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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Als vor 300 Jahren das Land unterging

17.11.2017

Dangast „Mit unerhörter Wuth stürmten die Wogen die Deiche an; (...) zerrissen, durchbrachen sie an mehrern Stellen, und ergossen sich mit tosender Gewalt und reißender Schnelle über die weiten Ebenen“, so schildert der Chronist Friedrich Arends das, was später als die verheerende Weihnachtsflut von 1717 in die Geschichte eingehen sollte. In diesem Jahr ist die Naturkatastrophe 300 Jahre her. Mit einer Ausstellung und anderen Aktionen will die Akademie Dangast mit Hilfe zahlreicher Unterstützer, Förderer und den Kirchengemeinden an die Opfer der Flut gedenken.

Start der Wanderausstellung mit 25 großen Tafeln ist in Dangast. Sie wird dort am 5. Dezember um 17.17 Uhr im Weltnaturerbeportal eröffnet und zieht danach durch Friesland und kommt auch nach Butjadingen. In Ostfriesland läuft die Ausstellung außerdem zeitgleich an mehreren Orten. Bis einschließlich Januar gibt es zudem in vielen damals betroffenen Gebieten verschiedene Kunstaktionen, Gedenkgottesdienste und Vorträge.

Die Kuratoren der Ausstellung sind Klaas-Heinrich Peters, ehemaliger technischer Verwaltungsbeamter in der Wasserwirtschaft, Michael Recke, der bereits mehrfach zur Geschichte Emdens und Ostfrieslands veröffentlicht hat, und Michael Remmers, selbstständiger Verleger und Mitbegründer der Akademie Dangast.

Was macht die Katastrophe von damals so besonders? Anders als bei den meisten anderen Fluten, war bei der Weihnachtsflut von 1717 nicht nur ein einzelner Küstenabschnitt von der Katastrophe betroffen, sondern so ziemlich die gesamte Nordseeküste von Holland bis Jütland. Einen Eindruck vom Ausmaß der Katastrophe verschafft eine historische Karte. Die grünen Flächen zeigen die betroffenen Gebiete.

Dazu kommt, dass die Flut in einer Zeit kam, in der die Menschen ohnehin schon zu kämpfen hatten. Hatten die Küstenbewohner gerade erst eine Phase des Wohlstands hinter sich, trat 1715 eine Rinderseuche auf, die rund 60 000 Tiere tötete, außerdem wurden die Felder von schwarz-grauen Larven kahlgefressen, so dass die übrigen Rinder verhungerten. Die Sturmflut – ausgerechnet an einem der höchsten christlichen Feiertage – muss den Menschen damals vorgekommen sein, wie der Höhepunkt einer Reihe göttlicher Strafen.

Zudem hatte mit einer solchen Sturmflut niemand mehr gerechnet. Zwar wurde an Heiligabend vor 300 Jahren der Wind immer heftiger und das Wasser drängte sich an die Küste Frieslands, aber gegen Mitternacht flaute der Sturm dann ab und es war kurz vor der Nipptide. Nach aller Erfahrung der Küstenbewohner war eine außergewöhnliche Sturmflut damit sehr unwahrscheinlich und alle gingen beruhigt und in freudiger Erwartung aufs Weihnachtsfest ins Bett – bis eben dann in der Nacht der Sturm wieder zunahm, die Deiche brachen und die eiskalten Wassermassen die Menschen im Schlaf überraschten.

Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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