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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Im Alter ist nicht Schluss mit lustig

25.11.2016

Varel Schweigend sitzen zwei alte Damen am Tisch im Altenheim Langendamm und blicken ins Leere. Sie sind dement und leben in ihrer eigenen Welt. Als sich Clown Vino und seine Partnerin Carlotta im rot-weißen Petticoat-Kleid zu ihnen setzen, hellen sich ihre Mienen auf und sie lachen laut, als Carlotta einen Tanz aufführt. Und als die beiden Clowns noch das Lied „Dat du mien Leevsten büst“ anstimmen, singen die Frauen mit. Ihren Namen kennen sie nicht mehr, wohl aber den Refrain.

Zum ersten Mal bekam das Altenheim Langendamm in dieser Woche Besuch von Clowns. Und auch für Rouven Huwald als „Vino“ war es eine Premiere. Friedhelm Michaelis, Leiter des Altenheimes, hatte im Gemeinnützigen gelesen, dass sich der Vareler als Clown selbstständig gemacht hat und Freude und Leichtigkeit in Altenheime und Hospize bringen möchte.

Wenn Vino zu Kindern ins Krankenhaus geht, trägt er einen roten Strampelanzug, für die alten Leute hat er sich extra schick gemacht, trägt einen Anzug mit Schlips und Kragen. Carlotta steht ihm mit Petticoat, Täschchen und Blume im Haar nicht nach.

„Oh, wie schick“, ruft Wilma Becker, als Vino und Carlotta bei ihr auftauchen und stimmt mit den beiden das Lied „Schiff ahoi“ an. Da muss sogar der Senior im Rollstuhl schmunzeln, der nebenan sitzt. Er gehört eigentlich eher zur ernsteren Sorte. „Karneval und so’n Kram ist nicht mein Ding“, grummelt er.

Wo die beiden Clowns auch auftauchen, ob in den Aufenthaltsräumen oder in den Zimmern, bringen sie Farbe, Freude und Emotionen. Dabei geht es nicht immer lustig zu. Als sie am Bett einer todkranken Frau stehen und „Der Mond ist aufgegangen“ singen, müssen auch die beiden Clowns schlucken.

Vino und Carlotta müssen nicht viel unternehmen, um die alten Menschen zu erreichen. Besonders bei den Dementen, bei denen selbst Angehörige und Betreuer oft daran scheitern, einen angemessenen Umgang zu finden, sind sie erfolgreich. Sie befinden sich auf einer Ebene: nicht rational, sondern emotional. Sie machen Sachen, die sonst niemand versteht.

Auch Marlis Speckels, zuständig für die soziale Betreuung im Altenheim, erkennt ihre alten Leute nicht wieder. Eine Dame, die sonst mit niemanden spricht und auch keinen anguckt, kommt auf die Clowns zu, spricht mit ihnen und nimmt sie in den Arm. Eine andere streckt Vino strahlend die Hand entgegen: „Kannst Annemarie zu mir sagen.“

Friedhelm Michaelis holt nicht nur die Clowns in sein Altenheim, er geht auch andere Wege, um Menschen mit Demenz zu erreichen. Es wird gemeinsam gesungen und gekocht. Und auch beim Boßelausflug hatten die Demenzkranken viel Spaß. „Im Bereich der Demenz gibt es 1000 Wege, die Menschen zu erreichen“, weiß Friedhelm Michalis. Und bei Demenz ist eben nicht Schluss mit lustig.

Traute Börjes-Meinardus Varel / Redaktion Friesland
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