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NWZonline.de Region Friesland Kultur

„Riese“ vor 150 Jahren die Attraktion

16.09.2016

Varel Wenn an diesem Freitag, 16, September, um 16 Uhr der 250. Vareler Kramermarkt eröffnet wird, bietet er allerlei Rummel für groß und klein: Autoskooter, Breakdancer und Karussells. Doch was waren die Attraktionen vor 150 Jahren? Ein Leser hat jetzt im Archiv des „Gemeinnützigen“, dem Vorläufer der NWZ  in Varel, zwei Anzeigen gefunden. Sie priesen so genannte „Events“ an, die sich auf allen Jahrmärkten des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreuten.

Die Zurschaustellung von Menschen mit körperlichen Abnormitäten, sogenannter „Freaks“, befriedigte die Sensationsgier der Marktbesucher offenbar in besonderem Maße. Sie fehlte auf kaum einem Kramermarkt im 19. Jahrhundert. Das Mitgefühl der Vareler vor 150 Jahren mit diesen bedauernswerten Menschen, die wie exotische Tiere präsentiert wurden, hielt sich offenbar in Grenzen.

Und so warb die Schausteller-Familie Wolff aus Frankenthal am 12. Oktober 1865 für „merkwürdige, Bewunderung erregende Naturseltenheit“, die in Varel „zur Schau ausgestellt werden“. Es handelte sich dabei um den „Riesen Murphy“ und den „kleinsten Mann der Welt, genannt General Tom Pouce“.

„30 Jahre alt, 8 Fuß rhein. Maaß hoch und 330 Pfd. wiegend.“ So hieß es in der Ankündigung über den Mann, der nach heutigen Maßstäben 2,48 Meter groß und knapp 150 Kilogramm schwer wäre: „Da sich jedermann für ungewöhnliche Erscheinungen interessiert, so wird dieses Interesse durch die große Bewunderung, die die außergewöhnliche Größe des Riesen Murphy erregt, noch erhöht, weil sie alle Erwartungen übertrifft, und der Kunst und Wissenschaft einen noch wenig untersuchten Soff bietet.“

„General Tom Pouce erscheint im Kostüm als Friedrich der Große und Napoleon I.“, hieß es weiter: Man bittet, „den General nicht mit den schon öfters gesehenen Zwergen zu verwechseln, welche ungestaltet Glieder haben“. Die 23-jährige „Attraktion“ gleiche „einem 4jährigen Kinde“. Er ist 28 Zoll hoch und wiegt 30 Pfund (knapp 70 Zentimeter und 13 Kilogramm) „und wird sich ein Vergnügen daraus machen, an ihn gerichtete Fragen zu beantworten.“

Gezeigt wurde aber auch Kulturelles. Varel war schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Kultur-Hochburg im Oldenburger Land. Das wussten auch die „fahrenden“ Opern- und Theaterbühnen, wie die „Gesellschaft Redeker“. Sie inserierte für ihren Auftritt „unter Mitwirkung der berühmten Komiker, der Herren Menritsch und Gelübcke“.

Während des Kramermarktes im Jahr 1867 durften sie sich des besonderen Publikumsinteresses „in der schön decorierten Ton-Halle“ sicher sein, wie der „Gemeinnützige“ schrieb: „Zum Vortrage kommen außer Solopartien in deutscher, englischer und französischer Sprache, Duetts und Terzetts aus den besten Opern und neuesten Possen.“

Olaf Ulbrich
Redaktionsleitung Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2501

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