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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Premiere In Neuenburg: Helge Siefken spielt sich die Seele aus dem Leib

13.01.2020

Neuenburg Mit einem rasanten Auftakt fesselt das Stück „De Höll töövt nich“ (Die Hölle wartet nicht) das Publikum von der ersten Minute an: Im Krankenhaus kämpfen die Mediziner um das Leben von Simon Gäbel. Am Freitag feierte das Niederdeutsche Theater Neuenburg mit dem Thriller eine großartige Premiere. Das Stück erzählt die Geschichte von Simon Gäbel, dem die Realität entgleitet, dessen Welt zersplittert und der das ganze Stück über bemüht ist, die Einzelteile aufzuheben und zusammenzusetzen. Er wird wiederbelebt – und alles, was dann folgt, ist eine Darbietung von Gefühlsakrobatik, mit der Helge Siefken, der Simon Gäbel spielt, das Publikum in seinen Bann zieht.

In dem authentisch nachgebauten Krankenzimmer auf der Bühne geben die Mediziner alles, um den jungen Mann zu retten. Der Arzt Dr. Jeremias Müller wird als sympathischer, bemühter und doch manchmal überforderter Mediziner glänzend gespielt von Julian Richter, den Pfleger Tramsen gibt Rolf Renken gekonnt zwischen knuffiger Unbeholfenheit und gruseliger Kaltschnäuzigkeit und Insa Glowatzki spielt Schwester Carolin lebhaft und überzeugend als die einzige, die den Laden im Griff hat.

Doch Simon Gäbel kann sie damit auch nicht helfen – er wird zum hilflosen Wanderer zwischen den Welten, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, und wo der Zuschauer gerade noch Mitleid mit ihm hat, entblößt Simon Gäbel auch gleich seine verabscheuungswürdige Seite. Ist er vielleicht sogar ein Mörder?

Er ist zu Beginn des Stücks gerade von den Toten auferstanden und sieht auch genauso aus. Doch dann spielt sich Helge Siefken die Seele aus dem Leib. Er steigert sich im Laufe des Stücks in wahnsinnige Raserei, in Verzweiflung und Überraschung, in Empörung, Verwirrung, Panik und Todesangst, die ihn am ganzen Körper zittern lässt. Er ist verängstigt, schockiert, perplex und wütend – und wo auch immer Helge Siefken diese Gefühle herholt, so füllt er damit jedes Mal die Bühne an, als gebe es nichts um ihn herum als das Krankenhaus und seine blanke Angst, verrückt zu werden.

Dazu tragen die beiden Frauen bei, die in Simon Gäbels Leben eine Rolle spielen: Die sanftmütige Klara, herzerwärmend und liebevoll gespielt von Silke Bruins, und die eiskalte Anna, die Nina Cramer herrlich realistisch als herrschsüchtiges Biest auf die Bühne bringt.

Doch auch, wenn der Zuschauer gefesselt ist und an mancher Stelle vielleicht vor Schreck zusammenzuckt, bietet das Stück Gelegenheit zum Lachen – dafür sorgen unter anderem Andreas Frerichs als Herr Wanner (und in anderen Rollen mit weit aufgerissenen Augen) und Patient Tramann, als Side-Kick mit perfektem Timing gespielt von Nils Elberling. In die Schranken gewiesen wird der fiese Zimmerkamerad von Dr. Möller, den Alfons Wojakilowski würdevoll als Chefarzt vom alten Schlag verkörpert.

Ebenso rasant wie der Anfang ist auch das Ende des Stücks. Dass die Zuschauer bei der Premiere, die gleichzeitig eine Uraufführung des Thrillers in niederdeutscher Sprache war, nicht mit Standing Ovations applaudiert haben, kann nur daran liegen, dass sie mit weichen Knien und in Schockstarre nicht aus ihren Sesseln herauskamen.

Auf einen Blick

Regie führte René Schack, Carmen Fastenau assistierte ihm, das Bühnenbild entwarf Ewald Meine.

Auf der Bühne stehen Insa Glowatzki als Schwester Carolin, Rolf Renken als Pfleger Tramsen, Helge Siefken als Simon Gäbel, Julian Richter als Dr. Jeremias Müller, Silke Bruins als Klara, Nina Cramer als Anna, Andreas Frerichs als Herr Wanner und in verschiedenen Rollen, Nils Elberling als Patient Tramann und Alfons Wojakilowski als Dr. Möller.

Hinter der Bühne wirken an dem Stück Ulrike Siefken als Souffleuse, Fine Hollander-Müller, Silke Köhler-Behrends und Gaby Uphoff in der Inspizienz, bei den Kostümen und Requisiten, Elke Gravekarstens und Rita Uceda Resch in der Maske, Ewald Meine und Stefan Nannen in der Technik, Maice Renken und Elke Osterthun in der Schneiderei sowie Willi Ackermann, Gerd Diers, Günther Diers, Wolfgang Fischer, Fritz Höfers, Wolfgang Jakobs, Karl-Heinz Klockgether, Karl-Heinz Kraul, Reiner Tütken und Bastian Warntjen beim Bühnenbau mit.

Weitere Aufführungen sind Dienstag, 14. Januar, 20 Uhr; Donnerstag, 16., 20 Uhr; Freitag, 17., 20 Uhr; Sonntag, 19., 20 Uhr; Mittwoch, 22., 20 Uhr; Freitag, 24., 20 Uhr; Samstag, 25., 20 Uhr; Sonntag, 26., 16 Uhr und am Dienstag, 28. Januar, 20 Uhr.

Karten gibt es im Bühnenbüro an der Urwaldstraße 37, Tel. 04452/918073. Geöffnet: montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 11 und von 15.30 bis 17.30 Uhr; mittwochs geschlossen.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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