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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Alter Keller birgt Geheimnisse

30.07.2014

Jever „Wir sind gegenwärtig alle Zeugen einer Schwangerschaft – irgendwann wird ein Kind geboren“, meint Volker Landig zu den neuen Erkenntnisse rund um das Gröschler-Haus in Jever. Im hinteren Teil der Begegnungsstätte an der Großen Wasserpfortstraße 19, früher wahrscheinlich der Anbau der 1938 niedergebrannten Synagoge wie Aufnahmen von 1901 zeigen, hat Volker Landig vom Jeverländischen Altertums- und Heimatverein gemeinsam mit Historiker Hartmut Peters einen Einstieg zum Keller gefunden. Dass es diesen Keller gibt, war lange vergessen (die NWZ  berichtete).

Zwei Räume unter Boden

Zwei Räume, beide etwa vier Quadratmeter groß, finden sich unterm Fußboden des Hauses. „Die Trennung der beiden Räume hat aufgrund des alten Mauerwerks wahrscheinlich schon immer existiert“, erklärt Landig. Zudem habe man eine Heizungsanlage entdeckt, die vermutlich nicht ursprünglich dort stand.

1880 wurde die jeversche Synagoge im orientalisch aussehenden, maurischen Baustil errichtet. Das Gebäude sei „nie vollständig zerstört“ worden, berichtet Peters. Als auf dem Grundstück der Synagoge 1953 durch Klempnermeister Knorr das Geschäftshaus gebaut wurde, wurden die Kellergewölbe nicht verfüllt oder abgerissen, sondern einfach überbaut.

Jetzt vermuten Peters und Landig sowie Professor Dr. Antje Sander, Leiterin des Schlossmuseums Jever, dass sich im Keller eine Mikwe, ein rituelles Reinigungsbad, befindet. Ritualbäder gab es einst bei jeder Synagoge. Peters freut sich nach dem Fund: „Jetzt können wir uns viel besser vorstellen, wie alles hier aussah.“

Die nächsten Schritte werden nun eingeleitet. Erst werden Bausachverständige den Keller untersuchen, dann soll der Betonboden im zweiten Raum vorsichtig geöffnet werden, um – so hoffen Peters, Landig und Antje Sander – Teile der Mikwe zu finden.

Auch Johan Anton van Weelden verfolgt das Projekt aufmerksam. Seine Idee: Die einstige Synagoge, die als die schönste im Oldenburger Land galt, wieder zu errichten und als multikulturelles Zentrum zu nutzen. Er hatte diesen Vorschlag vor einem Jahr in der Diskussion um den Neubau des Ahlers-Hauses gemacht, war damit aber nicht auf Zustimmung gestoßen (die NWZ  berichtete).

Es gelte, den Jeveraner die Geschichte deutlich vor Augen zu führen und ein neues Bewusstsein auch bei jungen Menschen zu schaffen. „Sag nie, es kann nicht wieder passieren“, lautet seine Mahnung im Hinblick auf die Grauenstaten im Krieg und den Umgang mit Mitbürgern jüdischen Glaubens. Deshalb hat er sich entschlossen, das Projekt finanziell zu unterstützen.

Multikulturelles Zentrum

Geplant ist der Bau des multikulturellen Zentrums auch weiterhin: Ein Modell der Synagoge soll demnächst das Zentrum für regionale Geschichte an der Großen Wasserpfortstraße 19 zieren. Vorerst geht es allerdings darum, das Gröschler-Haus noch weiter zu einer Begegnungsstätte auszubauen, in der sich Besucher und Schulklassen informieren und forschen können.

Die wichtigste Aufgabe stellt für die Historiker nun die Erforschung des Kellers dar. Ein Rabbiner aus Oldenburg sucht derzeit nach vergleichbaren Bauten, um den möglichen Standort für eine Mikwe genau voraussagen zu können, sagt Antje Sander. Bei positivem Verlauf soll im Anschluss eine Restaurierung vorgenommen werden.

„Eine Glasscheibe auf dem Boden mit Einsicht nach unten ist denkbar“, plant Hartmut Peters bereits den nächsten Schritt und ist gespannt auf den Verlauf der Arbeiten.

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