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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Nach Flucht neue Heimat gefunden

17.01.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T10:22:22Z 280 158

Menschen:
Nach Flucht neue Heimat gefunden

Schortens Sharam Khani ist vorbereitet. Er schreibt noch ein paar Vokabeln auf ein Blatt Papier, den Tablet-PC behält er in Griffweite. „Mein Dolmetscher“, sagt er. Seit 16 Monaten leben Sharam Kani, 38, Ehefrau Elham (34) und die siebenjährige Tochter Elena in Schortens im Asyl. Weil sie Christen sind, mussten sie aus ihrer Heimat Iran fliehen, Wohlstand und Familie zurücklassen.

Leben in Abhängigkeit

Aus der Millionen-Metropole Teheran ging es für die Familie ins beschauliche Schortens, aus der Familienvilla in eine Drei-Zimmer-Wohnung, aus der Selbstständigkeit mit gut bezahlten Jobs in die Abhängigkeit vom Staatswesen eines fremden Landes. Und doch sagen beide: „Wir sind glücklich, haben die Entscheidung nie bereut.“

Anfang November waren 225 Flüchtlinge in Friesland untergebracht (die NWZ  berichtete). Menschliche Schicksale, verborgen als Ziffern in einer Statistik, die sich mit Leben füllt, blickt man auf die Geschichten, die sich dahinter verbergen. Geschichten, wie die der Familie Khani.

Vor etwa fünf Jahren beginnt der Muslim Sharam Khani in der Bibel zu lesen. Irgendwann fasst er für sich den Entschluss, Christ zu werden – „im Iran ist dies für Muslime verboten“, sagt er. Es ist vor allem eine Entscheidung ge­gen das Mullah-Regime, das das iranische Volk mit Verboten drangsaliert. Verschleierung für Frauen, keine kurzen Hosen oder grelle Farben für Männer – „in Deutschland hat man viel mehr Freiheiten“, sagt Sharam Khani.

Anfangs hält er seine Konvertierung geheim, selbst seiner Frau Elham sagt er nichts. Später weiht er sie ein, nimmt sie mit in das Gemeindehaus. Das ist der Ort, wo ei­ne Gruppe von zwölf Menschen heimlich ihre Religion ausübt. Eine Weile geht das gut.

In Teheran führt die Familie ein privilegiertes Leben. „Wie Könige“, sagt Sharam Khani. Seine Frau arbeitet als Lehrerin, der studierte Musiker als „Event-Manager“. Khani legt eine DVD ein. Der Film zeigt ein zweigeschossiges Gebäude, roter Samt, goldene Statuen, edle Hölzer. Das Haus wird für Hochzeiten und Feiern vermietet. Am Ende des Films begrüßt Khani in einem weißen Anzug seine Gäste. 26 Angestellte hat er, die Familie wohnt in einer Villa, zum Shoppen geht es nach Dubai. Das ist jetzt vorbei.

Irgendwann vertraut sich Elham einer Freundin an. Die schwärzt die Konvertiten an. Die Polizei stürmt das „Gemeindehaus“, die Khanis müssen fliehen. Vorerst kommen sie bei einem Freund außerhalb von Teheran unter. Schließlich wird die Ausreise organisiert, illegal. Abflug ab Großflughafen Teheran, „mit Geld kein Problem“, sagt Sharam Khani. Rund 34 000 Euro kostet das die Familie.

Angekommen in Deutschland, wird die Gefahr bei einer Rückkehr für die Familie von einem Richter zunächst in Zweifel gezogen. Der Vorwurf: Sie seien gekommen, um sich in Deutschland finanziell besser zu stellen. „Das hat mich traurig gemacht“, sagt Khani.

Besitz im Iran gepfändet

Ihr Besitz in Teheran sei inzwischen gepfändet worden, die Familie hat den Kontaktabgebrochen. „Du bist nicht mehr meine Tochter“, sagt Elhams Khanis Vater. Arbeiten dürfen sie in Deutschland nicht, um weiter als bis Bremen zu fahren, brauchen sie eine Genehmigung. Lebensmittel holen sie bei der Tafel. Ihr Alltag? „Schlafen, Essen, Deutsch lernen.“

Zum Abschied sagt Sharam Khani: „Wir möchten uns bedanken, dass man uns hier so gut aufgenommen hat.“ Nach drei Jahren Aufenthalt, so die Hoffnung des Paars, dürften sie sich Arbeit suchen. Bis dahin müssen sie alle sechs Monate zur Ausländerbehörde, die Aufenthaltsgenehmigung verlängern.