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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Dichter mit Ecken und Kanten

28.02.2012

JEVER „Wie bin ich zu dem geworden, der ich heute bin?“ Dies ist nur eine Frage, die er sich immer wieder gestellt hat. Man kann diese Frage unbeantwortet lassen. Oswald Andrae (26. Juni 1926 bis 19. Februar 1997) hat das nie getan und hat Zeit seines Lebens die „Dinge beim Namen genannt“. Daran erinnerte Pastor Volker Landig auf der Gedenkveranstaltung im Audienzsaal des Schlosses zum 15. Todestag des friesischen Dichters.

Außergewöhnlich groß ist die Spannbreite seines Schaffens. Lyrik, Prosa, Lieder, Erzählungen, Romane, Theaterstücke und Hörspiele hat er verfasst. Und eine große Auswahl seiner Lieder brachte sein Sohn Iko Andrae vor etwa hundert Freunden des Dichters zu Gehör. Darunter auch eines, das er selbst wenige Tage nach dem Tod seines Vaters geschrieben und bis heute noch nie öffentlich gesungen hatte: „Ganz up eegen Fööt“. Darüber hinaus las Hannelore Andrae drei Auszüge aus Oswald Andraes Roman „Strand der verlassenen Häuser“.

Ein friesischer Heimatdichter, der mit seinen Liedern und Gedichten „up Platt“ die niederdeutsche Sprache aus ihrer zum Teil selbstverschuldeten provinziellen Enge befreit hat, ist Andrae sicher auch. Aber darüber hinaus ist er noch viel mehr. Schon als Kind fiel ihm das Schild im Geschäft seines Vaters auf: „Für Juden unerwünscht.“ Später hat er dazu gesagt: „Mein Vater ist ein solcher Feigling gewesen.“

Da verwundert es nicht, dass er sich auch politisch äußerte. Eine weitreichende, heftige öffentliche Auseinandersetzung löste sein Gedicht „De Fahn“ (Die Fahne) 1973 aus. Auch mit dem Bericht über eine Israelreise eckte er in Jever an, steckte hier doch die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und dem Schicksal der Jeverschen Juden noch in den allerersten Anfängen.

Aktiv engagierte Andrae sich bei den Begegnungen mit den ehemaligen jüdischen Bürgern Jevers – sicher auch eine Reaktion auf das Verhalten seines Vaters. Als der letzte Jude Jevers, Fritz Levy, zu Grabe getragen wurde, stand der Name eines Grabträgers schnell fest: Oswald Andrae.

Rechtzeitig zum Gedenktag ist auch ein Buch zum Leben des Dichters erschienen. Dr. Hanno Willenborg hat mit Hilfe der Familie auf 54 Seiten die wichtigsten Stationen im Leben Oswald Andraes zusammengefasst. Das Buch ist im Museumsladen und im Buchhandel erhältlich.

Im Schlossmuseum ist zudem eine Ausstellung über Leben und Schaffen Oswald Andraes zu sehen.

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