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NWZonline.de

Ein Maler, Musiker und Müller

12.03.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-03-14T10:05:59Z 280 158

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Ein Maler, Musiker und Müller

Ruttel Als Kind durfte Willi Egenhoff kein Instrument lernen – sein Opa war dagegen, das sei nichts für einen Jungen. Kunstunterricht kam auch nicht in Frage, Wilhelm sollte einen vernünftigen Beruf lernen. Also malte Willi Egenhoff als Kind mit Stöckern im Sand auf den Wegen rund um die Rutteler Mühle, Tausende vergängliche Kunstwerke kratzte er in den Boden. Heute blickt Willi Egenhoff auf unzählige Werke zurück, die er gemalt hat, und auf eine beachtliche musikalische Laufbahn. Und das, obwohl er einen vernünftigen Beruf gelernt hat: Er ist Müllermeister. Dieser Mann ist voll ganz besonderer Talente.

Harte Arbeit

Willi Egenhoff ist 86 Jahre alt und betreibt mit seinem Sohn Peter die Rutteler Mühle. „Wir haben die einzige Mühle im Oldenburger Land und in Ostfriesland, die noch gewerblich betrieben wird. Die anderen sind alle Museen“, sagt er. Es ist harte Arbeit gewohnt – Säcke schleppen, alles reparieren, was kaputt geht, meterlange Baumstämme in seinem Sägewerk sägen. Und gleichzeitig hat Willi Egenhoff so viel Gefühl in den Fingerspitzen und Ideen im Kopf, dass er unzählige Bilder gemalt hat, die nicht nur in der Rutteler Mühle, sondern auch in Museen zu finden sind.

Angefangen hatte alles in der ersten Zwillingsmühle von Greetsiel, wo er geboren wurde. Sein Vater Peter hatte die Mühle gepachtet, wenig später kaufte die Familie die Rutteler Mühle. Dort ist Willi Egenhoff aufgewachsen, malte als Kind Bilder mit Stöckern in den Sand, und dort lebt er noch immer.

Als Willi Egenhoff 16 Jahre alt war, musste er zum Volkssturm, dem letzten Aufbäumen des Nazi-Regimes vor dem Ende des Krieges. „In Upjever mussten wir zwanzig Kilo schwere Tellerminen auf den Weg schmeißen, wenn feindliche Panzer kamen“, sagt er. Ein Vierteljahr dauerte sein Einsatz. Er hat Kameraden sterben sehen, da war er fast noch ein Kind. Sein Vater hatte sich schließlich mit anderen Vätern zusammengetan und die Jungs da rausgeholt. Kurz darauf begann Willi Egenhoffs Müller-Lehre im elterlichen Betrieb.

Doch sein Drang, zu malen und zu musizieren, ließ ihn trotz der schweren Arbeit niemals los. 1947 begann er, für Gastwirtschaften Speisekarten und Plakate zu malen. Von dem Geld kaufte er seine erste Trompete. „Da gab es keine Noten und nichts, das habe ich mir alles selbst beigebracht.“ Seine kleinen Augen funkeln hinter der Brille, als er das erzählt. Mit seinem Nachbarn Werner Egidius begann er bald, auf Hochzeiten und Vereinsbällen zu spielen. Später war er Mitglied der Musikvereinigung Varel, des Spielmannszugs Neuenburg, der Jade-Musikanten und bis vor kurzem noch des Posaunenchors Zetel-Neuenburg.

In den 50er Jahren begann er mit der Bühnenmalerei beim Niederdeutschen Theater Neuenburg, und in den 70er Jahren bekam er in ganz Norddeutschland jede Menge Aufträge, Gaststätten und Säle mit Wandgemälden zu gestalten. „Da sind wir dann immer nachts hingefahren, tagsüber mussten wir ja die Mühle betreiben“, sagt seine Frau Angela. Am Freitag feierten sie ihren 58. Hochzeitstag.

Wandmalereien

Willi Egenhoffs Wandmalereien sind heute noch in vielen Gaststätten zu sehen, unter anderem im großen Saal des Neuenburger Hofs.

Er hat unzählige Orte und Menschen gemalt, hat unzählige Miniaturmühlen gebaut und Instrumente gespielt – zu viel für einen einzigen Zeitungsartikel.

Ob es ihn stört, dass er in den schweren Nachkriegsjahren nicht Künstler von Beruf werden konnte? „Nein, Müller ist doch mein Beruf“, sagt er, während er in seinem Atelier sitzt, umgeben von Instrumenten, Farben, Pinseln und Gemälden. Von den Neuenburgern wird Willi Egenhoff „Leonardo da Ruttel“ genannt.