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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Eine Farborgie in Grün und Rot

02.03.2019

Bockhorn /München Der Maler Erich Heckel (1883 – 1970) hätte es vermutlich nicht für möglich gehalten, dass sein Gemälde von der Ziegelei Günther Lauw in Bockhorn (früher an der Steinhauser Straße gelegen) mal für einen siebenstelligen Euro-Betrag zum Verkauf angeboten wird. So ist es aber. Genaugenommen ist es ein auf Vorder- und Rückseite bemaltes Gemälde, das die Galerie Thomas in München zum Verkauf anbietet: Zuerst (1908) entstand „Ziegelei“ in grellen Farben, wobei Grün und Rot dominieren. 1909 entstand auf der Rückseite „Häuser bei Rom“. „Der Stil des Gemäldes und die dicht aneinandergesetzten Pinselstriche zeigen Heckels Vorliebe für van Gogh“, sagt Patricia von Eicken, die für die Galerie Thomas den Verkaufskatalog zusammenstellte.

Das ursprüngliche Gemälde der Ziegelei wurde übermalt, 1999 freigelegt und 2006 im Londoner Auktionshaus Sotheby’s versteigert. Nachdem das Gemälde lange in Luxemburger Privatbesitz war, wird es nun über die Münchner Galerie Thomas angeboten und hängt zurzeit in den Verkaufsräumen. Im Verkaufskatalog wird es ausführlich erläutert.

Anfang März wird das Doppelgemälde aber schon verpackt und gelangt mit anderen Gemälden zur Kunstmesse TEFAF in Maastricht (16. bis 24. März). Das Bild und seine Geschichte ist Gegenstand eines Verkaufskatalogs, in dem es mit anderen Meisterwerken (von Alexej Jawlensky über Max Liebermann bis zu Oskar Schlemmer und Max Pechstein) präsentiert wird.

Die Brücke-Maler Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) hatten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Fischerdorf Dangast niedergelassen. Die Weite der Landschaft und das Farbenspiel der Natur inspirierte die Maler zu zahlreichen Gemälden, bei ihrer Auswahl für mögliche Inspirationsorte hatte sicherlich die Abgeschiedenheit, aber auch der Umstand eine Rolle gespielt, dass in Dangastermoor eine Bahnstation war und die Lebenshaltung in der oldenburgischen Provinz vergleichsweise günstig war. Die Ziegelei-Bauten mit ihren weit in den Himmel ragenden Schornsteinen und den langgestreckten Trockenschuppen hatten es den Malern ebenfalls als Motive angetan (Emma Ritter, Karl Schmidt-Rottluff). Die Hafenziegelei am Vareler Hafen war ebenfalls Bildmotiv.

Die Ziegelei Carl Lauw, später Günther Lauw, wurde 1854 von Ziegeleibesitzer Adolph de Cousser (1814 bis 1878) gegründet. De Cousser war Besitzer von Gut Hahn und Schwager von August Lauw. Ihren lange gebräuchlichen Namen Preußische Ziegelei erhielt sie, weil der Staat Preußen die Ziegelei erwarb (wohl um Baumaterial für seine Marinebauten zu produzieren). Später übernahm sie August Lauw, der Klinkerbaron, der seine Bockhorner Ziegeleien wiederum seinem Sohn Carl (und seine Neuenburger Ziegeleien seinem Schwiegersohn Wilhelm Röben) zunächst verpachtete und die Bockhorner Ziegeleien an seinen Sohn Carl übertrug. August Lauws Sohn Carl Lauw starb wie sein Vater 1917. Zuletzt firmierte die Ziegelei unter dem Namen des Sohnes Günther Lauw. Lange stand noch die Pferdescheune an der Steinhauser Straße, in denen die Pferde untergebracht waren, die den Rohstoff (und das Brennmaterial Torf) zur Ziegelei schafften. Die Scheune wurde vor ein paar Jahren abgebrochen.

Die Ziegelei Günther Lauw produzierte bis 1970, das ursprüngliche Brandhaus aus den Gründungsjahren war Ende des im 19. Jahrhunderts durch den damals modernen Ringofen ersetzt worden, der die Produktivität wesentlich erhöhte. Im Ringofen „wanderte“ das Feuer im Kreis. Zwei Wochen dauerte ein Brennzyklus. Die Brennkammern wurden zugemauert und nach dem Abkühlen wieder geöffnet, die Steine auf Schubkarren herausgeholt und die nächste Ladung Rohlinge aufgestapelt.

Heute gibt es nur noch wenige Ringofen-Ziegeleien, eine hat die Zeitläufte bei Wittmund überstanden, eine andere befindet sich bei Drochtersen. Die Nenndorfer Ziegelei Kaufmann brennt die Steine mit Torf, die Ziegelei Rusch bei Drochtersen mit Kohle. Die einzige verbliebene Klinkerziegelei in Bockhorn ist die Klinkerziegelei Uhlhorn in Grabstede. Auf ihrem Firmengelände bestanden früher drei Ringöfen, heute werden dort die Bockhorner Klinker in zwei gasbetriebenen Tunnelöfen gebrannt.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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