Schortens - Mit der Einführung der Ganztagsbetreuung an Grundschulen zum Schuljahr 2026/27 rollen neue Herausforderungen auf die Kommunen zu. Vielfach werden Um- oder Erweiterungsbauten nötig sein, also erhebliche Investitionen. Zudem muss pädagogisch qualifiziertes Personal gefunden werden, um den Rechtsanspruch der Eltern auf eine Ganztagsbetreuung umsetzen zu können.

Bis 2026 ist es zwar noch ein gutes Stück hin, aber die Stadt Schortens befasst sich bereits jetzt mit dem Thema, um rechtzeitig die nötigen Maßnahmen veranlassen zu können, sagt Fachbereichsleiterin Anja Müller. Auf Antrag der CDU/Grüne-Gruppe hat die Stadt zudem eine Umfrage unter Eltern durchgeführt, um schon jetzt, weit im Vorfeld, den Bedarf abschätzen zu können.

Das Ergebnis der Umfrage wird in der nächsten Sitzung des Ratsausschusses für Schule, Soziales, Jugend und Sport am Donnerstag, 17. August, vorgestellt (17 Uhr, Bürgerhaus). Das Wichtigste hier schon mal vorab.

Die Umfrage ist ungenau, weil längst nicht alle Eltern teilgenommen haben. 247 Rückmeldungen sind eingegangen. Das entspricht knapp einem Drittel der Schülerzahlen des Schuljahres 2022/23. Die Beteiligung schwankte an den jeweiligen Schul-Standorten zwischen 17 und 41 Prozent.

Hinzu kommt: Zu- und Wegzüge sowie die Folgen, die sich aus der Ausweisung neuer Baugebiete ergeben, konnten natürlich nicht zuverlässig berücksichtigt werden. Manche Eltern wiesen in der Umfrage auch darauf hin, dass sie jetzt noch keine Aussagen über einen Betreuungsbedarf in 2026 treffen können.


Nach den vorliegenden Zahlen zeichnet sich für die Schulstandorte Schortens und Glarum ein steigender Bedarf an einer ganztägigen Betreuung ab, an den Standorten Jungfernbusch, Oestringfelde und Roffhausen sogar ein stark steigender Bedarf. Letzteres sei auf neue Baugebiete in diesen Stadtteilen beziehungsweise - in Roffhausen - wohl auch auf einen Generationswechsel zurückführen, sagt Müller. In Sillenstede scheint der Betreuungsbedarf auf dem jetzigen Niveau zu stagnieren, während die Umfrage für Heidmühle einen Abwärtstrend ausweist.

Was bedeutet das jetzt für die Planung? Die Stadt sieht sich nach den Worten von Anja Müller grundsätzlich vorbereitet. Denn alle sieben Grundschulen sind Verlässliche Grundschulen mit einem offenen Ganztagsangebot an drei Nachmittagen jeweils bis 15 Uhr. Das heißt: Sie verfügen über Mensen oder andere Räume für das Mittagessen nebst Essensausgabe.

In der Regel wurden die Essensräume aber in den Bestandsgebäuden geschaffen, etwa durch Umwidmung oder Umbau vorhandener Räumlichkeiten. Wenn mit der Ganztagsbetreuung die Nachfrage wächst, dürften die jetzigen Gegebenheiten nicht mehr ausreichen, zumal auch zusätzliche Ruhe- und Bewegungsräume nötig sind. Das heißt, so Müller: „Hier und da werden wir anbauen müssen.“

Bis Ende dieses Jahres will die Stadtverwaltung nach Müllers Worten eine grobe Planung vorlegen, was an welchem Schulstandort voraussichtlich unternommen werden muss, um den Anspruch auf Ganztagsbetreuung umzusetzen. Eine genaue Planung ist noch nicht möglich, eben weil der Bedarf nur geschätzt werden kann.

Und: Seitens des Landes beziehungsweise des Bundes liegen noch keine Angaben vor, welcher Raumbedarf erfüllt werden muss und inwiefern die Ganztagsbetreuung gefördert wird. Anja Müller: „So langsam wäre es schön, wenn wir vom Land konkrete Informationen bekommen würden.“

Jörg Grabhorn
Jörg Grabhorn Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt