Schortens/Sande - Mit dem Klimaschutz kommen weitere, komplexe Aufgaben auf die Kommunen zu – und das stellt die Städte und Gemeinden auch in Friesland vor Probleme, denn: Wer soll’s machen? Varel, Zetel und der Landkreis haben schon Klimaschutzmanager eingestellt, andere sind auf der Suche. Zwar fördert der Bund diese Stellen, aber: Gibt es überhaupt ausreichend qualifizierte Bewerber und Bewerberinnen?
Dass die Suche nach Kandidaten problematisch ist, erlebt in diesen Wochen die Stadt Schortens. Schon Ende August hat die Stadt eine „Stabsstelle Klimaschutzmanager“ ausgeschrieben. Die Stadt habe großes Interesse an der Besetzung der Stelle, sagt Bürgermeister Gerhard Böhling. Nicht ohne Grund sei diese Position als Stabsstelle ausgeschrieben, die direkt dem Bürgermeister zugeordnet ist. Indessen werde aber auch geprüft, ob sich die Aufgabe Klimaschutz im Rahmen der geplanten interkommunalen Zusammenarbeit mit Jever und dem Wangerland abgebildet werden könnte.
Trotz Förderung: Gibt es Bewerber?
Sande hinkt noch hinterher: Dort steht jetzt erst die Frage auf der Tagesordnung, ob die Gemeinde einen Förderantrag zur Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes stellen und gegebenenfalls die Position eines Klimaschutzmanagers schaffen soll. Diese Stelle würde im Falle einer Bewilligung bei einer finanzschwachen Kommune wie Sande in den ersten beiden Jahren zu 100 Prozent und in zwei weiteren Jahren zu 60 Prozent gefördert werden.
Die SPD steht diesem Antrag skeptisch gegenüber: „Es wird unheimlich schwierig, einen geeigneten Bewerber zu bekommen“, sagte Ratsherr Achim Rutz jüngst im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss des Gemeinderates. Bundesweit suchten Tausende von Städten, Landkreisen und Gemeinden bundesweit nach Klimaschutzmanagern. Eine Förderzusage nütze nichts, wenn es keine qualifizierten Kandidaten gebe.
Eventuell externe Dienstleister hinzuziehen
Klaus Oltmann, allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Stephan Eiklenborg, warb gleichwohl für den Antrag. Ob sich ein geeigneter Kandidat finde, werde man im Zuge einer Stellenausschreibung sehen. Wichtiger sei aber, dass im Rahmen der Förderung auch der Einsatz fachkundiger externer Dienstleister abrechenbar wäre.
Der Ausschuss folgte dieser Argumentation und empfahl einstimmig, den Förderantrag zu stellen. Zustimmung fand auch der Vorschlag der SPD, nach einer gemeinsamen Lösung mit den Nachbar-Kommunen zu suchen.
Verwaltung personell und fachlich überfordert
Die Verwaltung der Gemeinde Sande sieht sich weder personell noch fachlich in der Lage, zusätzliche Aufgaben im Rahmen des Klimaschutzes zu erfüllen. Denn wie große Kommunen soll auch das kleine Sande ein Klimaschutzkonzept erstellen, außerdem eine kommunale Wärmeplanung und Energieberichte für kommunale Gebäude. Heizungsoptimierung, Solarnutzung und die Berücksichtigung des Klimaschutzes bei Vergabe-Richtlinien sind weitere Aufgaben. Und aktuell liegt eine Anfrage des Landkreises nach der Ladeinfrastruktur für Elektro-Fahrzeuge in Sande vor. Oltmann: „Wir stoßen da an Grenzen.“
