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NWZonline.de Region Friesland Kultur

Etikettenschwindel beim „Phantom der Oper“?

19.02.2019

Oldenburg Groß angekündigt, vielfach gefeiert, weltweit erfolgreich: das Musical „Das Phantom der Oper“. Ein Zusatz scheint nötig: in der Fassung des Komponisten Andrew Lloyd Webber. Auf diese hatte sich auch Jürgen Bornefeld aus Varel gefreut, als er am 6. Februar in die Weser-Ems-Hallen ging. „Das Musical der Superlative in deutscher Fassung, Das Phantom der Oper“ – so wird die Inszenierung der „Central Music Company“ auf der eigenen Webseite beworben. Produziert wird es von der ASA Event GmbH. Nicht das bekannte Musical von Webber wurde hier gezeigt, sondern ein „Musical in 16 Bildern nach dem Roman von Gaston Leroux“ von Arndt Gerber (Musik) und Paul Wilhelm (Text).

Bornefeld sagt ganz deutlich: „Ich fühle mich von dieser Vorstellung betrogen.“ Der 66-Jährige findet: „Mit dem Wort Originalproduktion wird verschleiert, dass es sich um zweitklassige Musik handelt.“

Kommentar

Dreimal mehr hinschauen

Kommentar

Imke Harms

Theaterfans wissen es: Besonders die großen Stoffe kommen immer mal wieder in verschiedenen Umsetzungen daher. Das gilt nicht nur für die Inszenierung, die Spielstätte, das Bühnenbild und die Besetzung, sondern zum Teil für ganze Stücke. Der Spaß hört aber da auf, wo wissentlich ein Verbraucher hinters Licht geführt und mit seinen Erwartungen gespielt wird.

Auch das „Dschungelbuch“ gibt es in vielen verschiedenen Versionen. Wird jedoch mit dem Wort „Originalproduktion“ geworben, so erwarten die meisten Besucher eine Inszenierung, die dem medial am meisten verbreitete Stück entspricht.

Ein Musical lebt von Liedern – logisch. Wenn keines der erhofften Stücke gespielt wird, ist das traurig. Das „Dschungelbuch“ anzuschauen, ohne „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ mitzusingen, was wäre das? Eben – eine dicke Enttäuschung.

Und genau das ist auch in diesem Fall passiert: Die halbe Maske, dieselbe Grundlage, „Originalproduktion“: Hier wird klar darauf gesetzt, dass Besucher denken, den klassischen „Webber“ zu sehen.

Die Konsequenz kann nur sein, auch wenn es anstrengt: Genau wie bei Telefonverträgen und Pauschalreisen lieber dreimal mehr hinschauen...

Imke Harms über Kritik an Musical-Veranstalter.

Bornefeld hatte vor einigen Jahren bereits in Hamburg die Webber-Produktion gesehen, sich auf diese Musiktitel erneut in Oldenburg gefreut. „Das gezeigte Stück hat nichts mehr damit zu tun“, ärgert sich Bornefeld. Ein Ehepaar habe die Weser-Ems-Halle in der Pause verlassen, habe er bemerkt. Bornefeld kann nur den Kopf schütteln. Auch über den Preis: „Eine Karte kostete 74 Euro. Die Version von Webber wäre mir das auch wert gewesen, aber so?“

Generell könnten Veranstalter Preise so festlegen, wie sie wollten, sagt dazu Christel Lohrey von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Da gilt: Anbieten kann ich erstmal alles. Wer es bezahlt, ist dann eine andere Frage.“ Sie weiß aber auch: „Das ist kein neues Phänomen – es gibt immer wieder Produktionen, die damit spielen, dass Verbraucher eine medial weit verbreitete Version erwarten.“

„Die ,internationalen Solisten’, ,das große Orchester’ und die ,anmutigen Balletttänzer’, die in der Ankündigung locken, haben Bornefeld stark enttäuscht. „Es waren zehn Musiker. Das ist doch kein großes Orchester!“ Er habe den Eindruck, dass die Central Musical Company mit der „Lloyd-Erwartung“ der Zuschauer spekuliert hat, obwohl das gezeigte Stück in seinen Augen keinem Vergleich standhält.

Bei der Weser-Ems-Halle wird darauf verwiesen, dass sie „lediglich Vermieter der Hallen seien und keinen Einfluss auf die Inhalte der Gastspiele haben“. Bei weiteren Fragen möge man sich an den Veranstalter des Stückes selbst wenden.

Bornefeld tat das nicht, aber er redete mit Freunden, Bekannten. „Ich wollte mich versichern, ob andere auch auf die Werbung reingefallen wären.“ Er bekam die Bestätigung. „Ich bin vorsichtiger geworden und recherchiere erstmal, bevor ich Karten kaufe. „Genau richtig“, sagt Christel Lohrey. Schlagwörter wie „Originalproduktion“ führten bei den Zuschauern öfter zu Verwirrung. Doch falsch gespielt wurde nicht im eigentlichen Sinne. Denn: „Nirgends wird mit dem Namen Andrew Lloyd Webber geworben“, ergänzt Lohrey. „Da wird mit Assoziationen gespielt. Wenn diese bei Besuchern enttäuscht werden, ist der Ärger nachvollziehbar. Die Aufmachung der Werbung für das Musical suggeriert etwas, das dann nicht erfüllt wird“, meint Lohrey.

Das Phantom der Oper sei im Original aber auch kein Musical, sondern ein Roman. „Der Begriff ,Originalproduktion’ verweist also nicht auf Webber, sondern auf das Buch. Das ist nicht gelogen. So sieht es auch der Veranstalter selbst: „Es gibt einige Produktionen auf dem Markt. Die Vorlage aller Musicals des ,Phantoms’ ist dabei der Roman von Gaston Leroux. Ein Vergleich mit einem anderen Musical kann es somit nicht geben“, sagt Christian Schmidt vom Veranstalter ASA auf Nachfrage der NWZ.

Außerdem: „Bei unserer Fassung handelt es sich um eine komplett eigenständige Inszenierung, die bereits seit über 20 Jahren erfolgreich auf Tournee geht.“ Dadurch sei dieses Arrangement selbst bekannt, es sei „nicht nötig auf Zuschauer mit Lloyd-Erwartungen zu spekulieren“.

Christel Lohrey rät wiederholt: „Verbraucher sollten genau hinschauen, was sie buchen. Wenn sie ein Andrew-Lloyd-Webber-Stück sehen wollen, dann müssen sie auch darauf achten, dass Andrew Lloyd Webber drauf steht.“

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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