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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Helfende Hände für Asylsuchende

12.02.2015

Jever Als Heinz Oltmanns das letzte Mal vom jeverschen Sozialamt um Hilfe gebeten wurde, stand er am Bahnsteig Jever zehn Personen gegenüber: Flüchtlinge aus dem Kosovo, drei Erwachsene und sieben Kinder mit Koffern, Taschen, Rucksäcken – und sonst nichts.

Meistens, so erzählt er, sind die Menschen von der langen Reise und dem Aufenthalt in einem der Flüchtlingslager in Deutschland geschwächt, die Kinder sind hungrig – manchmal krank: Lungenentzündung, Zahnschmerzen.

Heinz Oltmanns versucht dann zu erklären, wer er ist: Einer von acht ehrenamtlichen Integrationslotsen aus Jever. Sie sollen den Flüchtlingen beim Eingewöhnen und bei Behördengängen helfen.

„Mit Serbisch klappt es ganz gut mit einem Online-Übersetzer auf dem Smartphone“, sagt Oltmanns. Er gibt den deutschen Satz ein, klickt auf „Übersetzen“ und zeigt den serbischen Satz, den das Programm ausspuckt, den Flüchtlingen.

Viele kommen von der Balkanhalbinsel, viele sind Roma, die dort nicht geduldet werden. „Sie haben dort keine Heimat, sie sind sehr arm. Es gibt dort für sie kaum Arbeit“, sagt Integrationslotsin Elke Burmann. Zurzeit betreut sie eine Roma-Familie aus Belgrad in Serbien.

Am Anfang, sagt sie, war sie mit dem anspruchsvollen Ehrenamt manchmal überfordert. „Es sind viele Kleinigkeiten: wo muss ich mich bei der Ausländerbehörde melden, wie beantrage ich für die Flüchtlinge Pässe“, sagt sie.

Noch lange vor den Behördengängen, steht aber der Weg in eine der Flüchtlingswohnungen in Jever. „Den gehe ich mit den Flüchtlingen zu Fuß, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, wo sie überhaupt gelandet sind. Später müssen sie sich auch ohne mich in Jever zurechtfinden“, sagt Oltmanns.

Sprache als Hürde

Dann werden Lebensmittel eingekauft, am nächsten Tag geht es in die Kleiderkammer des Diakonischen Werks. Dort gibt es für die Erwachsenen Schuhe, für die Kinder zumindest Mützen und Handschuhe. Die kleinen Kinder werden im Kindergarten, die großen Kinder in der Schule angemeldet. Und die Erwachsenen sitzen erstmal in der Wohnung. Denn arbeiten dürfen sie zunächst nicht.

Die Integrationslotsen bemühen sich derweil, herauszufinden, mit wem sie es eigentlich zu tun haben. „Wir versuchen die Personalien, das Herkunftsland, etwas über den Beruf und die Familienzusammensetzung in Erfahrung zu bringen“, sagt Oltmanns. Eine Hürde ist auch hier vor allem die Sprache: „Es wäre viel einfacher, wenn wir uns besser verständigen könnten“, meint er.

Aber das Angebot an Sprachförderung für Erwachsene ausländischer Herkunft sei leider noch sehr dünn. „Der nächste Kurs an der Volkshochschule beginnt erst im Oktober und ist in Wittmund“, sagt Oltmanns.

Auch Integrationslotse Michael von Heynitz hat festgestellt, dass in Jever Strukturen für den Umgang mit Flüchtlingen noch im Aufbau sind. „Es gibt kein Infomaterial, keine auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge angepassten Stadtpläne, keine Fragebogen in serbischer, bosnischer oder albanischer Sprache“, bedauert er.

Dennoch ist er gerne Integrationslotse: Er will den Flüchtlingen helfen, sich zurechtzufinden. Egal wie lange sie bleiben. Denn: „Gut zwei Drittel aller Asylanträge in Deutschland wurden 2014 abgelehnt“, sagt Oltmanns. „Die Familien sind bei einem negativen Bescheid immer richtig fertig und mich nimmt das auch mit – sie sind mir ans Herz gewachsen“, sagt Burmann.

Schon lange bevor von Heynitz die Ausbildung zum Integrationslotsen gemeinsam mit seiner Frau abgeschlossen hat, haben sich die beiden um eine afghanische Familie gekümmert. Diese Familie konnte in Deutschland bleiben, sie lebt heute in Bremen, den Kontakt haben sie aufrechterhalten.

„Gerade die Kinder sind eben ganz normale Kinder, die Handball oder Fußball spielen oder auf einem Pony reiten wollen“, sagt von Heynitz.

Eigenen Verein gründen

Um den Umgang mit den Flüchtlingen in Jever weiter zu professionalisieren, wollen die Integrationslotsen einen eigenen Verein gründen. Damit ist Gerd Weber beschäftigt. Ziel des Vereins soll sein, neben der Hilfe für die Flüchtlinge auch den Integrationslotsen in Jever einen verlässlichen Rahmen zu bieten. „Und wir wollen uns weiter mit anderen Integrationslotsen austauschen“, sagt Weber.

Denn so können die einen von den Erfahrungen der anderen profitieren. „Dabei geht es dann auch um ganz praktische Fragen“, sagt Weber. Zudem sei ein Verein in der Lage, auch um Spenden zu werben. „Uns fehlen Sachgegenstände, die über Lebensmittel und Kleider hinaus gehen“, sagt Weber. Vor allem Fahrräder, Kinderwagen und Sportwagen fehlen den Flüchtlingen. „Das ist für diese Menschen aber Gold wert“, weiß Weber.


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