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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Überirdisch schöne Stimme aus Varel

09.02.2017

Varel Sie hat auf den großen Bühnen der Welt mit Dirigenten wie Herbert von Karajan gearbeitet und mit Sängern wie Placido Domingo gesungen: die Sopranistin Hildegard Behrens. An diesem Donnerstag, 9. Februar, wäre sie 80 Jahre alt geworden. Anlässlich des runden Geburtstages wird der Heimatverein Varel an ihrem Geburtshaus an der Moltkestraße in Varel eine Tafel anbringen, die an den „Weltstar aus Varel“ erinnert.

In der Moltkestraße wurde sie am 9. Februar 1937 als jüngstes von sechs Kindern des Arztehepaares Dr. Karola und Dr. Dietrich Behrens geboren. Dass die Kindheit in diesem musikalischen Elternhaus und die Schulzeit auf dem Gymnasium in Varel den Grundstein für die Weltkarriere legten, weiß der Vareler Hans Sauer. Der ehemalige Lehrer am Lothar-Meyer-Gymnasium hat sich intensiv mit der Biografie von Hildegard Behrens befasst und Gespräche mit Zeitzeugen geführt.

In ihrem Elternhaus hat Hausmusik eine große Rolle gespielt und auch ihr Musiklehrer Georg Molle am LMG, der den Schülern Opern nahebrachte, dürfte ihr Interesse am Gesang geweckt haben. Hildegard Behrens war nicht nur bekannt dafür, die dramatischen Opernrollen „überirdisch schön“ zu singen, sondern auch für ihr schauspielerisches Talent. Sie spielte 1955 im überfüllten Saal des Allee-Hotels die Ghismonde im Stück „Des Königs Schatten“.

Nach dem Abitur 1957 entschied sie sich jedoch zunächst für ein Jurastudium in Freiburg, wo bereits zwei ihrer Brüder studierten. Ihr Bruder Otto war es, der seine kleine Schwester mitnahm zur Probe des Freiburger Bachchores. „Beide hatten zu diesem Zeitpunkt sicher keine Vorstellung davon, welche ungeheure Dynamik sich in diesem so alltäglich erscheinenden Entschluss verbarg“, schreibt Hans Sauer in der Biografie über Hildegard Behrens.

Schon bald stand Hildegard Behrens, wie sie später offenherzig erzählte, „mit angeborenem Geltungsdrang“ in der ersten Reihe und sang Solopartien. Obwohl sie sich bald mehr für Partituren als für Paragrafen interessierte, setzte sie ihr Jurastudium fort und beendete es mit dem ersten Staatsexamen. Direkt im Anschluss, mit 26 Jahren, begann sie in Freiburg ein Gesangsstudium, das sie mit 34 Jahren abschloss.

„Ohne Zwang und Kontrolle üben konnte sie in den Semesterferien in dem vertrauten Haus mit dem großen Garten in Varel“, weiß Hans Sauer. Im Jahr 1971 – Hildegard Behrens hatte einen Sohn und eine eigene Familie – begann ihre Karriere an der Oper in Düsseldorf. Drei Jahre später hörte Herbert von Karajan die „Stimme mit der unglaublich erotischen Ausstrahlung“ und engagierte sie für die Salome. Die Salzburger Inszenierung machte Hildegard Behrens weltberühmt.

30 Jahre währte ihre Weltkarriere, in der sie in fast allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gastierte und mit allen zusammenarbeitete, die Rang und Namen hatten. Auch wenn Hildegard Behrens vor allem als bedeutende Interpretin der Frauenpartien in Werken von Richard Wagner und Richard Strauss in die Operngeschichte eingegangen ist: Ein Blick auf die Gesangsrollen, die sie im Laufe ihrer Karriere interpretierte, zeigt ein außerordentlich breit gefächertes Repertoire. Als eine Art Krönung ihrer Laufbahn sah sie selbst ihre Partie in der Oper „Cronaca del Luogo“, die der Komponist Luciani Berio eigens für sie geschrieben hatte und die 1999 bei den Salzburger Festspielen unter Ovationen ihre Uraufführung erlebte.

Mit 72 Jahren starb Hildegard Behrens völlig unerwartet am 18. August 2009 in der Nähe von Tokio, wo sie einen Workshop beim internationalen Musikfestival von Kusatsu leiten wollte. Zurück blieben ihr Sohn Philip und die Tochter Sara-Lee Helene.

Traute Börjes-Meinardus
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2502

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