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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Regionalgeschichte: Als Alexander I. die Herrschaft übernahm

25.11.2013

Jever Vor genau 200 Jahren wurde in den „Wöchentliche[n] Anzeigen und Nachrichten von Jever“, eine „Bekanntmachung an die Bewohner von Jeverland und Kniphausen veröffentlicht: Es handelt sich um die am 25. November 1813 erlassene Proklamation der Wiederinbesitznahme der Herrschaft Jever für Zar Alexander I.

Das Jeverland war nach dem Tod des letzten Anhalt-Zerbster Fürsten Friedrich August (3. März 1793) an dessen Schwester gefallen, die 1745 den späteren russischen Zaren Peter III. heiratete und seit 1762 als Zarin Katharina II. regierte. Nach Katharinas Tod 1796 folgten auf dem Zarenthron ihr Sohn Paul und 1801 ihr Enkel Alexander.

Katharina kannte das ererbte Jeverland immerhin aus eigener Anschauung: als 14-jährige Zerbster Prinzessin Sophie Auguste Friederike hatte sie Jever 1743 besucht. Für ihre Nachfolger Paul I. und Alexander I. jedoch blieb das ferne Ländchen nur ein unbedeutender Fleck auf der Landkarte. Die Regierungsgeschäfte im Jeverland führte als Landesadministratorin Katharinas Schwägerin Friederike Auguste Sophie, Witwe des letzten Zerbster Fürsten.

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Friederike Auguste Sophie († 12. April 1827), die wegen ihres sozialen Engagements im Jeverland hohes Ansehen genoss, residierte nicht dauerhaft in Jever, sondern verbrachte das Winterhalbjahr auf ihrem Witwensitz in Coswig. Hierher zog sie sich zurück, als das Jeverland in den napoleonischen Kriegen 1806 von holländischen Truppen besetzt und mit dem Frieden von Tilsit im Juli 1807 Teil des Königreichs Holland wurde.

Dieses wurde von Louis (niederländisch Lodewijk) Bonaparte, einem Bruder Napoleons, regiert. Da Lodewijk sich tatsächlich als holländischer König verstand und nach Meinung Napoleons die französischen Interessen nicht konsequent durchsetzte, geriet er in Konflikt zu seinem Bruder und dankte Anfang Juli 1810 ab. Holland wurde mit kaiserlichem Dekret vom 9. Juli 1810 dem französischen Staatsgebiet einverleibt. Die Einwohner des Jeverlandes, gerade noch Holländer, wurden damit zu Franzosen mit allen Rechten und Pflichten eines Staatsbürgers.

Das bisherige holländische Departement 11 „Oost-Vriesland“ inklusive Jeverland wurde zum französischen Departement 124 „Ost-Ems“ (Ems-Oriental). Departementshauptstadt war Aurich, Jever war Sitz einer Unterpräfektur. Französisch war Amtssprache, daneben behielt das Deutsche seinen Stellenwert, die regionale Presse erschien mit einer französischen und einer deutschen Spalte auf den Hauptseiten.

Faktisch griff die Einführung der französischen Verwaltungsstruktur allerdings erst Anfang 1811. So vermeldete die Ausgabe der „Jeverschen wöchentlichen Anzeigen und Nachrichten“ vom 8. Februar 1811, dass der Bürgermeister fortan den Titel „Maire“ trage und die Ratsherren „Municipal-Räthe“. Maire von Jever war der Kaufmann Johann Friedrich Jaspers, der Urgroßvater des Philosophen Karl Jaspers,

Volle Bürgerrechte

Am 1. März 1811 trat das seinerzeit modernste Gesetzeswerk in Europa, der Code Napoléon, auch im Departement Ost-Ems in Kraft. Das bedeutete etwa die Einführung der Zivilehe und staatlicher Geburts- und Sterberegister sowie die rechtliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung.

Die Phase, in der das Jeverland Teil des französischen Kaiserreichs war und die Bürger den Geburtstag Napoleons (15. August) ebenso wie das Datum seiner Kaiserkrönung (2. Dezember) als staatliche Feiertage begingen, war allerdings von kurzer Dauer. Der katastrophale Ausgang des Russlandfeldzugs von 1812 leitete den Niedergang der Herrschaft des Korsen ein. Der Sieg der Allianz aus Russen, Preußen, Österreichern und Schweden in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 brachte die Wende in den Befreiungskriegen. In wenigen Wochen war die französische Herrschaft in den meisten deutschen Regionen beendet.

In Jever ging die napoleonische Herrschaft unblutig zu Ende. Französische Soldaten und Beamte verließen im November 1813 die Stadt, bevor Truppen der Alliierten und Kosaken unter Rittmeister Baron von Drost das Jeverland am 8. oder 9. November für Zar Alexander I. in Besitz nahmen.

Der jeversche Maler Friedrich Barnutz (1791 bis 1867) hat beide Ereignisse gemalt, allerdings erst rund 30 Jahre später: Das Bild „Auszug der Franzosen“ entstand 1844; der „Einzug der Kosaken“ 1840. Trotz der späten Entstehung ist beiden Bildern, die im Schlossmuseum hängen, der Charakter als Zeitdokument nicht völlig abzusprechen, denn als junger Mann hat Barnutz vermutlich das Geschehen aus nächster Nähe beobachtet.

