Varel - Eine Bundesministerin hat bei ihm am Küchentisch gesessen und sich bei Rouladen und Gurkensalat seine Argumente angehört, er hat einen ehemaligen Landwirtschaftsminister zur Korrektur eines Gesetzentwurfes bewogen und sich bei Stephan Weil gegen die Moorvernässung ausgesprochen. 21 Jahre hat sich Hartmut Seetzen als Frieslands Kreislandvolkvorsitzender für die Landwirtschaft stark gemacht, jetzt gibt er sein Amt ab. Am Sonntag wird Hartmut Seetzen verabschiedet und ein Nachfolger gewählt.
Mit Leidenschaft
„Es waren oft lange Tage“, sagt der 64-Jährige, der neben seiner Vorstandstätigkeit seinen Hof in Neuenwege bewirtschaftet und jetzt mehr Zeit für sich, seine Familie und den Betrieb haben möchte. Er hat das Amt des Kreislandvolkvorsitzenden mit großer Leidenschaft ausgeübt und der Abschied fällt ihm schwer, besonders der vom Team des Kreislandvolks mit Geschäftsführer Manfred Ostendorf. „Unser Zusammenspiel hat den Landwirten viel gebracht“, blickt Hartmut Seetzen zurück.
Dass er in seiner Funktion als Kreislandvolkvorsitzender einiges bewegen kann, hat er bereits im zweiten Jahr seiner Amtszeit festgestellt: Der Entwurf einer bundesweiten Düngeverordnung, die so genannte Hoftorbilanz, passte seiner Ansicht nach für die Landwirte überhaupt nicht. „Ich bin nach Berlin gefahren und zusammen mit Berufskollegen konnten wir die Verordnung verhindern.“ Und das mit guten Argumenten. „Nur mit Argumenten kann man Menschen erreichen“, sagt Hartmut Seetzen. Er ist bekannt für seine sachliche Art auch in schwierigen Lagen. „Mit überzogenen Forderungen und Aktionen kommt man nicht weiter“, sagt er.
Hof geöffnet
Mit Freundlichkeit, gepaart mit Hartnäckigkeit, wenn es um die Sache der Landwirte geht, hat er einiges erreicht und erinnert sich an denkwürdige Aktionen: „In Berlin hab’ ich mal einen Landwirtschaftsminister in drei Minuten auf dem Weg zu seinem Auto davon überzeugt, dass eine Gesetzesvorgabe für Biogasbetreiber korrigiert werden musste“, berichtet Hartmut Seetzen, „er hat daraufhin in seinem Ministerium angerufen und die Sache war vom Tisch“. Neben Hannover und Berlin führte ihn das Engagement für die Landwirte auch nach Brüssel. Immer wieder hat er auch seinen Hof geöffnet, sei es beim Tag der Milch, beim Tag des offenen Hofes, für Fachtagungen oder für Lehrgänge von Tierärzten.
Bedrohung durch Wolf
In jüngster Zeit bereitet ihm sein Ehrenamt nicht immer nur Freude. Schuld daran ist die „Wolfsentwicklung“, so Seetzen: „Es ärgert mich, dass die zunehmende Bedrohung durch den Wolf für die Weidewirtschaft ignoriert wird. Wenn das so weitergeht, geht die Weidewirtschaft den Bach runter.“
Wenn Hartmut Seetzen am Sonntag auch sein Amt als Kreislandvolkvorsitzender abgibt, bleibt er doch Kreislandwirt und wird weiterhin die Landwirtschaftskammer auf Kreisebene vertreten.
