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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Riegel bewegt sich wie von Zauberhand

13.07.2018

Cleverns Es knirscht und schabt – und dann schiebt sich wie von Zauberhand der schwere geschmiedete Riegel zur Seite. Die Holztür schwingt auf – und strahlender Sonnenschein flutet den dunklen Kirchenraum.

Seit den 1960er Jahren – da wurde die Clevernser Kirche zuletzt saniert – blieb die Südpforte geschlossen. Das ist in vielen alten Kirchen des Jeverlands so – betreten werden viele Kirchen durch neue Tore von der Westseite her. „Damals ging es wohl darum, dass der Gläubige beim Betreten des Kirchenraums direkt auf den Altar ausgerichtet wurde“, sagt Cleverns’ Pastorin Katrin Jansen. Doch nun ist die Südpforte in Cleverns wieder in Betrieb. Im Gottesdienst am 16. September soll sie eingeweiht werden.

Tüftelarbeit

Das alte Schloss ist nicht nur restauriert – Kunstschlosser Volker Pape hat es auch verbessert. Dazu war ein bisschen Tüftelarbeit notwendig, erzählt er. Denn damit der Schließmechanismus leichtgängiger ist, hat er eine Führung des Schlüssels im Schloss eingebaut. Der Schlüssel wird übrigens mit dem Bart nach oben ins Schloss geschoben. Logisch – denn der Bart greift oben in die Klammern des Riegels ein, um ihn zu verschieben.

Das Vorhaben kam in Gang, als im vergangenen Jahr der Sicherheitsbeauftragte aus dem Oberkirchenrat bemängelte, dass die Tür nicht (mehr) zu öffnen sei. Der Denkmalschutzbeauftragte des Oberkirchenrats Achim Knöfel habe den Gemeindekirchenrat Cleverns dann darin bestärkt, die Pforte wieder zu öffnen – und sie möglichst auch als regulären Zugang zur Kirche zu nutzen. „Denn der Eindruck vom Innenraum der Kirche ist ein ganz anderer, wenn man sie von Süden betritt“, hat auch Katrin Jansen festgestellt.

Doch die alte Pforte wieder zugänglich zu machen, erwies sich als gar nicht so einfach: „Von außen war sie mit Silikon zugeklebt. Und von innen stand ein Riesen-Podest davor“, erzählt die Pastorin. Weil sie wissen wollte, ob die Pforte überhaupt noch zu öffnen ist, hat sie sich Hilfe geholt, um das Podest wegzuräumen. „Und dann habe ich das Silikon aus den Ritzen gepult“, erzählt sie. Weil der schwere Riegel, mit dem die beiden Türflügel von innen geschlossen werden, nicht zu bewegen war, schlug sie ihn mit einem Hammer zur Seite.

Mittlerweile sind die alten Türflügel restauriert und schleifen auch nicht mehr beim Aufschieben über die Bodenplatten. Und dafür, dass auch der alte Riegel nun leicht zu bedienen ist, hat Volker Pape aus Varel gesorgt: Der Kunstschlosser und Schmied hat ein Faible für alte Schlösser – und so nahm er sich des Clevernser Kirchenriegels gern an. „Das ist ein zweiseitiger Schubriegel, der von außen mit dem Schlüssel zu bewegen ist“, erklärt er: Er stamme aus der Zeit um 1700. Die Mechanik ist so aufgebaut, dass der massive Bart des Schlüssels in Klauen greift, die im oberen Quadrateisen des Riegels eingelassen sind. Wird der Schlüssel gedreht, schiebt er den Riegel zur Seite.

Wi sett dor een P vör!

Wi sett dor een P vör: Diese Redewendung ist allgemein bekannt. Ihre Bedeutung: Etwas zu unterbinden oder zu beenden.

In der Regel wird die Redewendung zurückgeführt auf die Zeit der Pestepidemien: Damals soll man ein großes P an die Haustür von Pestkranken geschrieben haben, um vor dem Betreten des Hauses zu warnen bzw. das Betreten zu verhindern.

Eine ganz andere Herleitung des Sprichworts kennt Volker Pape: Er beschäftigt sich seit 50 Jahren mit Schlössern, Riegeln und ihrer Geschichte. Und bis ins 17. Jahrhundert hatten Vorhängeschlösser für Truhen, Schränke oder auch Tore deutliche P-Form. „Een P vörsetten“ ist also ähnlich wie die Redensart „etwas den Riegel vorschieben“ aus dem Bereich der Türsicherung abzuleiten, glaubt er.

Das muss man ein bisschen üben – aber sobald man ein paarmal den Schlüssel im Schloss gedreht und dabei die Tür am Ringgriff zu sich hin gezogen hat, geht es kinderleicht.

Allerdings: Der alte Schlüssel ist nicht auffindbar. „Viele Clevernser können sich noch daran erinnern, ihn mal gesehen zu haben“, erzählt Pastorin Jansen. Volker Pape hat deshalb nicht nur das alte Schloss restauriert, außen eine neue Rosette angebracht und eine Führung eingebaut, damit der Schlüssel sich leichter bewegen lässt. Er hat auch einen neuen Schlüssel geschmiedet.

Und der ist beeindruckend: 28 Zentimeter vom Ring bis zur Spitze, 800 Gramm schwer. „Hängt man sich den um den Hals, nimmt man automatisch Büßerpose ein", scherzt Katrin Jansen bei der Übergabe. Sie und die Mitglieder des Gemeindekirchenrats sind begeistert, was ihnen Volker Pape alles über die alte Schließtechnik vermittelt hat.

Finanzieren kann die ev. Kirchengemeinde die Restaurierung des alten Schlosses dank einer Spende: Harald Dyck und Heiner Janßen stellten Geld zur Verfügung.


Video:   youtube.com/nwzplay 
Video

Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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