Das Bild vom Einzug der Kosaken diente auch als Vorlage für den 2003 vom Aachener Künstler Bonifatius Stirnberg geschaffenen „Kosakenbrunnen“ an der Albanistraße. Auf der Erläuterungstafel steht: „1813 befreiten die Kosaken das Jeverland“.

Vermutlich haben die meisten Jeveraner den Einzug der Kosaken bei allen Vorbehalten gegenüber den wild-verwegenen Gesellen tatsächlich als Befreiung empfunden. Zu stark war vor allem gegen Ende die französische Herrschaft als bedrückend empfunden worden. Dazu trugen hohe Steuern ebenso bei wie die Rekrutierung junger Männer zur französischen Armee.

Auch hatte sich die wirtschaftliche Situation aufgrund der Kriegslasten und der konsequenten Kontinentalsperre entscheidend verschlechtert. Hatte mancher zu Beginn der Holland- bzw. Franzosenzeit noch mit Schmuggelgeschäften ein Vermögen verdient, so wirkten sich die immer rigideren Boykottmaßnahmen gegen den Handel mit England, der zuvor zu Wohlstand in der Küstenregion geführt hatte, für die meisten Geschäftsleute katastrophal aus.

Vor allem aber hatte im deutschen Bürgertum eine Welle nationaler Begeisterung eingesetzt, die nichts sehnlicher erstrebte als das Ende der napoleonischen Herrschaft.

Dennoch ist festzuhalten, dass die kurze „französische“ Phase des Jeverlandes einen erheblichen Modernisierungsschub mit sich brachte. Viele fortschrittliche Projekte allerdings konnten sich nicht durchsetzen. So wurde im Oktober 1813 die Einführung des metrischen Systems vorgeschrieben, doch wenige Wochen später war die Franzosenzeit vorbei und es blieb bei der Vielzahl an Längen-, Flächen- und Raummaßen.

Viele Repressionen

Andere liberale Errungenschaften, so das Bürgerrecht für die jüdische Bevölkerung, wurden mit Rückkehr der alten Herrscher abgeschafft.

Auf der anderen Seite müssen die Repressionen und Opfer berücksichtigt werden, die die Zeit für die Bevölkerung mit sich brachte. Viele zum Militärdienst herangezogene junge Männer ließen bei den Kriegszügen Napoleons, vor allem beim Russlandfeldzug, ihr Leben. Noch 1826 wurden vermisste jeverländische Soldaten offiziell für tot erklärt.

Ein Urteil über die Franzosenzeit in Jever muss somit differenziert ausfallen. Festzustellen bleibt auch, dass sich viele Hoffnungen, die sich mit ihrem Ende verbanden, nicht erfüllt haben. Zar Alexander I., dessen 36. Geburtstag am 23. Dezember 1813 das Jeverland aufwendig gefeiert hatte, zeigte kaum Interesse an dem kleinen fernen Ländchen. Am 28. Dezember 1813 übertrug er dessen Verwaltung an seinen Verwandten Peter Friedrich Ludwig, Herzog von Oldenburg, der im November 1813 aus dem russischen Exil zurückgekehrt war. 1818 wurde das Jeverland dann vollständig an Oldenburg übertragen .

Die wirtschaftliche Blüte blieb allerdings aus, die in der Franzosenzeit erreichten bürgerlichen Freiheiten wurden beschnitten, die nationale Einigung, die viele Freiheitskämpfer von 1813 erträumt hatten, blieb in weiter Ferne. Stattdessen gewannen nach dem Wiener Kongress restaurative Tendenzen die Überhand. Es folgten immer stärkere Einschränkungen des öffentlichen Diskurses, für das Bürgertum begann der Rückzug in die Innerlichkeit: die Zeit des Biedermeier.

Behörden und Gerichte allerdings hatten noch lange Arbeit mit der Franzosenzeit, galt es doch noch Forderungen für an die französische Armee gelieferte Pferde einzutreiben, vermisste Soldaten für tot zu erklären oder die Scheidung auszusprechen für jeversche Frauen, die von ihren französischen Ehemännern im November 1813 verlassen worden waren.

Besonders ein Problem sollte noch über Jahre hin die Oldenburger Regierung beschäftigen: Die Deklaration vom 25. November 1813 über die Wiederinbesitznahme des Landes für Zar Alexander richtete sich ausdrücklich an die Einwohner Jeverlandes und Kniphausens. Kniphausen hatte allerdings nie zu den Besitzungen des Zaren gehört, sondern war eine unabhängige Herrlichkeit im Besitz des Grafen Wilhelm Gustav Friedrich von Bentinck. Erst in der französischen Zeit war es zur Unterpräfektur Jever geschlagen worden. So mit dem Jeverland verbunden, wurde es jetzt von den russischen Truppen gleich mit in Besitz genommen und gelangte unter oldenburgische Verwaltung.

Da Graf Bentinck mit allen Mitteln versuchte, wieder in seine angestammten Rechte zu treten, entstand eine jahrelanger Rechtsstreit, der erst 1826 durch einen Beschluss des 1815 ins Leben gerufenen Deutschen Bundes und letztlich durch einen Vergleich im Jahr 1854 entschieden wurde.

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