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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Mit de Beck vull Schandaal

29.12.2014

Jeverland Was backt man aus Weizenmehl, zerlassener Butter, Kandis, Eier, Kardamom, Anis, Wasser, Zimt und Vanillezucker: Leckere Neujahrskuchen (Neeijahrskook) oder Rullerkes. Traditionell wurden die auch als Beck vull Schandaal (Mund voller Lärm) genannten knusprigen Hörnchen in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr in den Haushalten auf der ostfriesischen Halbinsel gebacken.

Mittlerweile wird dieses Traditionsgebäck auch in vielen Geschäften angeboten. In Grappermöns, wo wie in Ostfriesland noch der alte Brauch des Neujahrslaufens besteht, werden die Neujahrskuchen zu Grog oder Glühwein gereicht.

Neujahrskuchen BILD: Melanie Hanz

Familienrezept aus dem Harlingerland

Für den Teig: 500 g Weizenmehl, 250 g zerlassene Butter (oder die Hälfte Margarine), 300 g Kandis, 3 Eier, 7,5 g Kardamom (gemahlen), 15 g Anis (gemahlen), 500 ml abgekochtes Wasser, (Zimt, Aniskörner und Vanillezucker nach Belieben). Vom in abgekochtem Wasser aufgelösten Kandis werden die Waffeln besonders knusprig.

Zubereitung: Die Butter schmelzen und abkühlen lassen. Die Eier einzeln mit der flüssigen Butter verrühren und Mehl, Kandiswasser und Gewürze hinzufügen. Den Teig 24 Stunden stehen lassen.

Für das Backen im Waffeleisen die Backflächen einfetten (Speckschwarte). Einen gut gefüllten Esslöffel oder einen kleineren Soßenlöffel mit Teig auf die Backfläche geben, das Eisen schließen und leicht die Handgriffe zusammendrücken. Beim Erreichen des gewünschten Bräunungsgrads die dünne Waffel mit einer Holzgabel herausnehmen und noch heiß rollen oder zusammenfalten. In einem gut verschließbaren Behältnis aufbewahren. Gut geeignet sind dazu Milchkannen, wie sie früher für den Milchtransport gebraucht wurden.

Die Neujahrskuchen wurden früher mit einem zangenförmigen Kucheneisen über dem offenen Feuer oder im Stangen-Küchenherd gebacken. Mit der Einführung der Elektrizität Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die ersten elektrischen Waffeleisen, die auch als „dat olle Lesder“ – das alte Eisen – bezeichnet wurden.

In der „Backstube“ in Addernhausen bei Schrör beginnt die Neujahrskuchenbäckerei seit vielen Jahren am Sonnabend vor dem 2. Advent. Mehr als 1000 Neujahrskuchen werden dort an den Adventswochenenden von Hans Schrör, Johann Harken, Uwe Detlaf und Willy Gronewold mit vier Waffeleisen gebacken. Zum Abschluss ihrer Bäckerei backen sie Knippkuchen.

Diese Waffelart wurde früher in den zwölf heiligen Nächten, den Nächten zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, im Jeverland gebacken. Sie ähneln in ihrer Form den Neujahrskuchen und werden im gleichen Waffeleisen gebacken, haben aber einen etwas kleineren Durchmesser. Der Teig ist fester und wird als Kugel geformt, im Waffeleisen platt gedrückt und ausgebacken. Die Addernhausener Bäcker lassen sie in einem Trichter auskühlen.

Ob Neujahrskuchen, Neeijahrskook und Rullerkes wie auf der ostfriesischen Halbinsel oder Eiserkuchen und Piepkoken wie in Westfalen genannt: Um dieses Gebäck und seine Zubereitung geht es 2015 im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold. Im Museum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zeigen Volkskundler eine Ausstellung. Das Museum besitzt über 150 Waffeleisen, viele davon wurden über Generationen weitervererbt.

Die historischen Waffeleisen zur Herstellung der Neujahrskuchen zeugen von hoher Handwerkskunst, die vor allem bei der ältesten Form, dem Zangenwaffeleisen, sehr dekorativ ist. Die Waffeleisen zeigen einen reichen Motivschatz, angefangen beim Rautenmuster, das an Honigwaben erinnert, wie es bei den heutigen Elektro-Waffeleisen üblich ist. Die alten Eisen waren zum Teil mit den Monogrammen der Besitzerinnen versehen, das jeweilige Familienwappen war eingeprägt oder mit Jahreszahlen, Sprüchen oder sogar Ornamenten und figürlichen Darstellungen ausgestattet.

Auch die Griechen backen einen Neujahrskuchen, die Vasilópita. Dieses Brauchtum geht auf den Heiligen Vassilios zurück, der im vierten Jahrhundert als Bischof von Kaisereia auf dem Gebiet der heutigen Türkei wirkte.

Das Besondere an diesem halbsüßen Hefekuchen ist der Glückscent, der mitgebacken wird – entsprechend der Legende, wonach der Heilige Vasilios Goldmünzen in Broten versteckte und dann an die Armen verteilte. Noch heute verteilen die griechischen Familien Vasilópita zum Neujahrsfest.

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