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NWZonline.de Region Friesland Kultur

„Bücherei ist ein Bahnhof voller Figuren“

14.12.2018

Bockhorn Zu einer „satirischen Weihnachtslesung“ hatte die Gemeinde Bockhorn am Mittwochabend in ihre Bücherei im Bürger-Huus eingeladen. Das Interesse war sehr groß, alle Stühle waren besetzt. Nach einem Glühwein-Empfang im Café begrüßte Katja Lorenz, allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters, die Gäste. Auf Anregung von Brigitte Aden, der Leiterin der Bücherei, war die Theaterschauspielerin Jutta Seifert nach Bockhorn gekommen, um ihr Programm „Vorsicht Bescherung“ zu präsentieren.

Dazu gehörten Geschichten und Gedichte, zum Beispiel von Karl Heinrich Waggerl. Erzengel Gabriel verscheucht alle Tiere inklusive Insekten aus dem Stall zu Bethlehem. Nur ein verschlafener Floh in der Krippe wird übersehen. Als er auf der Flucht nach draußen das Ohr des Christuskindes als Startrampe nutzt, kitzelt er den kleinen Jesus. Marias Reaktion: „Sieh, Joseph, er lächelt schon.“ Es ging also gar nicht so satirisch zu, eher gemütvoll. Die Schnee-See-Reh-Fee lässt sich von der Hecken-Hexe in der Hocke vor der Hucke den Dreh-Zeh mit Tee heilen. Der kleine Karl erfährt, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt, flugs erfindet er für seine jüngeren Geschwister Ersatz-Feiern für den „Gütigen Siegfried“ oder die „Taube Jutta“, um so an Süßigkeiten zu kommen. Immerhin, Hermann van Veen war auch dabei: „Für mich war Nikolaus Gott, bis ich entdeckte, dass Gott die selben Strümpfe wie mein Vater trägt.“ Desillusionierung, wie sie jeder einmal erfahren hat.

Die schönste Geschichte stammte aus der Feder des Schriftstellers Benedict Wells: „Die Nacht der Bücher“. Der alte Nachtwächter in einer großen verstaubten Bibliothek merkt am Weihnachtsabend nicht, dass hinter seinem Rücken die Bücher lebendig werden. Es raschelt und rauscht, es klappern die Einbände. Denn: „Eine Bücherei ist ein Bahnhof voller Figuren.“ Jules Verne unterhält sich mit Huckleberry Finn, die Buddenbrooks mit Romeo und Julia, Dickens kann nicht mitmachen, weil seine Weihnachtsgeschichte an diesem Tag immer ausgeliehen ist. Der alte Cervantes ist eingeschlafen, Capote fordert zum Vorlesen Lolita, Harry Potter muss schweigen, weil er zu jung. Alle sind in Adventsstimmung, nur Hemingway nicht. Der Grantler schimpft herum und wird dafür aus dem Regal geworfen.

Zum Abschluss kam die Geschichte vom Einbrecher Nick, der sich auf das Stehlen von Weihnachtsgeschenken spezialisiert hat, um sich so selbst eine ganz besondere Bescherung zu bereiten. In einer großen Villa luchst ihm die kleine Cathy seine Beute ab, Opa bekommt so statt der ewigen Pyjamas Formel-1-Karten: „Das ist mal eine Überraschung.“

Zur musikalischen Unterhaltung spielte die Musiklehrerin Gabriela Heupgen mit ihrer Schülerin Finja Jelsinksi auf Querflöten Weihnachtslieder.

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