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NWZonline.de Region Friesland Kultur

INTERVIEW KUNSTHISTORIKER JÖRG-MICHAEL HENNEBERG ÜBER DIE BEDEUTUNG DER BRÜCKE-MALER: Dangaster Motive sind am wertvollsten

24.08.2007

Die Brücke-Maler haben eine große Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts gehabt. Dangast sollte ihren Namen besser nutzen, rät Jörg-Michael Henneberg.

Von Hans Begerow

Frage: Herr Henneberg, welche Bedeutung haben die Brücke-Maler für Dangast?

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Henneberg: Dangast ist für den deutschen Expressionismus das, was Florenz für die Frührenaissance ist. Tatsache ist, dass sich 1907 Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Max Pechstein in Dangast jeweils mehrere Monate aufgehalten haben. Schmidt-Rottluff hat in Dangast zu seinem monumentalen, flächigem Stil gefunden. Wenn man heute in internationale Museen in Madrid oder New York kommt, dann sehen sie dort Dangaster Motive, das muss man sich einmal klar machen.

Frage: Diese Bedeutung scheint in der Gegenwart ein wenig aus dem Fokus geraten zu sein ...

Henneberg: Wer sich sehr große Verdienste darum erworben hat, Dangast als Künstlerort bekannt zu machen, ist Prof. Dr. Gerhard Wietek, früher Kustos im Oldenburger Landesmuseum. Er hat 1957 die Ausstellung „Brücke-Maler in Dangast“ organisiert. Insofern haben wir es jetzt mit einem Doppeljubiläum zu tun: 50 Jahre Ausstellung und 100 Jahre Brücke-Maler in Dangast. Diese Ausstellung war epochal und hat Dangast in die Kunstgeschichte eingeführt – und zu einem Ort der Kunstgeschichte gemacht.

Frage: Wie könnte man sich das nutzbar machen?

Henneberg: Wir haben ja mit dem Stadtmarketing das Projekt in Dangast zu den Brücke-Malern konzipiert. Der Anstoß kam, diese Großbildflächen aufzustellen und zu zeigen: Hier hat das stattgefunden. Hier ist die Moderne. Etwa zur gleichen Zeit, als die Brücke-Maler in Dangast aktiv waren, hat Picasso in Paris den Kubismus erfunden. Stellen sie sich das einmal vor: In dem kleinen Dangast fand ein epochaler Umbruch in der Kunstgeschichte statt. Wir stellen uns vor, dass es eine Art Reiseführer geben müsste mit den Orten der Brücke-Maler. Dass man zu Fuß oder mit dem Fahrrad

Frage: ... das erradeln kann ...

Henneberg: Genau. Dieser Aufenthalt vor dem 1. Weltkrieg ist für die europäische Kunstgeschichte von Belang. Auch für die oldenburgische Kunstgeschichte nach 1912 ist diese Entwicklung von Belang, denken sie an Emma Ritter, Georg von der Vring und Jan Oeltjen. Die Moderne ist auch auf das Kunsterlebnis der Brücke-Maler zurückzuführen.

Frage: Während ihres Aufenthaltes in Dangast sind die Brücke-Maler wohl nicht so wahrgenommen worden. Aber auch 50 Jahre danach geriet diese wichtige Ausstellung wieder in Vergessenheit. Wie kann man das Wirken der Brücke-Maler nachhaltiger im öffentlichen Bewusstein verankern?

Henneberg: Der Kunstführer ist ein absolutes Muss, das muss auch kein opulentes Werk sein, sondern ein nützlicher Führer. Die Aufgeschlossenheit gegenüber den Brücke-Malern ist groß. Damals, als die dort als abgebrochene Architekturstudenten auftauchten, sind sie erstaunlich tolerant von der Bevölkerung aufgenommen worden. Auch 1908 als Gastaussteller im Oldenburger Augusteum sind ihre Werke von der Kritik erstaunlich ausgewogen aufgenommen worden. Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff wurden übrigens auch Mitglied im Oldenburger Künstlerbund.

Frage: Was halten Sie von der Idee, Dangast künftig als Künstlerort und nicht als Nordseebad zu bezeichnen?

Henneberg: Vielleicht sollte man beides in Kombination tun. In Worpswede hebt man den Künstlerort hervor. Ein ähnliches, wenn nicht sogar stärkeres Potenzial schlummert dann noch in Dangast. Es ist schwer verständlich, dass man das so lange vernachlässigt hat. Der Expressionismus ist der wichtigste Beitrag der deutschen Kunst zur Weltkunst. Der erste deutsche Beitrag war die altdeutsche Malerei – Holbein, Dürer – und der nächste wichtige Beitrag war der Expressionismus. Und die allerbesten Arbeiten wiederum sind in Dangast entstanden zwischen 1907 und 1912. Das zweite Ereignis, dass man revitalisieren könnte für Dangast, wäre die Freie Akademie Oldenburg. Man wäre auch gut beraten, wenn man einmal im Jahr eine Veranstaltung zum Expressionismus machen würde.

Frage: Die Bilder der Brücke-Maler sind wahrscheinlich kaum erschwinglich?

Henneberg: Der Zug ist abgefahren. Heute liegt ein Dangaster Motiv von Schmidt-Rottluff bei 1,5 bis zwei Millionen Euro. Die Dangaster Bilder sind die teuersten. Die Landessparkasse zu Oldenburg hatte vor vielen Jahren das Schmidt-Rottluff-Bild „Dangaster Allee“ erworben, heute eine Leihgabe im Prinzenpalais. Das kostete die damals enorm hohe Summe von 1,5 Millionen DM. Heute muss man sonst weit fahren, um die herrlichen Dangaster Bilder in internationalen Museen zu finden.

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