• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Friesland Kultur

28 bewegte Jahre im Kirchendorf

21.08.2015

Tettens /Middoge /Oldorf Es war ein nebliger Abend im November, als Pastor Fritz Weber mit seiner Frau Heike Rohne-Weber das erste Mal in das kleine Dorf Tettens ins Wangerland fuhr. Der Ort machte auf die beiden keinen besonders einladenden Eindruck. Ganz im Gegenteil: „Hier wollen wir auf gar keinen Fall her“, sagte Heike Rohne-Weber im Auto zu ihrem Mann und schüttelte energisch den Kopf.

Aber wie so oft im Leben kommt es anders als gedacht – und nun verabschiedet sich das Ehepaar zum 31. August nach 28 Jahren von den Kirchengemeinden Tettens-Middoge und Oldorf in den Ruhestand. „Und wir haben hier seit 1987 dann doch sehr gerne gewohnt“, sagt Pastor Fritz Weber der  -Redakteurin im Tettenser Pfarrhaus.

Die Kirchengemeinde habe ihm viel Spielraum geboten, es sei möglich gewesen, vieles aufzubauen, darunter die Kinderkirche und die Mini-Kirche oder die Gemeindebücherei. Auch der Gemeindebrief ist auf Initiative Webers entstanden. „Einiges hat sich sogar bis heute halten können“, sagt er. „Es hat sich letztlich alles gut gefunden“, sagt seine Frau.

Neue Richtung

Als das Ehepaar in den 1980er Jahren nach Tettens kam, fanden sie dort ein altes Pfarrhaus und einen Kollegen im Ruhestand vor, der nicht ausziehen wollte und dort wohnen blieb – bis zu seinem Tod. „Er hat die Gemeinde so geführt, wie in jüngeren Jahren seine Rekruten beim Militär“, erinnert sich Weber.

Pastor Fritz Weber hatte eine andere Vorstellung von seiner Arbeit in der Kirchengemeinde, er wünschte sich einen Mittelweg: „Ich halte Extreme für gefährlich – es sollte weder zu sehr die alte Schule sein, noch wollte ich zu lässig rüberkommen“, sagt er. Der Umgang sollte vor allem fair sein.

Der Gemeindekirchenrat habe glücklicherweise Webers neue Richtung unterstützt, auch das Pfarrhaus wurde renoviert. „Wir durften vieles verwirklichen, der Gemeindekirchenrat hat vieles zugelassen, einiges unterstützt und nur wenig verhindert“, sagt der 63-Jährige. Die Kirche habe von der Gemeindearbeit gelebt, die bunt und lebendig gewesen sei – sogar Empfänge mit Stehtischen durften nun in der Kirche in Tettens stattfinden. Das sei in früheren Zeiten undenkbar gewesen.

„Dabei war es uns immer wichtig, alle einzubinden – vom Kind bis zum Senior“, sagt Weber. „Aber ohne das ehrenamtliche Engagement meiner Frau, hätte ich das nie geschafft und die Kirchengemeinde wäre nicht dieselbe gewesen“, betont er. Seine gesamte Familie, Weber hat drei Kinder, habe ihn stets bei seinen Aufgaben unterstützt.

Inzwischen habe sich die Arbeit gewandelt, noch vor 20 Jahren habe es viel mehr Taufen und Trauungen gegeben, heute gebe es die in seinen Kirchengemeinden kaum noch. „Einen Großteil der Menschen, die heute auf dem Friedhof in Tettens liegen, haben wir gekannt und in ihrem Leben begleitet“, sagt Weber. „Ich habe viele hundert Menschen beerdigt, an denen ich gehangen habe.“

Bis heute liegt ihm besonders die Notfallseelsorge in der Gemeinde Wangerland am Herzen. Die hat er gemeinsam mit Kollegen vor vielen Jahren aufgebaut. „Und mein Pieper geht oft“, sagt er. Er empfinde es als bedeutungsvolle Aufgabe, Menschen in Extremsituationen zur Seite zu stehen. In der Notfallseelsorge möchte er auch weiterhin tätig sein.

Gemeinsam mit seiner Frau wird Weber, der in Elisabethfehn im Ammerland geboren wurde, nach Delmenhorst ziehen. „Hier möchte ich nicht bleiben, das wäre unangebracht und für meinen Nachfolger auch kein guter Start“, glaubt Weber. Sicher werde er noch mal den einen oder anderen Gottesdienst halten, aber nur als Gast.

Seine offizielle Verabschiedung im Gottesdienst mit Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk aus Oldenburg ist am 20. September um 14 Uhr in der Kirche in Tettens. Eigentlich hatte er bis 2018 bleiben wollen, aus gesundheitlichen Gründen geht er eher.

Suche nach Nachfolger

Ein Nachfolger für die Kirchengemeinden Tettens und Middoge mit gut 1000 Gemeindegliedern wird noch gesucht. Pastorin Gabriele Streicher aus Hohenkirchen übernimmt die vorübergehende Verwaltung für die Kirchengemeinde Tettens-Middoge. Die Kirchengemeinde Oldorf wird Pastorin Hanja Harke aus Waddewarden übernehmen.

Für Pastor Fritz Weber und seine Familie beginnt dann ein neuer Lebensabschnitt: „Als Kind habe ich von einer Modelleisenbahn geträumt, die liegt bis heute auf dem Dachboden. Vielleicht kann ich sie jetzt endlich aufbauen – die Zeit hätte ich ja nun.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.