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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Hohlköpfe und ein Kraftprotz

29.08.2014

Bockhorn Seit seiner Premiere im Jahr 1949 hat der mittlerweile traditionsreiche Bockhorner Markt eine Wandlung vom Orts- zum Volksfest vollzogen. Zum 66. Mal findet er dieses Jahr vom 6. bis 8. September im Ortskern der Gemeinde statt. Diese Schnapszahl nimmt sich die NWZ  nun zum Anlass, eine Zeitreise durch die Geschichte des Bockhorner Marktes zu unternehmen. Beim ausgiebigen Wühlen im Archiv stellte sich heraus: Schon vor 60 Jahren wartete das Volksfest in der Friesischen Wehde mit aufregenden Attraktionen und faszinierenden Geschichten auf.

Bockhorner auf Ballons

Die Titelseite des „Markt-Kuriers“, einer jährliche Beilage zum Gemeinnützigen, überraschte am Sonnabend, 11. September 1954, mit einem fast ganzseitigen Bild, das in Farbe bestimmt noch einmal ein ganzes Stück beeindruckender gewesen wäre: Es zeigte eine Menschenmasse, jedoch war nur die Person in der Mitte des Bildes echt.

„Eine hübsche Ballonverkäuferin, die zum Markt in Bockhorn eintraf, hatte eine originelle Idee“, wurde der erklärende Text eingeleitet. Die Frau hatte die Konterfeis von Personen des öffentlichen Lebens in Bockhorn auf ihre Verkaufsware drucken lassen – so verkaufte sie nun im besten Sinne echte „Hohlköpfe“. „Wir“, erklärte dazu die Redaktion des Gemeinnützigen, „sind davon überzeugt, dass man ihr die reizende und gleichermaßen scherzhafte Idee verzeihen wird.“

Über achtzig Geschäfte aus Bockhorn und Umgebung ließen schon 1954 ihre Anzeigen in die Marktbeilage stellen, ein Beweis der frühen Popularität des Bockhorner Marktes, der zu diesem Zeitpunkt ja noch in den Kinderschuhen steckte. So bestand das Hauptprogramm damals auch noch nicht aus viel mehr als dem bis heute unbedingt dazugehörigen Festumzug, verschiedenen Ausstellungen und dem musikalischen Wettstreit mehrerer Spielmannszüge.

Einen geschickten Schachzug machte damals die Gemeindeverwaltung bei der Lösung eines langjährigen Problems: Eine verfallende Mauer am Marktplatz war den Bockhornern schon länger ein Dorn im Auge gewesen.

Praktischer Muskelmann

Nun schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum Bockhorner Markt engagierte man den berühmten Milo Barus, seines Zeichens damals stärkster Mann der Welt.

Der im damaligen Österreichisch-Schlesien in der heutigen Tschechischen Republik als Emil Bahr geborene Kraftsportler war international bekannt für seine Auftritte: Er trug Pferde, verbog Eisenbahnschienen und hob ganze Straßenbahnwaggons aus den Schienen.

In Bockhorn riss er nun als große Attraktion die ungeliebte Mauer am Marktplatz ein. Als Gage erhielt er das Geld, das die Gemeinde sonst für Bauarbeiter hätte bezahlen müssen. Der Zweite Weltkrieg hatte noch deutliche Nachwirkungen auf das gesellschaftliche Leben: In den fünfziger Jahren war es Gang und Gebe, dass bei Tanzveranstaltungen viele junge Frauen alleine am Rand der Tanzfläche sitzen blieben. Das weibliche Geschlecht war in der Gesellschaft nach den verlustreichen Feldzügen von Hitlers Wehrmacht deutlich in der Überzahl. Die Bockhorner Marktverwaltung wusste Abhilfe: Sie erklärte den „Siamesischen Foxtrott“ zum „Tanz des Bockhorner Marktes 1954“.

Tanz und Musik

Das Besondere an diesem Tanz war, dass jeder Mann plötzlich nicht nur eine, sondern zwei Tanzpartnerinnen hatte. „Mit der linken Hand hält er die Hand der ersten, mit der rechten, die selbstverständlich entsprechend lang sein muß, umfasst er die zweite Partnerin. Damit aber die Partnerinnen gleichviel vom Tanz haben, empfiehlt sich eine Auswechslung während des Tanzes oder in den Pausen. Tänzerin Nr. 2 nimmt dann die vordere Position ein“, erklärte die NWZ  den Tanzwilligen die neue Tanzart.

Ein streitbares Thema waren bereits damals die musikalischen Beiträge: „Alles dudelte, posaunte und trompetete durcheinander“, beschrieb die NWZ  die Geräuschkulisse der ersten Bockhorner Märkte. Der Gemeinderat erdachte deshalb folgende Regel: „Keine Musik, von der man nicht weiß, ob sie Marsch, Fox oder gar Swing ist und schon gar nicht weiß, wie sie getanzt wird.“

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