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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Dampf und Öfen brachten Firmen voran

24.12.2014

Bockhorn /Zetel Die Avus in Berlin, das Chile-Haus in Hamburg und viele Gebäude und Hafenanlagen in Wilhelmshaven: Sie eint der Baustoff, aus dem sie entstanden sind, und das ist Bockhorner Klinker. Die erste Ziegelei, deren Existenz in einem Schriftstück beurkundet worden war, ist die Ziegelei Reinders/Gollenstede (später Achelis) in Bockhorn an der Urwaldstraße/Steinhauser Straße gelegen. Sie beantragte 1743 eine Konzession. Später entstand in der Nähe, ebenfalls an der Urwaldstraße, die Ziegelei Hemken/Huchting (1762). Noch älter sind die herrschaftlichen Ziegeleien in Obenstrohe (1613) und Neuenburgerfeld (um 1600).

Ende des 18. Jahrhunderts entstanden weitere Ziegeleien in Neuenburg (Georg/Huchting später Röben) und Jeringhave (Kaper), und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kamen weitere Ziegeleien hinzu. So die Ziegelei in Büppel (Brumund). 1838 waren es sechs Betriebe, in den 1850er Jahren bereits mehr als 30 Ziegeleien.

Grundlage für die Ziegeleien waren auskömmliche Vorräte an Wiesen- und Forstlehm, der ausgebeutet und für die Klinkerherstellung benutzt werden konnte. Dabei war der Rohstoff hervorragend geeignet für die Produktion besonders harter Klinker. Als Brennmaterial in den einfachen Feldöfen und später Brandhäusern diente Torf. Zunächst wurden die Ziegel im sogenannten Handstrichverfahren hergestellt.

Die Maschinisierung der Ziegelherstellung geschah im Amt Varel ab 1867, als Gerhard Brumund den ersten Ringofen des Oldenburger Landes erbauen ließ. Durch den permanenten Betrieb des Ofens, das Feuer wanderte im Ofen von Brennkammer zu Brennkammer, konnte die Produktivität enorm gesteigert werden. Der erste Ziegelfabrikant in der Friesischen Wehde, der einen Brennofen dieser neuen Technologie erbauen ließ, war August Lauw, der im Laufe seines Lebens eine große Zahl von Ziegeleien erwarb oder gründete und als „Klinkerbaron“ gilt.

Zunächst mit Pferd und Wagen wurden die begehrten Steine nach Ellenserdammersiel oder zum Vareler Hafen gebracht, wo sie verschifft wurden. Der Einsatz von Dampfmaschinen und der Bau der Vareler Nebenbahn (Ellenserdammersiel-Bockhorn und Varel-Borgstede-Rahling-Bockhorn-Zetel-Neuenburg) ab 1892 brachte die großen Ziegeleien voran. Ende des 19. Jahrhunderts gab es neun Ringofenziegeleien und 23 kleinere Ziegeleien in Varel und der Wehde, die fast 40 Millionen Steine produzierten.

1913 gab es im Amt Varel 17 Maschinenziegeleien, die 51 Millionen Steine herstellten, dazu kamen noch zehn Handstrichziegeleien, die sieben Millionen Steine produzierten. Die letzten Handstrichziegeleien wurden erst nach                    1914 abgebrochen.

Ein wichtiger Schritt war die Gründung eines Vertriebskartells, die Vereinigten Oldenburger Klinkerwerke im Jahr 1908, der zunächst 14 Ziegeleien beitraten. Unter den Namen Bockhorner Klinker wurde das Produkt vermarktet, und das Zusammenarbeiten der Ziegeleien ermöglichte es, größere Aufträge entgegenzunehmen. Das Kartell bestand praktisch bis zur Schließung der Ziegeleien Borgstede und Bockhorn im Jahr 2008. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Friesland noch 22 Ziegeleien, davon vier, die Marschenton zu Klinkern brannten. 13 davon bestanden in Bockhorn und Grabstede. Die neue Technologie, der Tunnelofen, in dem die Steine auf Schienen durch den Brennofen gezogen werden, führten nicht mehr alle Ziegeleien ein. Anfang der 1960er bis Anfang 70er schlossen die allermeisten, so dass nur noch fünf Werke übrig blieben, davon vier, die Bockhorner Klinker produzierten. Mit dem Erwerb von zwei Ziegeleien durch den Wienerberger-Baustoff-Konzern Ende 2007 und Schließung der Werke Borgstede und Bockhorn zwei Jahre später endete die traditionsreiche Geschichte dreier bedeutender Werke. Selbstständig bis auf den heutigen Tag ist die Bockhorner Klinkerziegelei Uhlhorn in Grabstede sowie das Röben-Klinkerplattenwerk in Schweinebrück.

