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NWZonline.de Region Friesland Kultur

„Es ist normal, dass wir alle verschieden sind“

31.12.2019
Frage: Lucie Veith, Sie leben offen Ihre Intersexualtität – warum?
lucie veith: Ich habe mich entschieden, überall vollkommen offen zu leben, weil sowohl eine politische als auch eine menschenrechtliche Haltung dahinter steht. Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Menschen mit der gleichen Würde geboren werden und mit dem gleichen Respekt und behandelt werden sollten. Wir haben das Recht, so zu sein wie wir sind. Das garantiert uns allein schon die Verfassung. Viele reagieren und agieren aber verfassungswidrig, wenn sie Minderheiten diskriminieren.
Frage: Sie wohnen in Grafschaft. Vorher haben Sie jahrelang in Hamburg gelebt. Wo lebt es sich offener als intersexueller Mensch?

Mit Gender ist nicht das biologische Geschlecht gemeint, sondern die Rolle, die jeder Mensch in Kultur und Gesellschaft einnimmt.

Intersexualität bedeutet, dass ein Mensch mit weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Chromosomen, Keimdrüsen, Hormonproduktion und Körperform sind nicht rein männlich oder weiblich ausgeprägt, sondern stellen scheinbar eine Mischung dar.

Lucie Veith: Ich lebe seit vier Jahren wieder in Grafschaft. Aufgewachsen im Harlingerland. Viele Jahre habe ich in Hamburg gelebt, aber die Situation hier und in der Großstadt ist nicht vergleichbar. In der Großstadt zählt die Anonymität. In Grafschaft achten die Menschen aufeinander. Dort ist es nicht komplizierter, mit meiner Sexualität umzugehen, im Gegenteil: In einem kleineren Umfeld gehen alle offener miteinander um. Diese Offenheit schafft Vertrauen, Vertrauen schafft Sicherheit für alle. In Hamburg bin ich eine öffentliche Person, aber das Interesse ist aufgrund der Anonymität der Großstadt geringer. Und die komischen Leute, die alles hinterfragen und Unbekanntes ausgrenzen oder diskriminieren, gibt es nun einmal überall. Da macht es keinen Unterschied, ob man in Hamburg oder Grafschaft lebt.
Frage: Wie kann man die deutsche Sprache Ihrer Meinung nach „fairer“ machen?
lucie veith: Die Frage ist: Möchte ich Vielfalt mit unserer Sprache sichtbar machen oder nicht? Darf eine Mehrheit eine Minderheit sprachlich unterdrücken? Sprache verändert sich ständig. Wir haben das „Fräulein“ überwunden, warum können wir nicht mehr überwinden? In der deutschen Sprache fehlt meiner Meinung nach gar nichts, sie bietet viele Möglichkeiten. Sprächen wir über „Menschen“ und „Personen“, dann bräuchten wir kein Wort für das Dritte Geschlecht wie in Schweden. Und wo ist das Problem mit dem Sternchen oder dem Unterstrich? Ich schreibe gern „Bürger­_innen“.
Frage: Was muss sich ändern in unserer Gesellschaft?
lucie veith: Es wäre gut, den gesellschaftlichen Diskurs zu eröffnen zu einer Werteüberprüfung: Gehen wir wirklich gleichwertig miteinander um? Akzeptiere ich die Würde und Freiheit meines Gegenübers, die ich mir auch für mich wünsche? Ich denke, momentan stehen die Werte nicht mehr im Mittelpunkt unseres Diskurses, stattdessen eher Profit und unser Überleben. Das bedauere ich sehr.
Frage: Was wünschen Sie sich?
Lucie Veith: Ich wünsche mir, dass allen voran Kinder vor jeglicher Art von Gewalt geschützt werden. Es kann nicht sein, dass intergeschlechtliche Kinder durch Genitaloperationen „normalisiert“, also im Rahmen der geschlechtlichen Vorstellung von Erwachsenen genital verstümmelt und geschlechtlich zugewiesen werden. Kinder sollen sich bestmöglich entwickeln können, sich ihre körperliche und seelische Unversehrtheit bewahren. Meiner Ansicht nach ist das auch eine Bildungs- und Erziehungsfrage: In den Kindergärten ist noch alles ok, was nicht der „Norm“ entspricht, aber in den Schulen geht es los mit der Teilung der Geschlechter. Es gibt nur noch Mann oder Frau, Junge oder Mädchen. Wir sollten viel früher anfangen, über Vielfalt zu sprechen, und darüber, dass es nicht akzeptabel ist, Menschen aufgrund ihrer Körperlichkeit, ihres Aussehens, ihres Alter, ihrer Behinderung und anderer Dinge zu diskriminieren. Jeder Mensch entwickelt sich individuell und ist etwas Besonderes. Du bist wie du bist, aber trotzdem sind wir uns alle ähnlich. Es ist daher „normal“, dass wir alle unterschiedlich sind. Allein sich darüber im Klaren zu sein, würde vieles verändern.

Intersexualität bedeutet, dass ein Mensch mit weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde. Chromosomen, Keimdrüsen, Hormonproduktion und die Körperform nicht nur männlich oder nur weiblich ausgeprägt, sondern stellen scheinbar eine Mischung dar.

Mit Gender ist nicht das biologische Geschlecht gemeint, sondern die Geschlechtseigenschaften die ein Mensch in Kultur und Gesellschaft einnimmt.


Mehr Infos unter   www.im-ev.de 
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