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Rennrad-Restaurator aus Schortens Er erweckt rostige Schätzchen zu neuem Leben

Rennrad-Restaurator Werner Schweda in seiner Werkstatt in Schortens.

Rennrad-Restaurator Werner Schweda in seiner Werkstatt in Schortens.

Oliver Braun

Schortens - Fahrräder sind so angesagt wie nie: Alle Welt, so scheint es, hat den alten Drahtesel in die Ecke gestellt und ist auf moderne E-Bikes umgesattelt. Andere haben den Zweitwagen abgeschafft und dafür das SUV unter den Rädern gekauft und fahren Kind(er) und Einkäufe nur noch im Lastenfahrrad von A nach B. Und dann gibt es die Puristen unter den Radfahrern: Die ein Fahrrad ganz ohne Schnickschnack und Elektro-Firlefanz wollen und beim Radfahren kräftig in die Pedale treten und sich richtig auspowern wollen. Werner Schweda zum Beispiel. Der Schortenser hat ein ganz besonderes Faible für klassische Rennräder. Und weil man die in gutem Zustand nicht an jeder Ecke findet, baut er seine Vintage-Velos selbst. Werner Schweda ist der Rennrad-Restaurator. In seiner professionell ausgestatteten Werkstatt, eingerichtet in einer Gartenhütte in Schortens, macht er aus reparaturbedürftigen Klassikern namhafter Hersteller wieder echte und funkelnd schöne Vintage Racer für Rennrad-Fans.

Richtig rennradfahren

Mit seinen Rennrad-Klassikern ist Werner Schweda mehrmals die Woche für Trainingsrunden von 50 bis 60 km unterwegs. Regelmäßig gehts auch in größeren Gruppen auf längere Ausfahrten von etwa 80 Kilometer inklusive Kaffeepause über Seitenstraßen durchs Jeverland und darüber hinaus. Die Mitfahrer sind zwischen 40 und 80 Jahre alt, neue (auch jüngere) Rennrad-Mitfahrer sind stets willkommen. Start ist meist am Samstagmittag in Höhe der IGS-Oberstufe an der Mühlenstraße in Schortens.

Das Rennradfahren sei eine Sportart, die keine Schäden an Gelenken verursacht, sondern die Herzleistungsfähigkeit fördert, wenn man es intensiv betreibt. Daher sind beim Rennrad-Kauf die Rahmenhöhe und die Sitzposition das wichtigste Kriterium. Die Kräfte müssen beim Treten gerade herunter.

Kontakt und weitere Infos gibt es unter Telefon 0151- 72745118 und online unter:

Alte Rennräder sind ein Riesen-Trend, und das nicht nur in Großstädten. Werner Schweda war diesem Trend schon Jahre voraus und hat sich auf Flohmärkten und über Kleinanzeigenportale frühzeitig eingedeckt mit runtergerockten Klassikern von Peugeot und Bianchi, von De Rosa, Colnago, Pinarello und wie die Edel-Bikes alles hießen, mit denen die Spitzenfahrer auf der Tour de France, der Giro d’Italia oder der Vuelta de España fuhren.

Alte Liebe neu entfacht

Der Schortenser, heute 68 Jahre alt, war in jungen Jahren begeisterter Rennrad-Fahrer. „Aber wie das so ist, wenn man im Beruf steht und vieles um die Ohren hat – da bleibt fürs Hobby und die große Leidenschaft nicht viel Zeit“, sagt Schweda. Der Ruheständler ist von Haus aus Techniker und Tüftler, studierter Elektrotechniker, Netzwerkingenieur und war zuletzt bei der Bundeswehr für elektronische Kalibrierung von Messgeräten verantwortlich. Als er sich mit Mitte/Ende 50 Gedanken über die Zeit nach dem Berufsleben machte, entsann er sich seiner einstigen Rennrad-Leidenschaft. Und ihm wurde klar: „Damit musst du jetzt anfangen, sonst wird das nichts. Denn alles, was man nicht etwa zehn Jahre vor der Rente beginnt, das macht man dann auch im Ruhestand nicht mehr.“

Schweda wollte wieder auf den Rennrad-Sattel. Aber nicht auf ein modernes oder „auf retro oder vintage gemachtes“ fancy Bike aus Kohlefaser, sondern auf ein schweres Original-Stahlross aus den 1970er oder 1980er Jahren. Weil er im Fachhandel nicht fand, wonach er suchte, stöberte Schweda im Internet und erstand schließlich für wenig Geld ein 25 Jahre altes gebrauchtes „Sloughi“ in bemitleidenswertem Zustand. „Ich hatte gehofft, dass ich einen Fachhändler finde, der mir das Rad wieder aufbereitet und fahrtüchtig macht – doch daraus wurde nichts“, erzählt Schweda. So las er sich ein in die Materie, schaute Schraubervideos im Internet, kaufte sich Werkzeug und ein zweites altes Rad zum Ausschlachten und begann selbst Hand anzulegen an Stahlrohrrahmen und Gabel, an Speichen, Schaltung, Tretlager und Schraubsteuersatz. „Das technische Verständnis für Material und Metall hatte ich ja seit meiner Ausbildung“, sagt Schweda.

40 Rennräder im Stall

Erfahrung und Sachverstand wuchsen mit jedem neuen Rennrad-Projekt. Der Rennrad-Restaurator, wie er sich inzwischen nannte, kaufte weitere Ersatzteile, weiteres Werkzeug und weitere Räder über das Internet in ganz Deutschland und teils darüber hinaus. Inzwischen hat Weerner Schweda 40 klassische Rennräder im Stall. Die meisten top in Schuss und fahrbereit, andere warten noch auf ihre Revision. Wenn sich Schweda an ein altes Rennrad macht, dann will er den originalen Zustand bestmöglich erhalten oder wiederherstellen, ohne die Patina unter neuem Lack verschwinden zu lassen: „Nach dem Zusammenbau ist das Rennrad technisch wie neu“, sagt Schweda stolz. Eine schnöde Restaurierung im charakterlosen Neuzustand ist nicht sein Ziel. „Kleine Schönheitsfehler und Kratzer im Lack sind wie Falten im Gesicht eines älteren Menschen.“ Die kleinen Macken zeigen: „Das Rad ist gut. Sonst wäre es nicht so lange gefahren worden.“

Hin und wieder, wenn man ihn mit Geld überzeugt, verkauft er auch mal eines seiner Traumräder. Und für Rennrad-Freunde inspiziert und repariert er auch deren Räder. „Mein Rennstall ist nicht kommerziell – aber professionell“, betont Schweda. Und der Rennrad-Restaurator hat noch einige alte Rennrad-Klassiker im Blick – vor allem die des längst aufgelösten Heidmühler Radsportvereins, eine Sparte des Heidmühler FC, der vor Jahren in Heidmühle Radrennen veranstaltet hatte. „Da schlummert noch einiges in den Kellern und Garagen in Schortens“, weiß Schweda.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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