Ein Luftbild zeigt die Ziegelei am Woppenkamp (Thien, Harbers), die noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts produzierte. Ein Teil der Gebäude steht noch. Unten: Blick in den Tunnelofen der Klinkerziegelei Uhlhorn. BILD: Repro: Hans Begerow

Zeittafel der Ziegeleiherstellung im 18. und 19. Jahrhundert

1600 Herrschaftliche Ziegelei Neuenburgerfeld

1613 Herrschaftliche Ziegelei Obenstrohe (Deutsche Eiche)

1743 Gründung der ersten Ziegelei in Bockhorn: Reinders/Gollenstede (heute Urwaldstraße)

1762 Gründung der zweiten Ziegelei in Bockhorn, Hemken/Huchting, ebenfalls Urwaldstraße, etwas weiter nördlich als Gollen­stede

1798 Gründung der ersten Ziegelei auf Vareler Gebiet: Heinrich Renken/Wilhelm Kaper (Tange)

1799 Ziegelei Huchting (später Lauw/Röben in Schweinebrück)

1812 Gründung der Ziegelei Neumeyer/Brumund, Büppel

1821 Ziegelei Suhren in Tange

1829 Erste bekannte Ziegelei in Obenstrohe: Heinen/Ahlers

1833 existieren acht Ziegelein in Bockhorn, Varel und Zetel (Geschichtswerkstatt Zetel)

1839 Ziegelei Kronsweyde gegründet bei Borgstede, später Schwarting II

1840 Ziegelei Lemme in Bramloge, die noch bis mindestens 1895 Klinker herstellt

1840 Meetjen/Wilken in Rahling, 1840 Georg Unverzagt, Altjührden, 1841 Pieper, Janshen Obenstrohe, 1842 Streckmann später Wilhelm August Kuhlmann, Obenstrohe

1844 Renken, Grabstede

1845 gibt es im Amtsbezirk Varel 24 Ziegeleien

1847 Handziegelei Gramberg/Kumm/Koopmann, Büppel

1848 Wilhelm/Heinrich Kuhlmann, Kleihörn

1853 Gründung der Ziegelei Gramberg in Varel, Tweehörnweg (heute Meyerholzstift)

1853 Gründung der Ziegelei auf dem Woppenkamp (Meiners, später Thien/Harbers)

1853 Carsten Lübkemann, Obenstrohe

1853 Ziegelei in Kreyenbrok (de Cousser, später Oeltjen)

1853 Hurling, Grabstede

1853 Ziegelei Hobbie, Negelein, Brunken, später Röben in Schweinebrück

1854 Berend Kroog, Grabstede, später Uhlhorn; 1854 Adolph de Cousser gründet in Bockhorn Ziegelei (später Preußische Ziegelei); 1854 Hobbie Tebben Schweinebrück; 1854 Brunken/Warnken, Jeringhave

1855 August Lauw erwirbt erste Ziegelei in Bockhorn

1856 Eyting, Vareler Hafen, Dierks in Tange, Oeltjen/Klinkenberg, Jeringhave

1857 Adolph/Louis de Cousser, Jeringhave, 1857 Hörmann Seghorn

1858 gibt es in Bockhorn und Zetel 35 Ziegeleien

Um 1867 Ziegelei Ehlers und Co, später Didden-Ilksen, Moorhausener Weg

1868 baut Gerhard Brumund in Büppel den ersten Ringofen, 1868 Brunken, später A. de Cousser, Altjührden

1869 Ziegelei Suhren/Noordendorp, Steinhausen

1869 Theilen, Peters, später Röben, Ziese, Neuenburgerfeld

1869 Bruns/Eilers, Astede

1869 August Lauw lässt ersten Ringofen der Friesischen Wehde in Bockhorn errichten

1871 Michaelsen/später Minshen, Bockhorn

1871 Neumeyer, Haase, Obenstrohe

1876 Oltmanns, Buttersheide

1876 Gründung des Vereins oldenburgischer Ziegelfabrikanten

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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