderkrippe Emkenburg in Zetel, die sich mit weiteren Kolleginnen auf den Weg nach Schortens gemacht haben: „Wir kämpfen auch dafür, dass die Ausbildung endlich vergütet wird“, sagen sie. Auch das sei ein Grund, warum die jungen Leute immer weniger Interesse haben, diesen Beruf zu erlernen. Marion Homfeldt, Kita-Leiterin in Neustadtgödens, erklärte, dass die Eltern großes Verständnis für den Warnstreik haben: „Die stehen hinter uns und sagen: Ihr müsst was tun. Die Eltern bekommen den dauernden Personalmangel ja auch mit.“

Verdi-Landesleiter Detlef Ahlig sagte, dass die Arbeitgeber in der letzten Runde alles andere als Wertschätzung ausgedrückt haben. Es muss aber etwas passieren, damit die Kolleginnen auch morgen für diesen Beruf brennen „und nicht enttäuscht hinschmeißen und wir genügen Fachkräfte haben. Der Arbeitgeberverband trägt dabei wesentliche Verantwortung.“

die Arbeitgeber

Böhling erklärte, dass die kommunalen Arbeitgeber das Gesamtgefüge im Blick behalten müssen. „Der Verband vertritt nicht nur die Träger der Kindertagesstätten, sondern auch viele andere Einrichtungen.“ Die Eingangsvergütung einer Erzieherin in Vollzeit liege bei 3100 und in der Endstufe bei ca. 4000 Euro. „Das ist im Vergleich im öffentlichen Dienst schon ein ganz gutes Einkommen.“ Böhling betonte aber auch, dass man in den Rathäusern die Arbeit in den Kitas hoch schätze. Das habe man in den vergangenen Jahren auch in den Tarifverhandlungen gezeigt, indem man stets „etwas draufgelegt“ habe. Die Kommunen müssten aber auch ihre allgemeine finanzielle Situation mit steigender Verschuldung im Blick behalten. Böhling sagte zu, dass er sich im Arbeitgeberverband dafür einsetzen wird, dass beide Seiten zu einem guten und einvernehmlichen Ergebnis kommen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 21. und 22. März terminiert.

Wie in vielen Städten und Gemeinden blieben am Dienstag auch in Schortens die meisten kommunalen Kitas geschlossen. Einzig Oestringfelde und Sillenstede hatten eine Notbetreuung angeboten.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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