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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Liberaler Hohenzoller nur 99 Tage Kaiser

03.04.2019

Jever Die Tradition zu wahren und sich für die Moderne zu öffnen – diese Ziele verfolgen die Nachfahren der „Getreuen“, die zu den ältesten Stammtischgesellschaften in Deutschland gehören. Jevers Stammtisch wurde mit der Sendung von 101 Kiebitzeiern zum Geburtstag an den Reichskanzler Otto von Bismarck am 1. April ab 1871 im ganzen Reich bekannt. Bismarck schenkte dem Stammtisch den legendären Kiebitzbecher.

In seinem Begleitbrief bat er darum, dass sein Ei aus Berlin die Runde am Stammtisch macht – und diese Bitte erfüllen die „Getreuen“ jährlich beim Kommers am 1. April im „Haus der Getreuen“.

Präses, Ingo Hashagen, der kürzlich seinen 76. Geburtstag feierte und den Verein seit 2003 führt, leitete zum letzten Mal den Kommers. Beim Stammtisch am 4. Juni wird er verabschiedet und übergibt den Vorsitz an Bürgermeister Jan Edo Albers. Am Kommers nahm auch Dr. Andreas von Seggern teil, der am 1. Juli die Leitung des Getreuen und Bismarckmuseums übernimmt.

Hoffnung der Liberalen

Eine Fleißarbeit in der Recherche war der Festvortrag von Karl Wilhelm Rosberg, der in einer eineinviertelstündigen Biografie über den Kaiser Friedrich III. (geboren 18. Oktober 1831, gestorben 15. Juni 1888) referierte: Im März 1888 hatte er den Thron bestiegen – er wurde zur tragischen Gestalt: An Kehlkopfkrebs erkrankt, regierte der stumme Herrscher nur 99 Tage lang und erlag am 12. Juni 1888 dem Krebs. Der ehemalige Flottillenadmiral stellte Friedrich III. als gebildeten und in Staatsgeschäften gut vorbereiteten Thronfolger vor.

Friedrich III. war die Hoffnung der Liberalen. Doch wurde er zwischen seinem Vater sowie Reichskanzler Bismarck und seinem Sohn, dem späteren Kaiser Wilhelm II. zerrieben. Friedrich zeigte liberale Züge und entließ den erzreaktionären preußischen Innenminister Robert von Puttkamer. Er widersprach als Kronprinz Reichskanzler Bismarcks Versuch, die Pressefreiheit einzuschränken. Wilhelm III. verfügte über enge Kontakte zu führenden freisinnigen Politikern, die Bismarck und seiner konservativen Umgebung ein Graus waren.

Hätte Friedrich die Gesellschaft modernisieren, eine deutsch-englische Allianz schmieden und sogar den Ersten Weltkrieg abwenden können? Gerade vor dem Hintergrund der großspurigen Politik seines Nachfolgers und Sohnes Kaiser Wilhelms II. lebte dieser Mythos auf, so Rosberg. Danach hätte Friedrich III. Deutschland in eine andere Richtung geführt und statt Wettrüsten, Weltkrieg und Nationalsozialismus wäre das sympathische Gesicht der Hohenzollern-Monarchie den Weg zu Freiheit, Friede und Demokratie gegangen.

Mythos entkräftet

Doch viele Historiker sprechen ihm die Eignung als Hoffnungsträger ab und Rosberg zitierte dazu aus seinem Buch „Friedrich III. kritische Anmerkungen“: Den liberalen Tendenzen steht gegenüber, dass der Hohenzoller das allgemeine Wahlrecht ablehnte und seine hochtrabende Vorstellung von der Stellung des Kaisers stimmte mit demokratischen Hoffnungen keineswegs überein. Geprägt vom Militär hätte er diese herausragende Rolle im Reich kaum geschmälert – oder als erfahrener Feldherr den unsinnigen Kriegsspielen seiner Militärs vielleicht den Boden entzogen.

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