• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Friesland Kultur

Rührendes Schicksal: Bewegender Abschied von Fidel

08.02.2014

Sande /Schortens Es sind nur wenige Monate, die Fidel Kuflo, den alle nur unter seinem Vornamen kennen, in Schortens verbracht hat. Und doch hat der junge Afrikaner offenbar Spuren hinterlassen. Am Freitag wurde der 24-Jährige beerdigt, der am Montag nach kurzer Krankheit verstorben war. Gut 40 Trauernde hatten sich zur Trauerfeier in der Kreuzkapelle in Sande eingefunden und begleiteten die Sargträger im Anschluss bis ans Grab.

Wie berichtet, war der 24-Jährige im Oktober als Flüchtling nach Deutschland gekommen, im November dann nach Schortens. Vor rund einem Monat begann Fidels Krankheit: Kopf- und Magenschmerzen, er kann kein Essen aufnehmen, spuckt Blut. Nach zwei Wochen im Koma hört sein Herz schließlich auf zu schlagen.

In der Kreuzkapelle Sande steht am Morgen der Sarg aufgebahrt, darauf rote Gerbera und weißes Schleierkraut, davor auf einer mit purpurnem Samt überzogenen Staffelei ein Bild Fidels – ein freundlich dreinblickender junger Mann mit dunkler Hautfarbe.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Unter den Gästen sind einige Nachbarn, der Großteil aber sind Landsleute von Fidel, einige Verwandte, andere kannten ihn nur wenige Wochen. Bevor die Totenfeier beginnt, hallt lautes Schluchzen durch die Kapelle, einige der Afrikaner werfen sich auf den Boden, weinen und klagen. Von außen drückt das Februargrau durch die Oberlichter des Raums.

Als Walter Albers eintritt, wird es still. Der katholische Priester aus Jever schwenkt einen goldenen Behälter mit Weihrauch, der Rauch soll reinigen. Mit Weihwasser besprengt er Sarg und auch die Trauernden.

Der Ablauf der Feier war mit Henderika de Winter und ihrem Lebensgefährten Heinz Wolff abgesprochen worden. Die beiden Schortenser waren Nachbarn von Fidel, der wie viele Eritreer katholisch-orthodox war.

Später tragen drei Eritreerinnen ein Lied in ihrer Landessprache vor, eher ein Flüstern als ein Gesang. Dann das Vaterunser, Albers beginnt auf Deutsch, bis ihn die Afrikaner auf Tigrinya übertönen.

Als dann die Sargträger kommen, beginnt das Schluchzen aufs Neue. Später, als die Männer den Sarg in die Erde lassen, hört man vor allem Fidels Bruder. „Das ist mein Bruder. Nein“, ruft er wieder und wieder. Nach der Beerdigung fährt die Gruppe gemeinsam in das Haus von Heinz Wolff.

Er, Henderika de Winter und andere Nachbarn hatten Fidel und seinen fünf Mitbewohnern bei der Eingewöhnung geholfen, Möbel und Haushaltswaren besorgt, vom DRK Jever gab es Kleidung. Bei der Trauerfeier bedankten sich Fidels Mitbewohner auch für diese Unterstützung. Ihre erste Nacht in Friesland hatten die Männer unter einer Brücke verbracht, weil sie nicht wussten, wie sie vom Bahnhof in Sande nach Schortens kommen sollten.

Henderika de Winter erinnert sich gerne an die Zeit mit Fidel. Ein fröhlicher Mann sei er gewesen, „wie ein Sohn“, wie auch die anderen Eritreer. Weihnachten habe man zusammen verbracht, war Grünkohlessen, Besenwerfen, habe Gesellschaftspiele gemeinsam gespielt. „Wenn man ihn beim Schummeln erwischte, hat er gelacht.“

Besonders tragisch: Fidels Krankheit war womöglich eine Spätfolge seiner zwei Jahre dauernden Flucht unter anderem über Libyen und Lampedusa, wo er mit einem Flüchtlingsboot kenterte, kilometerweit an Land schwimmen musste. Ein andere Grund könnte unzureichende medizinische Behandlung vor seiner Ankunft in Deutschland sein. Am Ende ging es schnell, die Ärzte konnten nichts mehr für ihn tun.

Tim Gelewski Agentur Hanz / Redaktion Jever
Rufen Sie mich an:
04461 965312
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.