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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Neuenburger Urwald: Als die Nazis zum Filmemachen kamen

15.08.2014

Neuenburg Wer bei einem Spaziergang durch den Neuenburger Urwald aufmerksam seine Umgebung beobachtet, kann in der Nähe der Jagdhütte Relikte des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte entdecken: 1934 wurden dort große Teile eines nationalsozialistischen Propagandafilms gedreht, der die Deutschen von der „Blut und Boden“-Ideologie der NSDAP überzeugen sollte. Bis heute stehen im Urwald Überreste einer Mauer, die extra für den Film gebaut wurde.

1936 wurde der Film „Der ewige Wald“ uraufgeführt, nach dem Kriegsende 1945 setzten ihn die Siegermächte und später die zuständige Bundesprüfstelle auf den Index. Erst 2000 wurde der Film in Neuenburg im Rahmen eines Vortrags des damaligen Referenten der Landeszentrale für politische Bildung, Rolf Keller, erneut gezeigt. Der Film ist nicht für den privaten Gebrauch zugelassen.

1934 war Drehbeginn im Neuenburger Urwald. Es waren nicht nur viele Einwohner Neuenburgs als Statisten am Film beteiligt, auch kam es im Wald zu umfassenden Baumaßnahmen. So wurden Hütten und eine Wassermühle errichtet und es wurde sogar ein zwei Meter breiter und zwei Meter tiefer Graben um eine Fläche von 250 Quadratmetern ausgehoben. Der Graben diente dazu, einen Bären, der im Film von Germanen gejagt wurde, am Ausbrechen zu hindern. Die Neuenburger Statisten bekamen für ihre Arbeit pro Person 50 Pfennig und eine warme Dusche.

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Unter der Aufsicht des Propagandaministeriums von Joseph Goebbels entstand ein Film, der die Geschichte des deutschen Volkes seit der Antike im nationalsozialistischen Sinne umdeutete. „Die Gelenkten sollten nicht merken, wohin sie getrieben wurden“, beschrieb Rolf Keller die Absichten des Films im Jahr 2000. Vierzehn Jahre später hat sich Zetels Erster Gemeinderat, Bernd Hoinke, mit dem Thema befasst und unter anderem mehrere Inhaltsangaben des Films in den Archiven gefunden. „Wenn man das heute liest, erkennt man sofort die rassistische und ideologische Einfärbung“, sagt Hoinke.

Der Film zieht Analogien zwischen der Geschichte der deutschen Wälder und der Entwicklung des deutschen Volkes. So mussten fast alle Darsteller den „arischen“ Idealen, die die nationalsozialistische Führung propagierte, entsprechen. Der einzige Darsteller eines Deutschen, der nicht blond, sondern schwarzhaarig sein musste, war in der Szene, die sich um die „Bauernkriege“ im Mittelalter drehte, der „Führer“ der Bauern. Es war offensichtlich eine Parallele zum „Führer und Reichskanzler“ Adolf Hitler beabsichtigt.

Bäume in Reih und Glied

Bereits zu Beginn des Films verteidigten die als tapferes, tüchtiges Volk dargestellten Germanen ihr Land gegen die römischen Invasoren, welche ihrerseits zuvor nach links – wieder eine politische Stellungnahme – vorgerückt waren, und führten so den Untergang des Römischen Reiches herbei. Im Verlauf der Handlung „kolonisierten“ die Ritter des Mittelalters die Ostgebiete des späteren Deutschen Reiches, die Deutschland nach dem Versailler Vertrag wieder hatte abtreten müssen und seit der „Machtergreifung“ der NSDAP offiziell zurückforderte. Friedrich der Große, eines der Idole der nationalsozialistischen Bewegung, forstete die deutschen Wälder nach militärischem Vorbild auf – mit Bäumen in Reih und Glied.

Waren all dies nur Deutungen der Geschichte in entsprechender politischer Einfärbung, so verdrehte der Film die Geschehnisse im Ersten Weltkrieg vollkommen: Plötzlich wurde „Erbfeind“ Frankreich als Aggressor dargestellt – eine Rechtfertigung des späteren Westfeldzugs Nazi-Deutschlands. Nach dem Ersten Weltkrieg werden im Film die deutschen Wälder von „rassisch minderwertigen“ französischen Soldaten abgeholzt, doch Deutschland erhebt sich in der Schlussszene „dank des Nationalsozialismus“ wieder zu alter Größe.

„Eigentlich ist der Film unsehbar heutzutage“, befand Bernd Hoinke. Dennoch sei es wichtig, so Hoinke, zur politischen und geschichtlichen Aufklärung an den Propagandafilm zu erinnern. Auch weitere Aufführungen des Films seien, natürlich nur begleitet von entsprechenden Informationen, denkbar.

Tatsächlich ist aus heutiger Sicht kaum nachzuvollziehen, wie sich die Menschen von Werken wie diesen, von denen das Propagandaministerium zwischen 1933 und 1945 immerhin über 1000 Stück in Auftrag gab, manipulieren lassen konnten. „Der ewige Wald“ war auch tatsächlich kein großer Erfolg, nicht einmal im Dritten Reich – nach wenigen Aufführungen in Berlin und Oldenburg wurde der Film in den Kinos abgesetzt.

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