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NWZonline.de Region Friesland Wirtschaft

Hauptgewinn tickt immer noch

25.07.2016

Obenstrohe In den 50er Jahren war es der Hauptgewinn in der Losbude auf dem Vareler Kramermarkt: das weiße Porzellanpferd. Hermann Sandstedes Vater hat es gewonnen und der Sohn hält es noch heute in Ehren, es steht auf dem Schrank im Wohnzimmer. Das mechanische Uhrwerk hat der Obenstroher gegen ein batteriebetriebenes ausgetauscht und so tickt die Uhr heute immer noch.

Sie erinnert den 68-Jährigen an eine Zeit, als der Vareler Kramermarkt für viele ein Höhepunkt des Jahres war. Hermann Sandstede kam mit seinen Eltern mit dem Zug aus Jaderberg nach Varel: „Allein die kurze Fahrt war für mich und meine Schwester ein Erlebnis“, erinnert er sich. Der Weg vom Bahnhof zum Markt ging ihm nie schnell genug: „Der kurze Weg wurde von meiner Mutter genutzt, noch ,eben’ bei Konen in die Schaufenster zu schauen, was nach meiner damaligen Zeitvorstellung viel zu lange dauerte“.

Erste Anlaufstelle waren meistens die Losbuden mit Ansagern, die mit lauten Reden und witzigen Bemerkungen auf sich aufmerksam machten. „Sie galten als Unterhaltungskünstler“, erinnert sich der 68-Jährige, „war das Los ein Hauptgewinn, wurde der Besitzer auf die Bühne geholt und er durfte sich aus den Puppen, Teddybären und Haushaltsgegenständen seinen Gewinn aussuchen.“

Anlaufpunkt für Kinder war das Kinderkarussell, Ziel der „Halbstarken“ die Raupenbahn. „Bei schneller Fahrt und geschlossenem Verdeck und zur Musik von Elvis Presley, Buddy Holly und später den Beatles kamen sich junge Menschen hier näher“, erzählt Hermann Sandstede. Begehrt war auch die Avusbahn, heute Autoscooter.

Der Kramermarkt war ein beliebter Treffpunkt: „Jede Familie hatte ihre Wurstbude, wo sie Brat- oder Bockwurst kaufte. Auch die Schmalzkuchenwagen hatten ihre treuen Kunden. „Wir kauften unsere Berliner bei Louis Rath, das Kaufen bei einem anderen Anbieter wäre meinen Eltern nicht eingefallen.“

Mit den Berlinern ging es zur Gaststätte „Zum Amtsgericht“. In der Gaststube mit seinen roten Sitzmöbeln traf man sich zum Kaffee oder alkoholischen Getränken. Vor der Rückfahrt wurde für die Daheimgebliebenen eingekauft. „Für Oma kauften wir Bremer Kluten oder den rotweißen Pfefferminzbruch, schließlich hatte sie Marktgeld gestiftet und musste für das nächste Vorhaben bei Laune gehalten werden“, schmunzelt Hermann Sandstede. Auch rohe Bratwurst oder Bockwurst wurde mitgenommen, denn diese Art Wurst gab es bei den bäuerlichen Selbstversorgern selten.

Erinnern kann sich der Obenstroher auch an Besucher, die ihr Vesperbrot mitbrachten und es zu einer Tasse Kaffee verzehrten.

Noch Tage später wurde immer wieder über das Erlebte gesprochen, erinnert sich Hermann Sandstede: „Der Kramermarkt war in den 50er und Anfang der 60er Jahre spannender als das Fernsehen und die Musik rockiger als in den deutschen Radioprogrammen.“

 Über Fotos und Geschichten vom Kramermarkt freut sich die NWZ -Redaktion. Wir nehmen sie per E-Mail an red.varel@nwzmedien.de entgegen. Sie können auch in der Redaktion des Gemeinnützigen an der Schlossstraße 7 abgegeben werden (Telefon 04451/ 99882500).

Traute Börjes-Meinardus
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2502

Weitere Nachrichten:

The Beatles | Amtsgericht | Kramermarkt

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