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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Glocke der „Johanne“ läutet 132-mal

04.06.2013

Carolinensiel Für jedes 2012 auf den Weltmeeren gesunkene Schiff läutete am Sonnabend bei der 17. Carolinensieler Schiffsandacht eine besondere Glocke. Dieter Mader, Vorsitzender des Museumsvereins Spiekeroog, schlug 132-mal die Schiffsglocke der „Johanne“ an, während Vorstandskollege Hilmar Schreiber die Namen und Herkunftsländer der Havaristen verlas.

Die Dreimastbark „Johanne“ war am 6. November 1854 vor der Nordseeinsel mit 216 Auswanderern an Bord gesunken. Rund 80 Menschen, die sich in Amerika eine neue Zukunft erhofften, starben damals. Die nicht identifizierbaren Toten der Johanne wurden auf dem Spiekerooger „Friedhof der Heimatlosen“ beerdigt. Die Schiffsglocke wurde geborgen, ist normalerweise im Heimatmuseum der Insel zu sehen und wird traditionell mit dem Schiff „Gebrüder“ zur Schiffsandacht nach Carolinensiel gebracht.

132 Untergänge im Vorjahr sei eine der geringsten Zahlen der vergangenen Jahre, sagte Manfred Sell, Leiter des Deutschen Sielhafenmuseums, bei der Andacht in der Deichkirche. Das Museum ist Ausrichter der Andacht. Die musste kurzfristig vom Hafen ins Gotteshaus verlegt werden. Bei zehn Grad Außentemperatur und steifem Wind sei es den Besuchern nicht zumutbar gewesen, im Freien der Andacht zu folgen.

Sell hob hervor, dass bei den Schiffsunglücken im Vorjahr 610 Menschen ums Leben gekommen seien. Das seien nicht alle Opfer. Die Statistik enthalte nicht die Bootsflüchtlinge, die bei ihrer Flucht von Afrika nach Europa im Mittelmeer ertrunken seien. Nicht erfasst seien zudem die Opfer der Piraterie. „Es geht hier nicht nur um die uns bekannt gewordenen Opfer“, sagte Sell.

Und er hatte noch eine Zahl. Insgesamt habe die Glocke der „Johanne“ bei 17 Andachten den Verlust von 2567 Schiffen angezeigt. „Bei diesen Unglücken verloren nach den offiziellen Statistiken 15 530 Menschen ihr Leben“, so der Museumsleiter.

Bei der Andacht, die von den Posaunenchören Berdum und Carolinensiel sowie vom Shantychor Nordseebad Carolinensiel musikalisch begleitet wurde, berichteten Pastor Peter Sicking von der Seemannsmission in Wilhelmshaven und Kapitän Godehard Ohmes als „Schiffsbesucher“ über ihre Arbeit. Sie wiesen auf die schwere Arbeit der Seeleute hin, die teilweise bis zu neun Monaten an Bord seien. Der Wohlstand der Menschen hänge von ihnen ab, so Sicking. „Überlegen Sie mal, wo ihre Kamera oder ihre Kleidung oder die Rohstoffe dafür herkommen und wer sie transportiert“, sagte der Seemannspastor.

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