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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Maskenspiel und bunte Farben

28.08.2014

Jever /Emmen In einer kleinen holländischen Stadt gleich hinter der Grenze zu Deutschland ist vor gut 20 Jahren eine neue Kunstrichtung ins Leben gerufen worden, die ihren Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat: „Toyismus“, vom englischen Toy (Spielzeug), nennt sich die Bewegung.

Und Dejo nennt sich der Mann, der sie mit zwei weiteren Künstlern im Februar 1993 in Emmen gegründet hat. Am Donnerstag, 11. September, kommt der inzwischen international angesehene Maler nach Jever, um eine Reihe von Arbeiten vorzustellen, in das Werk der Toyisten einzuführen und für ein gemeinsames Projekt der Lions-Clubs Jever und Emmen zu werben.

Die beiden Serviceclubs sind seit 25 Jahren in Partnerschaft verbunden. Für 2015 geben sie einen großen Kunstkalender mit Bildern von Toyisten aus verschiedenen Ländern und Erdteilen heraus. Der Kalender wird am 11. September ab 18 Uhr im Finanz- und Immobilienzentrum der Volksbank Jever an der Mühlenstraße im Rahmen einer Vernissage vorgestellt.

Maske vorm Gesicht

Die Künstler werden außerdem eine ganze Reihe teils großformatiger Originale in einer nur wenige Stunden dauernden Ausstellung präsentieren. Jever ist erst die zweite deutsche Stadt überhaupt, in der Bilder der Toyisten gezeigt werden.

Bisherige Ausstellungsorte außerhalb der Niederlande waren unter anderem New York, Peking, Cincinatti, Houston, Miami Beach, Taichung City (Taiwan) und Kevlavik auf Island. Bilder der Toyisten werden zu Preisen im vier- bis fünfstelligen Bereich gehandelt, sie sind Sammlerobjekte und nur selten auf dem freien Markt erhältlich.

Der Emmener Künstler Dejo hat natürlich auch einen bürgerlichen Namen. So wie alle Toyisten gibt er seinen Namen und sein Gesicht jedoch nicht preis. Beim Toyismus soll die Kunst im Vordergrund stehen und nicht der Künstler – das gehört zur Philosophie der Toyisten. Deswegen tragen sie Masken.

Das und weiteres steht in dem Manifest, in dem sie die Ziele ihrer neuen Kunstrichtung festgeschrieben haben. Es wurde 2001 von Dejo erneuert und legte – nur den Künstlern bekannt – auch die Spielregeln des Toyismus und seine besondere Farb- und Formensprache fest.

Zu den Regeln gehört, dass die Toyisten unter Pseudonym auftreten und jeder Buchstabe des Alphabets nur einmal als Anfangsbuchstabe für einen Namen verwendet werden darf. So ist die Zahl der Mitglieder auf 26 begrenzt. Diese Zahl ist noch nicht erreicht, obwohl sich die Bewegung mittlerweile über den ganzen Globus ausgebreitet hat. Toyisten arbeiten derzeit unter anderem in Thailand, Südafrika, Malaysia, Island, Mexiko, Peru, Italien, Australien, Kanada, Belgien, den USA und natürlich in den Niederlanden.

Dejo, der Begründer der Bewegung, hat Gleichgesinnte bei seinen vielen Reisen in der ganzen Welt aufgespürt und zum Mitmachen bewegt. Oft war es aber umgekehrt. „Nicht wir haben die Künstler gefunden, sie haben uns gefunden.“ Es sind durchweg Profis, zumeist akademisch ausgebildet, und die meisten haben sich längst dem Toyismus verschrieben.

Narrative Kunst

„Narrative Kunst“, sagt Dejo auf die Frage, wie er den Toyismus beschreiben würde. Mit Anleihen bei Comic, PopArt, Expressionismus, vor allem aber aus dem Surrealismus haben die Toyisten eine farbintensive, großflächige, formenreiche, meist fröhliche Bildersprache entwickelt. Dabei beschränken sie sich nicht auf das Bemalen von Leinen auf Spannrahmen und schrecken vor großen und größten Aufgaben nicht zurück.

Zu den spektakulärsten Werken gehören die Außen- und Innengestaltung des Hotels Ten Cate in Emmen, an dem 13 Toyisten nach intensiver Planung fünf Wochen lang arbeiteten. „Dreams for Breakfast“ war das Thema der Gemeinschaftsarbeit – Träume zum Frühstück. Das Hotel macht seitdem durch den Besuch von Kunstfreunden aus aller Welt 40 Prozent mehr Umsatz.

Zuvor hatten die Toyisten ebenfalls in Emmen einen riesigen Gasbehälter („The Dot“ – der Punkt) gestaltet. Jüngstes großes Gemeinschaftswerk ist die Bemalung eines neun Meter hohen Wassertanks mit 36 Metern Umfang in der isländischen Stadt Keflavik, der 2013 unter teils extremen Wetterbedingungen von einer Künstlergruppe umgestaltet wurde und jetzt statt eines Schandflecks im Stadtbild eine Touristenattraktion ist. „Uppspretta“ (Ausbruch von Energie) ist der Titel dieses spektakulären Werks.

In Emmen betreibt der Buchhändler Henk Goslinga im Obergeschoss seines großen Buchladens eine permanente Ausstellung, das Toyismus-Studio. Auf 130 Quadratmetern zeigt er beispielhafte Arbeiten der Toyisten.

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