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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Nur das Wetter spielt nicht mit

17.08.2019

Jever Verloren und kaum der Sprache mächtig, stolpert Kaspar Hauser (Vasilios Zavrakis) in den Innenhof des jeverschen Schlosses, vorbei an den Zuschauerreihen. Mehr als 100 Premierengäste verfolgten am Donnerstagabend die ersten Schritte des Kaspar Hauser in Jever.

Weitere Vorstellungen

sind am 18. August, 18 Uhr; am 22. und 23. August, 20 Uhr; am 25. und 30. August sowie am 1. September jeweils um 18 Uhr.  Karten gibt es für 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) im Schlossmuseum Jever unter Tel. 04461/969 350 und bei der Landesbühne in Wilhelmshaven unter Tel. 04421/ 94 01 15.

Hauser, etwa 16 Jahre alt, stammelt, ein Ordnungshüter mit Pickelhaube (Jeffrey von Laun) versucht, etwas aus dem seltsamen Jungen herauszubekommen. Einen Brief trägt er bei sich, der wenig über seine Herkunft verrät – nur, dass er jahrelang in einem dunklen Raum gelebt hat.

Hauser ist eine tragische Figur auf der Suche nach Zuwendung, Anerkennung und Verständnis. Er begreift sich als Außenseiter in einer Gesellschaft, die von Regeln und Konventionen geprägt ist, die ihm fremd sind. Es ist aber nicht Kaspar Hauser, der sich zum Außenseiter macht, sondern sein Umfeld, das auf ihn einwirkt und ihn nach anfänglicher Euphorie allein zurücklässt. So ist der Stoff, eigentlich verortet im Nürnberg der Biedermeierzeit, zeitlos und auch heute noch aktuell. Gibt er doch einen Einblick in Erziehung – Kaspar Hauser hält der Gesellschaft den Spiegel vor.

Bis kurz vor Premierenstart war unklar, ob „Das Tagebuch Kaspar Hausers“ überhaupt unter freiem Himmel gespielt werden kann. Den Nachmittag über hatte es teils heftig geregnet, am Abend sollte sich das Wetter stabilisieren. Gut 20 Minuten lang kam dann auch tatsächlich so etwas wie Weingartenatmosphäre an Biertischgarnituren auf, auch wenn der lauschige Sommerabend eher einem verfrühten Herbstabend glich – warme Socken und eine dickere Jacke waren nötig.

Doch dann, Kaspar Hauser hatte das Gefängnis – dort kommen alle Fremden in Nürnberg hin, die sich kein Hotel leisten können – hinter sich gelassen und wurde bereits von Biberach in Grundlagen menschlichen Handelns geschult, regnete es doch kurz und heftig. Das Premierenpublikum war zwar mit etlichen Schirmen, Regenponchos, Müllsäcken und Regenjacken gerüstet und nahm die wetterbedingte Unterbrechung entspannt und gut gelaunt hin. Aber der Gummiabzieher für Tische und Bänke sowie etliche Handtücher wurden dennoch zu den wichtigsten Requisiten des Stücks.

Selbst Regisseur Frank Fuhrmann in seinem Regenponcho wischte Tische und Bänke trocken. Auch der zweite Versuch, das Stück unter freiem Himmel fortzusetzen, scheiterte, so dass Publikum und Schauspieler letztlich in den Steinsaal umziehen mussten.

Dort blieb wegen der vielen Zuschauer nur noch wenig Platz für die Schauspieler, ein Spielen war zwischen den engen Stuhlreihen nicht möglich. Daher mussten die beiden sich auf den kleinen Platz vorm Kamin beschränken. Das war nicht ideal, aber Vasilios Zavrakis und Jeffrey von Laun meisterten die eher ungeeignete Spielstätte mit Professionalität und so viel Spielfreude, dass der Platzmangel kaum mehr ins Gewicht fiel. So gab es für die beiden Schauspieler nach Kaspar Hausers tragischem Tod langanhaltenden Applaus.

Geglückt ist es also dennoch, das Experiment der Landesbühne Niedersachsen Nord in Kooperation mit dem Schlossmuseum Jever und mit finanzieller Unterstützung der Volksbank Jever. Und wer weiß, vielleicht kehrt der Sommer für die folgenden Aufführungstermine noch einmal nach Jever zurück und sie stellt sich doch noch ein, die entspannte Weingartenatmosphäre. Aber selbst wenn nicht, sehenswert bleibt das gut einstündige Stück so oder so.

Rahel Wolf Agentur Hanz / Redaktion Jever
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