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Kloster Oestringfelde Baumwurzeln bringen Denkmal in Gefahr

Henning Karasch
Heimatvereinsvorsitzender Johannes Peters befürchtet, dass die Bäume das Mauerwerk zerstören.

Heimatvereinsvorsitzender Johannes Peters befürchtet, dass die Bäume das Mauerwerk zerstören.

Henning Karasch

Schortens - Der Heimatverein Schortens von 1929 ist in Sorge um die Turmruine des einstigen Klosters Oestringfelde: „Zwei Meter hohe Birken wachsen aus dem Mauerwerk, ihre Wurzeln zerstören auch noch die Reste der Mauern“, sagt Johannes Peters, Vorsitzender des Heimatvereins: „Es ist ein Jammer, dass dieses Baudenkmal so verkommt.“ Peters sähe am liebsten ein Dach über der Ruine, die im 19. Jahrhundert, dem Zeitgeschmack entsprechend, künstlich angelegt wurde.

Der ursprüngliche Turm, sowohl Kirch- als auch Wehrturm, wurde der Überlieferung nach am 15. August 1323, also vor 700 Jahren, fertiggestellt. Er soll Grundmaße von 13 mal 13 Metern und eine Höhe von 50 Metern gehabt haben. Damit war er nach dem Störtebeker-Turm in Marienhafe der höchste zwischen Ems und Jade.

Kirche 1272 abgebrannt

Die der heiligen Mutter Maria gewidmete Klosterkirche (und weitere Gebäude) war bereits 1175 bis 1194 erbaut worden. Nach ihrem Sieg über die Rüstringer und dem Friedensschluss an der Maade hatten die Oestringer versprochen, ein Kloster zu errichten, um Gott für ihren Sieg zu danken.

Die Kirche ist dann bereits 1272 einmal abgebrannt. Die 1340 bis 1350 wütende Pest ließ in Oestringen kaum 15 Prozent Überlebende. Danach gründeten Oestringer und Wangerländer das Kloster neu, sorgten auch für die Vollendung des Turms. Das vormalige Kanonikerstift wurde mit Dominikanerinnen besetzt. Die Marienkirche wurde dem Dominikanerkloster Norden übertragen.

Unterschlupf für Seeräuber

Das Kloster stand im Mittelalter wiederholt im Blickpunkt. So forderte die Hanse etwa 1400 die Beseitigung des Turms, weil dort Seeräuber Unterschlupf fanden. 1495 besetzten die Ostfriesen bei einem ihrer Versuche, sich das Jeverland einzuverleiben, Oestringfelde. Genau dort, im Kloster, beendeten Fräulein Maria von Jever und Graf Enno II. von Ostfriesland mit dem Östringer Vertrag von 1540 aber auch den Jahrzehnte währenden Konflikt beider Regionen.


Nach der Einführung der Reformation im Jeverland begannen 1556 Verhandlungen zur Auflösung des Klosters Oestringfelde. 1577 wurde das Kloster dem Oldenburger Grafen Johann VII. übergeben und aufgehoben. Die Nonnen erhielten jedoch lebenslanges Wohnrecht. Hille Engelken starb 1596 als letzte Oestringfelder Nonne.

Die Marienkirche verschwand bereits 1609, da Graf Anton Günther von Oldenburg die Steine besser für die Kirche auf Wangerooge und den Schlossplatz Jever gebrauchen konnte. Der Turm blieb stehen. 1769 soll er trotz eines Teileinsturzes im Jahre 1763 noch zwölf Meter hoch gewesen sein. Es soll Fahrten auf der Jade gegeben haben, ob man den Turm als Seezeichen nutzen konnte. Als dies scheiterte, ließ der damalige Regent Friedrich August von Anhalt-Zerbst den Turm 1770 abbrechen.

Klostergut nach und nach verkauft

Der Großherzoglich-Oldenburgische Hofrat Heinrich Georg Ehrentraut (1798–1866) erwarb das einstige Klosterareal im Jahre 1839, legte den Park an und bildete mit den 1842 bei Ausgrabungen gefundenen Granitsteinen den Grundriss des Klosterturmes nach. Nach 1900 wurde das ehemalige Klostergut nach und nach zerstückelt und verkauft. Die Gemeinde Schortens erwarb einen Teil des Geländes und wandelte es in den heutigen Klosterpark um.

„An der Erhaltung des Turms besteht aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung wegen seines ortsgeschichtlichen Schau- und Zeugniswerts und als Teil des Parks ein öffentliches Interesse“, heißt es im Denkmalatlas des Landes Niedersachsen.

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