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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Alte Muster auf moderner Kleidung

11.09.2018

Jever Blaudruck verbindet die Kulturen und überwindet Grenzen – und zwar seit Jahrhunderten. Das hat Jevers Blaudrucker Georg Stark in den Jahrzehnten seiner Forschung über das traditionelle Handwerk schon mehrfach bewiesen: In Indien, Japan und Ostasien, sogar im alten Ägypten und natürlich in Europa waren indigogefärbte Stoffe mit den typischen Mustern bekannt und wurden zu Alltagskleidung verarbeitet.

Stark hat ebenfalls mit dafür gesorgt, dass das Blaudruck-Handwerk seit vergangenem Jahr von der Unesco als immaterielles Kulturerbe Deutschlands anerkannt ist.

Blaudruck und „blaue Sprichwörter“

Die Blaudruckerei Jever ist eine von nur noch sieben Blaudruckereien in ganz Deutschland. 1985 eröffnete Georg Stark sie als „lebendige Museumswerkstatt“ am Kattrepel. Angefangen hat er mit wenigen Druckstöcken – Leihgaben von Museen. Heute zeigt er viele hunderte Modeln, die bis in die Zeit vor 1700 zurückreichen. Die Druckformen hat Georg Stark in ehemaligen Werkstätten der Region, aber auch in den Niederlanden, der Schweiz und Ungarn gefunden, restauriert und wieder in Betrieb genommen. Er druckt damit wie vor Jahrhunderten von Hand Muster auf die weißen Stoffe, bevor diese gefärbt werden.

Blau machen, blauer Montag – es gibt viele Sprichwörter, die „blau“ enthalten: „Blau steht dabei für leer“, sagt Georg Stark. In den Niederlanden etwa gibt es den Ausdruck, etwas blaublau lassen – „das heißt nichts tun“. Und jemandem einen blauen Mantel umhängen, heißt, jemanden anlügen. Solche Sprichwörter sammelt Stark für seine Broschüre.

Und nun hat Jevers Blaudrucker mit der Uni Osnabrück ein Projekt gestartet: Studentinnen des Fachbereichs Textiles Gestalten von Prof. Dr. Bärbel Schmidt werden sich in einem Seminar mit dem Blaudruck kulturhistorisch und gestalterisch auseinandersetzen – Ziel ist eine Ausstellung.

Es geht darum, klassische Blaudruckmuster auf moderne Kleidung zu übertragen. „Ich erhoffe mir, dass die jungen Leute mit ihrem frischen Blick auf die Muster viele Ideen haben“, sagt Stark. Und Ideen – die haben die acht Studentinnen. „Die Muster sind gar nicht altmodisch, sie sind toll“, sagt eine Studentin: „Es geht eigentlich mehr um die passenden Schnitte“, sagt sie und wirft das Stichwort Crop Top in den Raum. Crop Tops sind Oberteile, die kurz genug sind um den Bauch, den Bauchnabel oder ein Teil der Taille frei zu lassen.

Weitere Ideen: Blaudruck für Heimtextilien zu verwenden oder für Accessoires wie eine „Kultur“-Tasche oder Handytäschchen. „Das ist alles im werden“, sagte Professorin Schmidt. Auch schriftliche Seminararbeiten etwa zur Kulturgeschichte des Blaudrucks in Indien und Deutschland, zur Symbolik der Muster, zu Unterrichtsprojekten im Blaudruck für Schulen oder zur Farbe Blau sind geplant.

Blau – nämlich „BlauwBlau“ – ist auch der Titel des Gesamtprojekts von Stark. Und es ist grenzüberschreitend: Er hat von der Landesregierung den Auftrag erhalten, eine deutsch-niederländische Ausstellung zum Blaudruck zu erarbeiten. Denn als „Stipwerk“ hat der Blaudruck auch in den Niederlanden Tradition.

Dazu gehört auch eine Darstellung gemeinsamer „Blauer Sprichwörter“ in einer Broschüre. An diesem Teilprojekt arbeiten Dr. Johannes Beelen von der Niederlandistik an der Uni Oldenburg mit sowie Sprachforscher an der Uni Leiden. Und das Textil-Forschungszentrum Leiden ist ebenfalls mit im Boot.

Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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