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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Emotionale Spurensuche nach Vorfahren

05.11.2016

Varel Es war ein bewegender Moment als Gregory Schwabe (49) und seine Schwestern Risa Hernandez (46) und Felicia Hyman (51) sich dem Ort in Varel näherten, wo ihre Vorfahren geboren wurden, wohnten und arbeiteten. „Es ist gut, hier zu sein und zu lernen, was passiert ist“, sagt Gregory Schwabe. Sie sind aus den USA angereist. Dem Land, in das ihre Vorfahren Mitte der 30er Jahre vor den Nationalsozialisten geflohen waren.

Die drei besonderen Besucher sind die Enkel des jüdischen Ehepaars Curt und Frieda Schwabe-Barlewin. „Boykotte, Ausgrenzung und antisemitische Demütigungen durch Vareler Bürger zwangen sie zur Emigration aus Deutschland“, heißt es auf einer Erinnerungstafel, die am Freitag in Beisein der Angehörigen aus Übersee an der Ecke Haferkampstraße/Neumarktstraße enthüllt wurde. An dieser Stelle stand bis 1975 das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Schwabe (siehe Infobox).

Das Schwabe-Haus, Postkarte um 1900. BILD: Archiv

Besonderes Haus

Das Schwabe-Haus galt als einmalig im Oldenburger Land, da seine Architektur einen besonderen Stilmix aufwies. Ein Blickfang war der turmartige Rund-Erker.

Bis 1975 befand sich das Wohn-und Geschäftshaus an der Haferkampstraße/Ecke Neumarktstraße. „Es wurde aus verkehrsplanerischen Gründen abgerissen“, sagt Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner: „Das ist ein schmerzlicher Verlust.“ An der Stelle befindet sich seitdem ein Parkplatz.

Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts hatte die jüdische Familie Schwabe das Grundstück erworben. Sie ließ ein Gebäude errichten und Ende des 19. Jahrhunderts noch einmal umbauen. Die Familie Schwabe betrieb dort ihr 1784 gegründetes Textilunternehmen (Großhandel und Kaufhaus).

„Mein Vater ist in diesem Haus geboren“, sagt Gregory und blickt durch die Bäume auf den Parkplatz, der an der Stelle gebaut worden war. „Er ist hier aufgewachsen, dennoch wussten wir wenig über die Familiengeschichte“, sagt der US-Amerikaner. Sein Vater Paul, der mit seinen Eltern und Bruder Arthur über Hamburg in die Staaten kam, habe nur wenig erzählt. „Und das Bisschen waren sehr schmerzvolle Geschichten“, erinnert sich Gregory Schwabe.

Wenn er von seinem 1985 verstobenen Vater erzählt, kommen seinen Schwestern Felicia und Risa die Tränen. „Es war sehr schwer für ihn, darüber zu sprechen.“

Sein Onkel Arthur hatte mehr Erinnerungen an die Zeit. „Nach dem Tod des Vaters hat er uns mehr erzählt“, sagt Gregory Schwabe. Einiges habe er dadurch herausbekommen: „Die Familie hatte hier in Varel ein Geschäft, war wohl bekannt und respektiert. Die Nazis haben ihre Welt aber komplett auf den Kopf gestellt.“

Aus den USA brachte Gregory Schwabe zahlreiche alte Dokumente über seine Familie mit. „Die werden wir nun sichten“, sagt Holger Frerichs vom Arbeitskreis Juden in Varel. Dieser ist sehr um die Geschichte der Familie bemüht und errichtete mit Hilfe der Stadt Varel die Erinnerungstafel. Im nächsten Jahr soll zudem eine Biografie erscheinen. „Wir werden in Kontakt bleiben. Es existiert Schriftgut, das bis weit in das 19. Jahrhundert zurückgeht“, betont Frerichs, der auch den Text auf der Tafel verfasst hat.

„Sie soll eine Erinnerung an die Familie sein, aber auch eine Mahnung zum Frieden und zur Toleranz unter den Menschen“, sagt Pastor Tom Brok: „Sie ist auch eine Mahnung, dass künftigen Generationen die Geschichte kennen, und dass sich so ein Terror-Regime nicht wiederholt.“

Dazu bei trägt auch eine spezielle Stadtführung „Varel zur NS-Zeit – Rundgang zu Stätten von Opfern und Tätern“, die am Sonntag, 6. November, um 15 Uhr auf dem Schlossplatz startet. Gästeführer ist Karl-Heinz Martinß. Mit dabei sind dann auch wieder Gregory Schwabe und seine Schwestern Felicia Hyman und Risa Hernandez.

Olaf Ulbrich
Redaktionsleitung Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2501

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