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NWZonline.de Region Friesland Kultur

449 Häuser und Gebäude tragen Eilers’ Handschrift

23.10.2015

Jeverland Er hat die Architektur des Jeverlands geprägt wie kein zweiter – und dennoch erinnert sich kaum noch jemand an ihn: Architekt Theodor Eilers (1867 bis 1949 ) hat 449 Häuser, Höfe und Betriebsgebäude in Jever, Schortens, im Wangerland und auf Wangerooge gebaut – und wenn man weiß, welche, dann staunt man: Es sind Gebäude, die jeder kennt, die besonders sind und auch sehr schön. „Total schöne Häuser – ich bin richtig verliebt“, schwärmte denn auch Erhard Ahlrichs, Ideengeber für die Geschichtswerkstatt Wangerland, der am Mittwochabend in Middoge über Theodor Eilers referierte.

Mit seiner Schwärmerei übertreibt Ahlrichs keineswegs. Die Hofstellen, die Eilers im Wangerland baute – 1888 plante er als 22-Jähriger als erstes Gebäude eine Scheune in Groß Warfen – zeugen von schönem Handwerk. Typisch für seine Entwürfe sind die beiden Handwerksmauern, die die Scheunenfront klar unterteilen: Bis heute etwa an der Scheune Garlichs in Horum, bei der Hofstelle Groß Holum und beim Irpshof in Roffhausen sowie auf dem Brader-Hof in Moorwarfen zu bewundern.

Die Molkerei-Gebäude in Jever, Tettens und Horum stammen ebenfalls von Eilers, außerdem die Volksschule Waddewarden, das „Isolierhaus“ – der mittlere Teil der heutigen Kreisverwaltung –, die Landwirtschaftsschule Jever, der Sillensteder Krug, die Hof-Apotheke am Kirchplatz und die Schloss-Apotheke am Alten Markt in Jever, das von-Thünen-Haus an der Ecke Rosenstraße/Schillerstraße, die Mettcker-Druckerei, das Oetken-Lagerhaus und mehrere prächtige Häuser an der Schlosserstraße und der Mühlenstraße.

Büro erst in Hooksiel

Die klassizistische Villa Mühlenstraße 69 hatte Eilers als Wohnhaus für seine Frau Auguste, geborene Gerdes, und die vier Töchter gebaut – nach damaliger Mode befand sich die Küche im Keller. „Das passte Auguste Eilers nicht und so baute Theodor Eilers zwei Grundstücke weiter die Villa Mühlenstraße 65“, wusste Volker Landig vom Jeverländischen Altertums- und Heimatverein Ahlrichs Vortrag zu ergänzen. Auch das Haus Mühlenstraße 67 zwischen den beiden Häusern baute Eilers.

Auf dem heutigen Gelände von Ford Netcel und der Tankstelle nebenan stand einst ebenfalls ein Häuserensemble von Theodor Eilers.

Der Architekt hatte sein Büro zunächst in Hooksiel, 1905 verlegte er es nach Jever. Mehrere Angestellte soll er stets beschäftigt haben – bei der Vielzahl seiner Entwürfe und seiner sonstigen Arbeit anders auch kaum möglich, denn Eilers’ Büro stellte auch Baugenehmigungen aus, berichtete Ahlrichs. „Immer wieder eckte Eilers mit den Entwürfen für herrschaftliche Häuser an“, weiß er: „So wurde 1907 über das von-Thünen-Haus mit seinem Turm gesagt: ,So ein Schweizer-Haus gehört nicht nach Jever‘.“

Ab 1902 bebaute Eilers dann auch Wangerooge: Das Hotel Hanken, die im Krieg ausgebombte katholische Kirche, die evangelische Nikolai-Kirche, die Villa Gerken, den Kaiserhof, den Anbau des Strandhotels Gerken, die Villa im Park, das Kinderheim Dr. Siems – die heutige Residenz am Rosengarten –, die Insel-Apotheke, das Haus Meeresstern, Haus Normannia, das Haus Schöneck, das Haus Ansgar und viele weitere tragen seine Handschrift. Auch das einstige Licht- und Luftbad Wangerooge hat Theodor Eilers, der selbst ein Sommerhaus auf der Insel besaß, entworfen.

Wer viel baut, braucht viele Steine: „Theodor Eilers investierte das Geld, das er verdiente, klug: Er kaufte sich in Ziegeleien ein – insgesamt besaß er vier Ziegeleien oder Anteile daran“, berichtete Ahlrichs.

Geschnitzte Möbel

Auch das Familienhaus an der Mühlenstraße 65 zeugte von Wohlstand: Von Ledertapeten, Holzparkett und Terrazzoböden, geschnitzten Holzschränken und schicken Esszimmermöbeln, erzählt Landig. Für alle vier Töchter ließ Eilers als Aussteuer ebenfalls geschnitzte Esszimmermöbel herstellen – sogar noch zu Kriegszeiten, als es so etwas gar nicht mehr gab.

In Jever erinnern heute zwei Straßen an den Architekten und seine Frau: Die Augustenstraße, die von der Mühlenstraße abgeht und nach Auguste Eilers benannt ist und natürlich die Theodor-Eilers-Straße, die von der Augustenstraße abzweigt.

Etwas peinlich für die Stadt: Auf dem Erklärschild zum Straßennamen ist das Geburtsjahr Theodor Eilers’ mit 1887 falsch – nämlich 20 Jahre zu spät – angegeben.

Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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