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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Gefangen in der Rolf-Zuckowski-Falle

01.10.2010

SCHORTENS Die Idee sollte sich Guido Cantz patentieren lassen: Autos, die Windschutzscheiben mit sieben Dioptrien eingebaut haben. Oder die Seniortüte im Fast Food Restaurant mit passierten Pommes und gequirlten Burgern. Schließlich wird die Gesellschaft immer älter.

Drei Stunden lang stand der wasserstoffblonde Kölner Komiker und „Verstehen Sie Spaß?“-Moderator auf der Schortenser Bürgerhaus-Bühne und war mit seinen 39 Jahren einer der jüngsten im Saal. Viele im 300 Köpfe zählenden Publikum, das Cantz bespaßte, hätten seine Eltern sein können.

Zwei Jahre lang hat Guido Cantz in seinem aktuellen Soloprogramm „Ich will ein Kind von Dir“ aus dem Blickwinkel des Kinderlosen das überdrehte „Eiteitei“-Getue junger Eltern auf die Schippe genommen. Seit wenigen Monaten ist der Komiker nun selber Vater und sieht die Dinge mit ganz anderen Augen. Auch das eigene Älterwerden.

Das Babyphon, das er mitten auf der Bühne platziert, weil hinter der Bühne „der kleine Paul Heia macht“, hat er immer im Blick. Wenn’s plärrt aus dem Gerät, kann er als ungelernter Vater Maria fragen, was zu tun ist. Maria sitzt im Publikum und hat vier Kinder großgezogen. Maria weiß Bescheid.

Viel mehr Mädchen sollten Maria heißen, findet Guido Cantz. Sein Sohn wäre beinahe ein „Horst“ geworden, bis ihm glücklicherweise noch „Paul“ einfiel. Dann doziert er über den so genannten Kevinismus und von Müttern, die ihren Kindern schicke französische Vornamen geben und dann Sätze sagen wie „Schackeliene, tu dat Mäh mal ei“, wenn sie Töchterchen Jacqueline auffordern, im Möbelmarkt das Stoffschaf zu streicheln. Schuld daran haben Promis wie die Ochenknechts und die van Almsicks, deren Sprösslinge Vornamenkreationen wie Cheyenne-Savanna und Don Hugo haben. Dann doch lieber Horst, meint Guido.

Guido Cantz staunt, dass Kinderwagen und Windeln ein Vermögen kosten – was wohl erst alles auf ihn zukommt, wenn teure Hobbys, die Ausbildung und der Führerschein des kleinen Paul finanziert werden müssen.

Zwischendurch setzt sich Guido Cantz ans Klavier, spielt schöne Kinder-Schlaflieder, die Udo Lindenberg und Udo Jürgens nie veröffentlicht haben, besingt das „Luxusweib“, dem er den Laufpass gegeben hat, und hat für eine andere Ex die wunderbarste Coverversion des „Merci“-Werbeschlagers im Angebot, seit es Stäbchenschokolade gibt.

Von Trödelspermien über TV-Helden, Geburtsvorbereitungsrituale bis zu verkrusteten Kinderrotznasen und Kindergeburtstagsfeiern statt Kneipenbummel mit Kumpels reichen Guidos Beobachtungen und Befürchtungen rund ums Elternglück. Und wenn sogar im Familienvan kein Platz mehr ist für die CDs von Bruce Springsteen, sondern nur noch Kinderprogramm läuft, dann steckt man als junger Vater endgültig in der Rolf Zuckowski-Falle: „Wie schön, dass Du geboren bist. . .“

Ein herrlich komischer Abend mit einer Stau-Konferenzschaltung im Stil der Fußball-Radioreportagen als Höhepunkt und einem Schlusskreis-Lied als Rausschmeißer. Dann muss Papa Guido schnell von der Bühne: Klein-Paul hat Kacka gemacht.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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