• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Friesland Kultur

KÜSTENFORSCHUNG: Mehr als Watt im Wattenmeer

17.01.2006

[ /KEIN_EINZUG][SPITZMARKE] von lilo meyer

VAREL - Im Sommer ist nur schwer zu erkennen, was sich unter der Oberfläche des Watts verbirgt. Aber im Winter, wenn Stürme und Eisschollen die Algenablagerungen vernichtet haben, offenbart sich dem geübten Auge und nimmermüden „Buddler“ schier Unglaubliches.

Der Archäologe Axel Heinze aus Esens nahm jetzt beim Heimatverein viele interessierte Zuhörer mit auf eine spannende Zeitreise der Küstenbesiedlung im Harlingerland. Der mit Dias bereicherte Vortrag fesselte von Anfang an.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Das geübte Auge bemerkt sie schneller als der Laie, die teilweise schemenhaften Konturen, die da aus dem Watt herausgucken. Sind das da nicht zwei Pfahlenden? Wahrscheinlich über Bord gegangenes, oder vom Land hinausgeschwemmtes Holz, denkt man sich. Nicht so der Archäologe, der fängt an zu graben. Dabei ist er immer in Zeitnot. Die unweigerlich zurückkommende Flut lässt ihm höchstens drei Stunden Zeit und wer weiß, ob der Fundort am nächsten Tag wiedergefunden werden kann.

Also zügig ans Werk und so nach und nach werden deutlich zwei lange Pfähle sichtbar. Sie sind aus Eichenholz und liegen in Schräglage. Drumherum erscheinen wie im Quadrat vier weitere Pfähle. Sieht aus wie ein Fundament und ist wohl auch eines, denn dazwischen finden sich lehmartige Reste eines Fußbodens. Beim vorsichtigen Weiterbuddeln werden noch kleine Tonscherben aus der Tiefe befördert. Hier muss ein Gebäude gestanden haben! Bohrproben und Analysen der Pfähle und Scherben kommen zu dem erstaunlichen Resultat, dass es sich hier um menschlichen Lebensraum ca. 350 vor Christus handelt. Also hat es hier schon viel früher, als allgemein angenommen, Besiedlung gegeben. Die Rekonstruktion des Fundes zeigt einen spitzzelt- ähnlichen Bau, der im oberen Bereich mit Ried, unten jedoch mit Grassoden abgedichtet war. Ganz in der Nähe findet sich eine Muschelanhäufung wie auf einem Geäst. Eine Untersuchung löst das Rätsel. Es handelt sich um Erlenwurzeln und die Bodenanalyse beweist: Hier gab

es einmal einen Erlenwald. Ein weiterer Hinweis auf Marschboden.

Die Schürfung einer kleinen Erhebung bringt im oberen Bereich 40 - 50 cm Stallmist zu Tage. Wegen seiner Kompaktheit wurde dieser offenbar zur Bodenerhöhung benutzt. Die an dieser Stelle ebenfalls gefundenen Eichenpfosten und Keramikteile datieren aus der vorrömischen Eisenzeit.

Dann wurde es fast ein wenig gruselig. Was zunächst wie ein schwarzer Stein aus dem Watt lugt, entpuppt sich nach vorsichtiger Grabung als vollständiges Skelett. Die Art, wie die Tote gelagert ist (es handelt sich um die Überreste einer etwa 50jährigen Frau) schließt auf eine Bestattung. Da sie in Süd-Nordlage liegt, handelt es sich nicht um eine Christin. Die in ihrer Nähe gefundene silberne Kleiderspange, eine sogenannte Fibel, war im frühen 500 Jh. gebräuchlich. Das für die damalige Zeit hohe Alter lässt vermuten, dass sie eine Ranghöhere war. Eine kleine, glattbraune Stelle sind erste Hinweise auf ein Holzgefäß. In ihm finden sich Überreste eines etwa drei Monate alten Säuglings, gebettet auf Moosen und Ebereschenblätter. Die Eberesche galt im frühen Mittelalter als Zauberpflanze. Anhand der Pollen lässt sich der Mai als Bestattungsmonat nachweisen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.